Lageso und der erfundene tote Flüchtling : Lauer: "Henkel und Czaja tragen die Schuld"

Christopher Lauer sieht Frank Henkel und Mario Czaja in der Verantwortung dafür, dass so viele einen Toten am Lageso für möglich halten. Ein Interview.

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Christopher Lauer.
Christopher Lauer.Foto: dpa

Herr Lauer, die Meldung über einen angeblich gestorbenen Flüchtling hat sich als Falschmeldung entpuppt. Sie selbst hatten gestern Mittag bereits den Rücktritt von Mario Czaja gefordert. War das etwas vorschnell?

Nein. Ich bleibe dabei: Hätte sich der Fall bewahrheitet, dann wäre Czaja fällig gewesen. Ich sehe keinen Grund dafür mich bei Czaja, der CDU oder Frank Henkel zu entschuldigen...

...genau das fordert der Berliner Innensenator...

Es ist ganz einfach: Frank Henkel und Mario Czaja tragen die Schuld, dass sich das Gerücht überhaupt derart rasant verbreiten und die halbe Stadt verrückt machen konnte. Henkel und Czaja sind für die unhaltbaren Zustände am Lageso direkt verantwortlich und nur deshalb hält es die Öffentlichkeit für möglich, dass ein Flüchtling am Lageso stirbt. Niemand wünscht sich Tote, aber jeder rechnet aufgrund der Situation am Lageso seit Monaten damit. Frank Henkel sollte sich dafür schämen, dass er nun versucht aus
dieser Situation politisches Kapital zu schlagen und gegen alle austeilt, insbesondere gegen die freiwilligen Helfer.

Henkel erklärt, dass das Verhalten des Helfers, der den Tod eines Flüchtlings vorgetäuscht hat, allen Helfern schade. Hat er nicht auch Recht?

Natürlich ist das ein Bärendienst für alle Helfer. Allerdings ist Frank Henkel momentan der einzige Politiker, der diesen tragischen Einzelfall instrumentalisiert. Es ist eine Schande, dass er jetzt versucht, alle Helfer in einen Topf zu verwerfen und als Lügner zu
diffamieren. Wenn es nicht tausende freiwillige Helfer in Berlin gäbe, könnte Frank Henkel ab morgen selbst Suppe und warme Kleidung am Lageso verteilen. Es liegt in seiner Verantwortung, dass die Verwaltung besser funktioniert. Das tut sie aber nicht.

Henkel spricht auch davon, dass man rechtliche Konsequenzen prüfen müsse. Sehen Sie dafür eine Chance?

Nein. Es wurde weder eine Straftat begangen noch wurde eine vorgetäuscht. Polizei und Feuerwehr wurden ja nur aktiv, weil die Geschichte glaubhaft war. Es ist gefährlich zu versuchen solche Aussagen zu kriminalisieren. Denn damit würde man auch alle kritischen Flüchtlings-Helfer mundtot machen, weil dann jeder befürchten müsste, dass ihm strafrechtliche Konsequenzen drohen, wenn er etwas Kritisches sagt.

Das war aber in dem Fall nicht kritisch, sondern eine Lüge.

Das ist aber per se auch nicht strafbar. Er hat keinen falschen Notruf abgesetzt, er hat keinen Meineid geleistet, sondern einfach Unsinn auf Facebook behauptet.

Was glauben Sie wird dieser Fall mit den freiwilligen Helfern machen?

Er sagt vor allem etwas über die Helfer selbst aus. Wir wissen natürlich noch nicht, warum die Behauptung in die Welt gesetzt wurde, was den Mann geritten hat. Aber klar ist auch: Wenn man sich jeden Tag mit dem Elend am Lageso beschäftigen muss, dann beeinträchtigt das einen schon sehr. Es ist eigentlich zwingend erforderlich, dass die Helfer psychologisch betreut werden und von der Politik mit ihren Eindrücken nicht alleine gelassen werden.

Christopher Lauer ist Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus. Er ist parteilos, aber Mitglied der Piratenfraktion. Das Interview führte Christian Tretbar.

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