Lange Nacht der Religionen : Berlins Gläubige gewähren Einblick

Rund 70 Berliner Kirchen, Moscheen und Tempel öffneten in der „Lange Nacht der Religionen“ ihre Türen für Besucher. Die Veranstaltung könnte den Dialog zwischen den Konfessionen neu beleben - doch ein Selbstläufer ist sie noch nicht.

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Ein Sufi-Derwisch betet im Sufi-Zentrum Rabbaniyya anlässlich der Langen Nacht der Religionen.
Ein Sufi-Derwisch betet im Sufi-Zentrum Rabbaniyya anlässlich der Langen Nacht der Religionen.Foto: dapd

Klaus Wowereit (SPD) trug eine schwarze Kippa. „Wir müssen sicher stellen, dass ein Jude seine Kippa tragen kann und dass der Turban getragen werden darf“, sagte der Regierende Bürgermeister am Sonnabend im Roten Rathaus. Mit einer programmatischen Ansprache eröffnete er dort die erste „Lange Nacht der Religionen“. Rund 70 Kirchen, Moscheen und Tempel öffneten ihre Türen für Besucher. Wenige Tage nach dem antisemitischen Angriff mutmaßlich arabischstämmiger Jugendlicher auf den Schöneberger Rabbiner Daniel Alter wollten Berlins Gläubige auch zeigen, wie sie sich für ein friedliches Zusammenleben in der Hauptstadt einsetzen.

Dazu gehört für Wowereit auch das öffentliche Bekenntnis zu einer Religion. „Ich meine, dass das Tragen religiöser Symbole nicht im Verborgenen stattfinden darf“, sagte der Regierende Bürgermeister, der mit dem Religionsbeauftragten des Senats, Hartmut Rhein, im Januar 2011 die Initialzündung zum „Berliner Dialog der Religionen“, einem Gesprächsforum von 250 Religionsgemeinschaften, gab. Eine Arbeitsgruppe dieses Forums entwickelte dann die „Lange Nacht der Religionen“ - „die erste konkrete Veranstaltung, mit der der Dialog an die Öffentlichkeit geht“, so Rhein.

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Doch bis diese zu einem Selbstläufer wie die Museumsnächte wird, ist es noch ein weiter Weg: Im Hof des „Islamischen Kultur- und Erziehungszentrums“ in der Neuköllner Finowstraße standen am frühen Abend zwar einige Gemeindeglieder, von einer „Nacht der Religionen“ hatten sie aber nichts gehört. Anders war es in der katholischen St. Christopherus-Kirchengemeinde, wo Pater Kalle Lenz wie jeden Samstag eine Vorabendmesse feierte. Und Fragen der Besucher etwa nach der Bedeutung des Tabernakels bewiesen, dass auch viele Fremde den Weg in das Gotteshaus gefunden hatten.

„Wir haben die Chance beim Schopf gepackt, um uns den Menschen im Kiez vorzustellen“, sagt Pater Kalle. Bahri Ciyan, der im Hof der „Tekke-i Kadiriyye“-Moschee an der Karl-Marx-Straße auf Besucher wartete, drückt sich ähnlich aus: „Wir wollen der Welt unsere Türen öffnen“, sagt Ciyan. „Über uns Muslime wird viel erzählt – aber in die Moscheen hinein traut sich keiner.“

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