Legionellenbefall in Berlin : Monatelang kein Schwimmunterricht

Das Stadtbad Tempelhof ist ab Montag wieder am Netz. Die Zukunft des Baerwaldbades hingegen ist völlig offen.

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Blick in das Baerwaldbad.(Archivfoto von 2010)
Blick in das Baerwaldbad.(Archivfoto von 2010)Foto: Kitty Kleist-Heinrich

"Leider verschiebt sich die Wiedereröffnung des Bades nochmals um eine Woche, am 30.11.2015 werden wir öffnen“. Was da in einem Satz auf der Homepage des Tempelhofer Stadtbades scheinbar unspektakulär daherkommt, ist für Schulen, Vereine und für die Berliner Bäderbetriebe (BBB) eine große Sache. Denn der Befall des Bades mit Legionellen war drei Monate lang nicht in den Griff zu bekommen. Das verschärfte vor allem Engpässe in Kreuzberg, wo zeitweise zwei weitere Bäder nicht zur Verfügung standen.

Schwierig ist die Lage hier vor allem durch die Schließung des Baerwaldbades, das seit Mai aus hygienischen Gründen nicht nutzbar ist. Der Bezirk hatte den Betrieb des Bades 2002 an den eigens dafür gegründeten Verein Tauchen, Schwimmen und Breitensport (TSB) abgegeben, der es aber nicht schaffte, das ebenso prächtige wie marode Bad zu unterhalten. Der Sanierungsbedarf im 1901 eröffneten Gebäude ist so groß, dass es schon vor rund 15 Jahren vom Land aufgegeben wurde: Zusammen mit zehn weiteren Bädern fiel es dem damaligen „Haushaltentlastungsgesetz“ zum Opfer.

Zwar wurde das Bad dann von dem Verein weiterbetrieben, weil der Bezirk sich nicht davon trennen wollte. Inzwischen betrifft der Verfall aber auch die kostspielige Be- und Entlüftungsanlage, sodass an eine baldige Wiedereröffnung nicht zu denken ist.

Auch das Spreewaldbad war zeitweise geschlossen

Die Lage in Kreuzberg verschärfte sich noch dadurch, dass nach den Sommerferien das Spreewaldbad „wegen dringender technischer Instandsetzungsarbeiten an der Wasseraufbereitungsanlage“ bis zu den Herbstferien geschlossen werden musste. „Auch dieses Bad ist inzwischen 30 Jahre alt und steht in der Prioritätenliste der zu sanierenden Bäder ganz oben. Erste Kostenschätzung: ein zweistelliger Millionenbetrag“, sagt Matthias Oloew, Sprecher der Bäderbetriebe. Insgesamt beziffert er den Investitionsstau der Bäder auf 93 Millionen Euro. Dem gegenüber stehen nur fünf Millionen pro Jahr, die das Land für Investitionen gibt.

Mehrere Schulen waren betroffen

„Unsere Drittklässler hatten dieses Schuljahr überhaupt noch keinen Schwimmunterricht“, beschreibt Rüdiger Röfke, Konrektor der Kreuzberger Adolf- Glaßbrenner-Grundschule, die Konsequenz aus der gleichzeitigen Schließung des Tempelhofer und Kreuzberger Bades. Die Adolf-Meyer- Schule für geistig Behinderte musste den Schwimmunterricht für die älteren Schüler ersatzlos streichen, damit zumindest die jüngeren zum Zuge kamen. An der Charlotte-Salomon-Schule, ebenfalls Kreuzberg, fiel vier Wochen lang das Schwimmen aus. Seit den Herbstferien schwimmen die Drittklässler in Mitte. Anders als die Glaßbrenner-Schule stellte die Salomon-Schule ihren Stundenplan entsprechend um. Welche weiteren Schulen von den Schließungen betroffen waren, war nicht zu erfahren.

Absehbar ist, dass es 2015/16 noch schwieriger als sonst wird, den Drittklässlern das Schwimmen beizubringen: In Friedrichshain-Kreuzberg klappte das im Vorjahr noch nicht einmal bei vier von fünf Kindern, womit der Bezirk an vierter Stelle der Nichtschwimmerstatistik lag.  

Die SPD macht sich für das Bad stark

Ob das Baerwaldbad künftig wieder eine Rolle bei der Versorgung der Schulen wird spielen können, ist noch völlig offen. Tatsache ist, dass sich insbesondere die Sozialdemokraten im Bezirk immer sehr stark für die Erhaltung gemacht haben und offenbar nicht bereit sind, das marode Gebäude vollends aufzugeben - zumal inzwischen ein Heer von Ehrenamtlichen viel Mühe und Arbeit investiert haben. Im Frühjahr 2011 hatte Joachim Uffelmann, der Vorsitzende des TSB, sogar das Bundesverdienstkreuz aus der Hand des damaligen Sportstadtrates und jetzigen SPD-Landesvorsitzenden Jan Stöß erhalten.

Ein Erbbaurechtsvertrag sollte die Lösung sein

Stöß war es auch, der im November 2011 zufrieden verkündete, das Bad sei "langfristig gerettet", da es nun einen Erbbaurechtsvertrag mit dem Verein TSB gebe. Zuvor hatte es immer wieder Probleme wegen ständiger Unterfinanzierung gegeben. 2008 war es die damalige Sportstadträtin und jetzige Jugend-Staatssekretärin Sigrid Klebba (ebenfalls SPD), die sich für die Erhaltung des Bades stark machte - ungeachtet der Tatsache, dass ihre Parteifreunde Klaus Wowereit und Thilo Sarrazin mittels Haushaltsentlastungsgesetz genau dies verhindern wollten - weil Bäder teuer sind.

Frisches Geld von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung?

Inzwischen wird das Bad nicht mehr allein vom TSB geführt, sondern zusammen mit dem Reinickendorfer Schwimmverein "Wasserratten". "Ein Gutachten soll jetzt klären, wie hoch die Sanierungskosten sind", berichtet Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne). Sie erinnert daran, dass es einst 16 Millionen Euro kostete, das ähnlich betagte Neuköllner Ganghofer-Bad instandzusetzen. Im Übrigen weist Herrmann darauf hin, dass zurzeit die Bezirksstadträte Hans Panhoff (Grüne) und Peter Beckers (SPD) mit der SPD-geführten Senatsverwaltung für Stadtentwicklung im Gespräch über eine mögliche Sanierung des Bades seien.

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