Kunst und Markt : In der Luxuslimousine zum Bilderkauf

Rufina Valsky bietet wohlhabenden Kunden aus Israel und Russland eine Orientierungshilfe durch die Galerieszene. Sie berät beim Kunstkauf in Berlin.

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Taxi zur Kunst. Rufina Valsky kennt sich gut in der Berliner Galerienszene aus und bietet entsprechende Touren kreuz und quer durch die ganze Stadt an.
Taxi zur Kunst. Rufina Valsky kennt sich gut in der Berliner Galerienszene aus und bietet entsprechende Touren kreuz und quer...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Die wirklich wichtigen Anrufe erreichen Rufina Valsky in der Regel gegen Ende des Jahres. Rufina, heißt es dann am anderen Ende der Leitung, hast du nicht was Schönes für mich? Rufina Valsky, die wohlhabende Kunden aus Israel und Russland beim Kunstkauf berät, weiß dann, dass da jemand Geld loswerden muss, um bei der Jahresbilanz Steuern zu sparen. Klar, antwortet die 33-Jährige den Anrufern – komm nach Berlin, wir finden was für dich.

Knapp drei Jahre ist es her, dass Rufina Valsky aus Israel nach Deutschland umgezogen ist. In Tel Aviv hatte sie zuvor Kunstgeschichte studiert, selbst eine Galerie geleitet, die Öffentlichkeitsarbeit eines Museums geführt und nebenbei Sammler beraten. „Die Kunstszene in Tel Aviv ist toll, aber sie ist sehr lokal geprägt“, sagt Valsky. Zusammen mit ihrem Mann, einem Kritiker und Kurator, entschied sie deshalb, dauerhaft nach Berlin zu wechseln. Vertraut war beiden die Stadt schon vorher, oft hatten sie Sammler bei Einkaufstouren durch die hiesigen Galerien begleitet. „Die Stadt ist für mich eins der drei Zentren der westlichen Kunstwelt. Neben New York und London gibt es nur Berlin“, sagt Valsky.

Schon vor ihrem Umzug war ihr allerdings aufgefallen, dass die Berliner Kunstszene für Außenstehende schwerer zu durchdringen ist als die in New York und London. „Was hier fehlt, ist das eine Viertel, in dem alle Galerien sitzen. In Berlin sind sie über die ganze Stadt verstreut.“ Valsky fand es anfangs selbst nicht einfach, ihre Galeriebesuche zu organisieren, weil die Wege von Ausstellungsort zu Ausstellungsort so weit waren. Bald aber brachte genau diese Hürde sie auf eine Geschäftsidee: „Ich dachte, wenn schon ich diese Schwierigkeiten habe, dann haben andere sie erst recht.“

Für Berlinbesucher, die innerhalb kürzester Zeit einen möglichst großen Ausschnitt der Galerieszene kennenlernen wollen, bietet Rufina Valsky deshalb seit dem vergangenen Jahr einen englischsprachigen Taxiservice an. Täglich um 14 Uhr wartet am Rosa-Luxemburg-Platz, vor dem Eingang der Galerie „Nagel & Draxler“ in der Weydingerstraße, ein schwarzer BMW auf Kunden. 50 Euro pro Person kosten die drei- bis vierstündigen Touren, die quer durch die ganze Stadt führen. Geleitet werden sie von Connor Hersey, einem Kunststudenten aus den USA, den Valsky als kundigen Galerieführer angeheuert hat.

Für 500 Euro im Phaeton durch die Kunstszene

Teurer und exklusiver sind die Touren, die Valsky selbst leitet. Für 500 Euro führt sie internationale Kunstsammler durch die Stadt, in der Regel im gemieteten VW Phaeton nebst Fahrer, oder, wenn den Kunden das lieber ist, mit Taxis und öffentlichen Verkehrsmitteln. Valsky, die in Russland geboren wurde und als Kind mit ihren Eltern nach Israel auswanderte, bietet die Führungen wahlweise auf Englisch, Russisch oder Hebräisch an. „Irgendwann kann ich es vielleicht auch auf Deutsch machen“, sagt sie lachend. „Aber dafür reichen meine Sprachkenntnisse bisher nicht.“ Zu Valskys Kunden zählt unter anderem Yakov Hadas-Handelsman, der israelische Botschafter in Berlin. Um auf dem Laufenden zu bleiben, lässt sich der Diplomat gelegentlich von ihr durch die Berliner Galerien führen – die letzte gemeinsame Tour liegt wenige Wochen zurück.

