KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen : Busanbieter blockt bei besserer Anbindung ab

700.000 Besucher aus aller Welt werden allein in diesem Jahr in der Gedenkstätte Sachsenhausen in Oranienburg erwartet. Der Bitte um bessere Anbindung will der Busanbieter nicht entsprechen.

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Sachsenhausen ist eine der bedeutendsten Gedenkstätten für das KZ-Mordsystem der Nazis in Deutschland.
Sachsenhausen ist eine der bedeutendsten Gedenkstätten für das KZ-Mordsystem der Nazis in Deutschland.Foto: dpa/ Patrick Pleul

Es ist eine der bedeutendsten Gedenkstätten für das KZ-Mordsystem der Nazis in Deutschland. Allein in diesem Jahr werden 700.000 Besucher aus aller Welt in der Gedenkstätte Sachsenhausen in Oranienburg (Oberhavel) vor den Toren Berlins erwartet. Doch wer aus Berlin per Regionalexpress oder S-Bahn ankommt, hat ein Problem: Vom Bahnhof fährt wochentags stündlich ein Bus, am Wochenende, wenn die meisten Besucher kommen, nur alle zwei Stunden.

Zu Fuß braucht man bis zu eine halbe Stunde zur Gedenkstätte. Seit Jahren kämpft die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten deshalb für eine bessere Busanbindung. Bislang vergeblich. Zuständig ist die Oberhavel Verkehrsgesellschaft (OVG) des Landkreises Oberhavel.

OVG-Geschäftsführer weigerte sich, Unterschriftenliste anzunehmen

Die Gedenkstätte, das Sachsenhausen-Komitee sowie der Förderverein, unterstützt von Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD), starteten daher eine Online-Petition. 14.127 Unterschriften kamen zusammen. Stiftungsdirektor Günter Morsch wollte sie am Montag dem Unternehmen überreichen, gemeinsam mit Dik de Boef, Generalsekretär des Internationalen Sachsenhausen-Komitees, der als Vertreter früherer KZ-Häftlinge aus Amsterdam anreiste.

OVG-Geschäftsführer Klaus-Peter Fischer aber weigerte sich, die Liste anzunehmen. Fischer ließ trotz vorheriger Anmeldung Morsch und Boef bei seiner Vorzimmerdame auflaufen, öffnete nur kurz die Tür und sagte: „Ich freue mich nicht über ihren Besuch.“

Die Grünen im Landtag sprachen von einem Affront. Die regierenden Linken warfen dem OVG-Chef einen respektlosen, inakzeptablen Umgang vor. Landrat Ludger Weskamp (SPD) erklärte, dass er derlei nicht billigt. Auf Druck musste der OVG-Chef einen Gesprächstermin mit Günter Morsch vereinbaren. Der erklärte, es herrsche ein „unglaubliches Desinteresse“ beim Kreis, die Gedenkstätte besser anzubinden.

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