Kritik vom politischen Gegner : Tempelhof-Aktivistin vermietet Ferienwohnungen

Zum Start der heißen Wahlkampfphase kommt der Initiative "100 Prozent Tempelhofer Feld" etwas in die Quere: Eine Aktivistin vermietet Ferienwohnungen, befördert privat also den Wohnungsmangel in Berlin – und wird dafür nun kritisiert.

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Bald ist Zieleinlauf beim Volksentscheid.
Bald ist Zieleinlauf beim Volksentscheid.Foto: dpa

Wie integer ist die Initiative „100 Prozent Tempelhofer Feld“? Margarete Heitmüller, eine der Aktivisten gegen die Bebauung des ehemaligen Flughafenareals, lässt zumindest an der Integrität zweifeln. Neben ihrem Engagement für die „Freiheit des Feldes“ vermietet sie nämlich Ferienwohnungen im Berliner Stadtgebiet. Auf einer Immobilienplattform im Internet bietet sie zum Beispiel eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Prenzlauer Berg für 1500 Euro pro Monat an, auch ein 40-Quadratmeter-Appartement in Neukölln für 50 Euro pro Nacht kann man bei ihr bekommen. Wie passt das zusammen? Den Bau von neuen Wohnungen verhindern und gleichzeitig das knappe Kontingent an bezahlbaren Mietwohnungen auf dem Berliner Immobilienmarkt verringern?

"Wir sind viele"

Kerstin Meyer von „100 Prozent Tempelhofer Feld“ verteidigt ihre Mitstreiterin gegen öffentliche Kritik. Sie sieht im Angriff auf Heitmüller eine Gegenkampagne der Bebauungsbefürworter. Doch so eine „Schlammschlacht“ würde weder sie noch Heitmüller mitmachen. Welchen Berufen die Aktivisten als Privatpersonen nachgehen würden, sei völlig legal und egal. Solange die Tätigkeiten nicht gegen Gesetze verstößen, sie keine öffentlichen Gelder veruntreuten, sei auch die Integrität der Initiative nicht beeinträchtigt. Das Privatleben einzelner Aktivisten gehöre nicht in die Öffentlichkeit. „Hinter diesem Volksbegehren stehen 185 000 Berlinerinnen und Berliner“, sagt Meyer. Margarete Heitmüller war für ein Gespräch nicht zu erreichen. Sie werde sich vom Geschäft mit den Ferienwohnungen trennen, lässt sie aber wissen. Sie komme aber aus bestimmten Verpflichtungen nicht so schnell heraus.

Für den politischen Gegner ist der Fall aber eine gute Vorlage. „Das geht gar nicht zusammen“, kommentiert Christoph Brzezinski, Vorsitzender der Jungen Union in Berlin. Für ihn ist bezahlbarer Wohnraum das eigentliche Thema beim Volksentscheid. Die Aktivitäten der Aktivistin bezeichnet er deswegen als „doppelt problematisch“, da die Initiative aktiv den Wohnungsbau verhindere. Obendrauf noch Ferienwohnungen teuer vermieten – das könne er nicht nachvollziehen. Auch Juso-Chef Kevin Kühnert übt Kritik an der Initiative generell und an Heitmüller im Besonderen. Für alle Berliner, die nach bezahlbarem Wohnraum suchen, sei dieser Fall ein Schlag ins Gesicht. CDU und SPD werben beim Volksentscheid für eine Randbebauung und versprechen den Bau von Sozialwohnungen. Konkrete Zahlen zu genauen Plänen dazu gibt es aber nicht.

Von Tanten und Onkels

Antje Kapek, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Grünen im Abgeordnetenhaus, betont die Unabhängigkeit ihrer Partei von der Initiative „100 Prozent Tempelhofer Feld“. Die Grünen hätten sich nach langen Diskussion gegen eine Bebauung nach den Plänen des Senats entschieden und nur deswegen dem Gesetzesentwurf zur Nicht-Bebauung angeschlossen. „Es ist nicht wichtig, was irgendwelche Tanten oder Onkel von der Initiative machen, solange es um die Sache geht. Der Gesetzesentwurf der Initiative bleibt integer“, sagt Kapek. Sie sei aber gegen die überteuerte Vermietung von Ferienwohnungen im Stadtgebiet: „Das verschlimmert die Wohnungsnot.“

Julius Dahms, ebenfalls Mitglied der Initiative, erkennt im Fall seiner Mitstreiterin durchaus einen Schaden: „Wir haben die Ferienwohnungen von Frau Heitmüller innerhalb der Initiative kritisch diskutiert und sie darauf hingewiesen, dass dies nicht hilfreich für uns ist.“ Heitmüllers persönliche Sachlage ändere jedoch nichts an den Argumenten, die für die Erhaltung des Tempelhofer Feldes sprechen. Am 25. Mai können die Berliner dann über die Zukunft des Feldes und über die Berliner Wohnungssituation abstimmen.

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