Landwirtschaft : Der Regensommer verhagelt die Ernte

23.07.2012 00:00 Uhrvon
Wässrige Früchtchen. Diese Süßkirschenernte wird nichts mehr. Der Regen lässt die Früchte aufplatzen, sie verschimmeln noch am Baum. Nun hoffen Brandenburgs Obstbauern auf die später reifenden Sauerkirschen. Foto: Klaer
Wässrige Früchtchen. Diese Süßkirschenernte wird nichts mehr. Der Regen lässt die Früchte aufplatzen, sie verschimmeln noch am Baum. Nun hoffen Brandenburgs Obstbauern auf die...

Kirschen verschimmeln an den Bäumen, Spreewaldgurken welken im Wasser und das Getreide taugt nicht zum Backen - der verregnete Sommer beschert Brandenburgs Bauern ärgerliche Ernteeinbußen. Noch aber besteht Hoffnung.

Für die meisten war dieser verregnete Sommer nur ein Ärgernis. Brandenburgs Bauern beschert er finanzielle Einbußen. „Wir hoffen, dass die Meteorologen Recht haben und sich das Wetter nun hält“, sagt Werner Franke. Er ist Referent für Pflanzen- und Ackerbau beim Landesbauernverband. Wenn es in den nächsten Wochen einigermaßen trocken bleibt, wäre vielleicht noch etwas zu retten bei Obst, Spreewaldgurken und Getreide. Fest steht: In Berlin landet in diesem Jahr weniger frische Ware aus Brandenburg.

Weniger Kirschen und Erdbeeren

Schon der späte Frost Ende April hat den Kirschbäumen und Erdbeeren zugesetzt. Dann kamen der wochenlange Regen und die Hagelunwetter. Bei den Erdbeeren fiel die Ernte dürftiger aus. Bei den Süßkirschen in der Anbauregion rund um Werder (Havel), aber auch landesweit betragen die Verluste um die 60 Prozent und mehr. Ein Großteil der Ware kann nicht in den Handel, die Preise steigen deshalb. Das Problem: Die Regentropfen rinnen an den Kirschstängeln herab, die Süßkirschen saugen sich voll Wasser, denn der Zucker zieht es an. Schließlich platzen die Früchte, werden faulig und verschimmeln an den Bäumen. Zwar hat die Saison für Heidelbeeren, die bis September auf 81 Hektar geerntet werden, gerade erst begonnen, doch schon jetzt ist von Ertragsverlusten von bis 30 Prozent die Rede. Hoffnung besteht zumindest noch für späte Sorten, also Sauerkirschen, Pflaumen und Äpfel.

Kranke Bäume auf Plantagen

Auf den Obstbaumplantagen im Osten Brandenburgs haben die Bauern mit Feuerbrand-Erreger zu kämpfen. Das hochinfektiöse Bakterium befällt Apfel-, Birnen- und Quittenbäume und breitet sich rasch aus. Blätter und Blüten welken und werden dunkel. Die Krankheit ist meldepflichtig und lässt die Bäume absterben. Für Menschen ist die Krankheit nicht gefährlich, die Früchte können dennoch gegessen werde, heißt es vom Landeslandwirtschaftsamt. Zwar ist Feuerbrand schon seit mehr als 20 Jahren in der Region vorhanden. Doch jetzt verzeichnen die Obstbauern den schwersten Befall seit der Wende. Für den Erreger war das Wetter optimal: Erst wurden die Früchte durch Hagel beschädigt, dann folgte feucht-warmes Wetter. Jetzt müssen die Bauern Äste herausschneiden oder ganze Baumreihen fällen. Die Reste werden verbrannt. Das Land hat 50 000 Euro als Nothilfe bereitgestellt.

Spreewald-Gurken unter Wasser

Gurkenland unter. Die Spreewald-Gurkenernte beginnt gerade erst – mit Einbußen. Die Pflanzen bekommen Wasser statt Sauerstoff und welken im Nass. Foto: dapd Foto: dapd
Gurkenland unter. Die Spreewald-Gurkenernte beginnt gerade erst – mit Einbußen. Die Pflanzen bekommen Wasser statt Sauerstoff und welken im Nass. Foto: dapd - Foto: dapd

Auch die Spreewaldbauern haben bei der Ernte etliche Probleme. Hier betragen die Verluste bislang bis zu 25 Prozent. Erst war es zu kalt für die Spreewälder Gurken, immerhin eine EU-geschützte Marke. Dann kam der Regen. Der Boden verschlammt, es gelangt kein Sauerstoff mehr an die flach liegenden Wurzeln. Diese sterben ab, die Pflanzen werden welk. Und mit schweren Erntemaschinen lassen sich die feuchten Flächen nicht beackern, die Pflücker müssen zu Fuß ran. Noch aber besteht Hoffnung. Denn die Ernte hat erst begonnen und geht noch bis September. Doch die Ware ist nicht die beste, die Gurken sind zu groß: Am besten verkaufen sich kleine Spreewaldgurken im Glas. Die großen sind Schnipselware etwa für die Gastronomie.

Einbußen beim Getreide

Bei der Wintergerste betragen die Verluste besonders im Landessüden 50 Prozent und mehr – zu viel Nässe, heftiger Frost zu Jahresbeginn, ein trockenes Frühjahr und dann der Regen. Viele Äcker sind nicht befahrbar. Dabei sollte die Ernte schon vor einer Woche starten. Jetzt hoffen die Bauern auf ein paar trockene, sonnige Tage, um loslegen zu können. Auch der Raps hat gelitten, durch Regen und Hagel sind die Schoten geplatzt. Der Roggen ist im Süden seit einer Woche reif und konnte nicht gedroschen werden. Backqualität hat die Ernte nicht mehr, es reicht nur noch für Tierfutter und für Bioethanol. Der Weizen hat noch ein paar Tage, um zu trocknen. Keine Sorgen macht sich der Bauernverband bei Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben. „Die stehen prächtig“, heißt es. Ernte ist im September. Die Bauern sind aber wachsam: Das feuchte Wetter begünstigt den Pilzbefall wie Braunfäule.

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