Leben mit Opus Dei : Der Mount Everest des Glaubens

Innerhalb der katholischen Kirche gilt das Opus Dei als reaktionäres Schreckgespenst. Und außerhalb als Geheimbund. Es fehle an Transparenz, und der politische Einfluss sei groß. Doch nun öffnet sich die Organisation, die ihren Mitgliedern viel abverlangt.

von
Niedrige Hecke, sonst heißt es wieder... Horst Hennert lebt als "Numerarier" in der Grunewalder Villa des Opus Dei. Er weiß um dessen schlechten Ruf.
Niedrige Hecke, sonst heißt es wieder... Horst Hennert lebt als "Numerarier" in der Grunewalder Villa des Opus Dei. Er weiß um...Foto: Georg Moritz

Die Villa im Berliner Stadtteil Grunewald ist nicht zu übersehen. Sie steht an einer Kreuzung, die Hecke außenrum ist niedrig geschnitten. Ein Messingschild an der Tür weist den Weg zum „Informationsbüro der Prälatur Opus Dei in Deutschland“. Ein paar Stufen hoch und da ist auch schon Horst Hennert, der Hausherr, im Foyer. Er hält den Kopf leicht schief und zieht die Schultern nach oben. Freundliches Lächeln. Er ist ein wichtiger Strippenzieher der Organisation und wirkt fast schüchtern. Es ist ein weitläufiges Haus.

Vor zehn Jahren ist Hennert nach Berlin gekommen, um mit einer Handvoll Eltern in Potsdam eine Jungenschule zu gründen. Brandenburgs Schulministerium wollte das verhindern. Opus Dei gilt Kritikern als dubioser erzkatholischer Geheimbund. Hennert hat jahrelang gekämpft – und im Januar vor dem Bundesverwaltungsgericht gewonnen. Jetzt könnte es losgehen. Doch das Geld fehlt, sagt Hennert. Im Moment suchen sie ein Grundstück. Wenn sie es gefunden haben, suchen sie Spender.

Horst Hennert ist 69 Jahre alt. Wer sich dem Opus Dei verschreibt, kennt keinen Ruhestand. Sondern der „heiligt“ die Arbeit. Der tut alles, was er tut, für Gott: Spenden eintreiben, Kinder erziehen, Müll runterbringen oder eben Besucher durch ein Haus in Grunewald führen.

Darum geht es also. Der Mensch kommt Gott nicht nur in der heiligen Messe nahe, sondern auch im Alltag, das war einer der zentralen Gedanken des spanischen Priesters Josemária Escrivá de Balaguer. 1928 hat er eine neue Gemeinschaft innerhalb der katholischen Kirche begründet. Er nannte sie Opus Dei, „Werk Gottes“.

Das Gewöhnliche wird zum Gottesdienst, weshalb Opus-Dei-Mitglieder versuchen, in allem, was sie tun, besonders gut und erfolgreich zu sein. Aussteiger Georg Döller wird eine Woche später erzählen, dass er irgendwann total erschöpft gewesen sei.

„Mit der Entscheidung, beim Opus Dei mitzumachen, ist es so, wie wenn man sich vornimmt, den Mount Everest zu besteigen. Dass das nicht einfach ist, das ist klar“, sagt Hennert ruhig und mit rheinländischer Färbung in der Stimme.

Er führt vom Foyer in eine Kapelle und in ein großes Wohnzimmer, das in eine breite Fensterfront mündet. Sie ist von drei Seiten einsehbar. „Wir wollten die Hecke höher wachsen lassen, damit sie den Straßenlärm besser abhält“, sagt Hennert. „Aber dann heißt es wieder: Opus Dei will vertuschen. Also besser nicht.“

Feines Parkett, hölzerne Kassettendecke, schwarzer Flügel, „das Haus haben wir vor sieben Jahren vom Landessportbund gekauft, war billiger als in Kreuzberg zur Miete“, sagt Hennert, um Gedanken an den angeblichen Reichtum des Opus Dei gleich zu verscheuchen. Hennert wohnt hier auch. Dem wuchtigen Sofa hat das Leben Risse ins Leder gezogen, in Vitrinen steht Nippes, das Hochherrschaftliche ist recht verblichen. Zu den Vorträgen und Gesprächszirkeln kommt katholisches Bürgertum ins Haus, Aufsteiger, vorwiegend ältere Leute, konservativ, bieder.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben