Pankow : CDU nimmt NPD-Mitläufer wieder auf

Knapp drei Jahre nach seinem Parteiaustritt ist Bernhard Lasinski am Sonnabend zum Beisitzer im Pankower CDU-Ortsverband Nord gewählt worden.

Jörn Hasselmann

BerlinWie berichtet war der Schatzmeister der CDU  Pankow-Nord im April 2006 auf einer NPD-Demonstration gegen den Moschee-Neubau in Heinersdorf mitmarschiert. Im Tagesspiegel hatte Lasinski anschließend seine Teilnahme an dieser Demonstration als „einzige Möglichkeit“ des Protests verteidigt. „Wenn es die demokratischen Parteien versäumen, den Protest auf die Straße zu tragen, gehen sie eben die Gefahr ein, dass jemand bei der NPD mitläuft“, sagte er. Doch unter den 150 Demonstranten waren nicht nur NPD-Mitglieder sondern zahlreiche polizeibekannte und vorbestrafte Nazischläger.

Nachdem die Demo-Teilnahme Lasinskis durch Antifa-Gruppen bekannt gemacht worden war,  hatte der damalige CDU-Generalsekretär Frank Henkel mitgeteilt, Lasinski sei einem Parteiausschluss nur durch einen schnellen Austritt zuvorgekommen.  Auch der damalige CDU-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl, Friedbert Pflüger, hatte gefordert, Lasinski „aus der Partei zu werfen“.

Frank Henkel war völlig überrascht

Dies scheint jetzt vergessen. Der Pankower CDU-Kreisvorsitzende Peter Kurth verteidigte gestern die Wiederaufnahme in die CDU. Diese sei bereits Ende 2007 erfolgt. Kurth berichtete gestern, dass der Ausgetretene in einem Brief an ihn „die einmalige Teilnahme an einer NPD-Demonstration“ als Fehler bezeichnet habe. Zudem habe Lasinski sich in dem Brief „scharf von rechtsextremistischen Positionen distanziert“, sagte Kurth gestern. „Mit dieser eindeutigen schriftlichen Erklärung ist das Thema erledigt.“ Darüber habe im Kreisverband Einvernehmen geherrscht.

Der damalige Generalsekretär und heutige Landesvorsitzende Frank Henkel erfuhr erst durch die Tagesspiegel-Nachfrage von der Personalie  –  und zeigte sich völlig überrascht. Nach einem Telefonat mit Kurth sagte Henkel am Nachmittag dann: „Es ist nachvollziehbar, wenn jemandem nach so langem Vorlauf wieder eine Chance eingeräumt wird.“ Dass Lasinski nun auch in ein Amt gewählt wurde, behagt ihm allerdings nicht so recht. „Da hätte ich mir schon einen sensibleren Umgang gewünscht“, sagte der Berliner CDU-Chef. Nach einem Vorfall wie der Teilnahme an einer NPD-Demo sei „zunächst äußerste Zurückhaltung gut“.

Die Pankower Antifa warf der CDU gestern erneut „rassistische Stimmungsmache“ gegen die Ahmadiyya-Gemeinde vor, die „nur noch von der NPD übertroffen wird“. Die Gemeinde hatte, wie berichtet, im Oktober 2008 im Pankower Ortsteil Heinersdorf die erste repräsentative Moschee in Ostdeutschland eröffnet. 

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