Unterwegs sind an jenem Märztag der Botschafter, seine Frau und der israelische Kulturattaché nebst drei Zivilpolizisten, die sich dezent im Hintergrund halten. Für Hadas-Handelsmans gepanzerten Dienstwagen ist die Gruppe zu groß, andere Fahrzeuge scheiden aus Sicherheitsgründen aus, weshalb die Tour mit öffentlichen Verkehrsmitteln stattfindet. Los geht es in Kreuzberg, in der Galerie „C1“ in der Mittenwalder Straße, die überwiegend israelische Künstler repräsentiert. Interessiert bleibt der Botschafter vor einer Video-Installation stehen: Ein Paar in Abendkleidung treibt im Toten Meer, zwischen ihnen schwimmt ein gedeckter Tisch, ein rätselhaftes, gequält wirkendes Essen wird da zelebriert. Höflich stellt der Botschafter ein paar Fragen. Mal antwortet Rufina Valsky, mal die Galeristin, bevor die Gruppe weiterzieht zum nächsten Ausstellungsort.

Auch der israelische Botschafter lässt sich führen

Unterwegs, in der U-Bahn, lacht Yakov Hadas-Handelsman, als er gefragt wird, ob er denn heute auch etwas kaufen wolle. „Ja“, sagt er dann. „Tomaten.“ Nach Lebensmitteln könne man gezielt suchen, nach Kunst nicht, findet der Botschafter – und erzählt amüsiert von Ankara, einem seiner letzten diplomatischen Einsatzorte, wo die israelischen Touristen kostbare Teppiche gerne nach Gewicht kaufen, ohne sich wirklich für ihren ästhetischen Wert zu interessieren.

Im weiteren Verlauf der Tour stehen drei von Rufina Valskys Berliner Lieblingsgalerien auf dem Programm: die Ausstellungsräume von Guido W. Baudach in der Potsdamer Straße sowie die von Isabella Bortolozzi und Esther Schipper am Schöneberger Ufer. In allen dreien wird Valsky überschwänglich begrüßt, die Galeristen kennen sie – und sie wissen, dass Valsky regelmäßig zahlungskräftige Kunstinteressenten durch ihre Ausstellungen führt. Kommt es bei solchen Besuchen zu Verkäufen, wird sie mit einer Provision am Gewinn beteiligt.

Derzeit sind es vor allem israelische Kunden, die sich von Valsky beraten lassen – anders als noch vor rund anderthalb Jahren. „Damals“, erinnert sich Valsky, „habe ich in der Weihnachtszeit ein russisches Paar nach dem anderen am KaDeWe abgeholt und durch die Galerien geführt.“ Als sie ein Jahr später wieder auf die üblichen Steuerspareranrufe wartete, habe sich dagegen nur noch ein einziger russischer Interessent gemeldet. Die internationalen Wirtschaftssanktionen, die nach der Krimannektierung gegen Russland verhängt wurden, hatten ihre Wirkung gezeigt.

Ihre Arbeit begreift Valsky zugleich als Geschäft und als Mission. „Wenn Kunden etwas Dekoratives für ihre Wohnung suchen, helfe ich ihnen gerne“, sagt sie. „Gleichzeitig versuche ich zu vermitteln, dass Kunst über das Dekorative hinausgeht, dass sie ein Wert für sich ist.“

Infos: berlinartguide.org, Art-Taxi: täglich 14 Uhr ab Galerie Nagel & Draxler, Weydingerstraße 2, Mitte, 50 Euro pro Person, Kontakt für Privattouren unter 0176/694 830 04.

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