Berlin : Lehrter Straße: Gewerbe-Idyll bekommt Zuwachs

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Sie hatten hochfliegende Pläne. Doch die scheinen jetzt wahr zu werden: Architekten, Ingenieure, Medienfirmen-Leute und Künstler wollen einen Teil des Moabiter Werkhof-Geländes neu bebauen. Ein Teil von ihnen, Mieter in den denkmalgeschützten Altbauten auf dem Gelände an der Lehrter Straße 57, arbeitet schon auf dem Areal. Neue Bewerber sollen hinzukommen. Der künftige Firmenmix wird dem bisherigen ähneln. Jetzt wurden die Pläne für das Gelände vorgestellt.

Zwei der neuen Gebäude sollen an der Kruppstraße liegen, eines an der Lehrter Straße. Nach Angaben des Käufers, der Werkhof 57-Erwerbsgesellschaft, sollen sie vier bis fünf Geschosse und eine Aluminium-Stahl- und Glasfassade haben. Geplant sind 450 000 Quadratmeter Gewerbefläche, die nach Fertigstellung verkauft werden sollen. Es sei bereits ein Bauantrag gestellt worden, sagte Architekt Hans Düttmann. Über die voraussichtlichen Kosten mochte er noch keine Angaben machen. Düttmann, der ein Nachbargelände erworben hat, entwickelt derweil schon weitere Pläne (siehe nebenstehender Kasten).

Der Werkhof gilt als beinahe idyllisches Gewerbe-Ensemble. Jahrelang haben Tischler, Schlosser, Grafik-Designer, eine Musikerin, Architekten, eine Filmfirma und andere dort ruhig nebeneinander gearbeitet. Anfang der 90er-Jahre war der Friede vorbei, als die Oberfinanzdirektion die bis dahin sehr günstigen Mieten erhöhte. Später wollte sie das Gewerbeareal ganz verkaufen. Die Firmen fürchteten, dass ein Käufer seine Investition durch weitere Mieterhöhungen oder Verkäufe wieder hereinholen hätte wollen. Dann wären für alle auf dem Hof die Mieten unbezahlbar geworden. Etwa 20 Gewerbetreibende beschlossen nach Angaben Birgit Tümmers, Sprecherin der Erwerbsgesellschaft, beim Kauf mitzubieten. 5,7 Millionen Mark lautete ihr Angebot an die OFD. Zu wenig im Vergleich zu einem anderen Interessenten, der bereit war, 10,4 Millionen Mark für das im Herzen der Stadt gelegene Gewerbeareal auszugeben.

Im Sommer vergangenen Jahres sah es so aus, als sei der Werkhof-Verein, den die Firmen gegründet hatten, aus dem Rennen. Nach dem Drängen des Bezirksamts und von Bundestagsabgeordneten ließ die OFD die Mitglieder noch einmal bieten. Das Angebot lautete diesmal ebenfalls 10,4 Millionen. Die hohe Summe konnten die Werkhof-Leute nur aufbringen, weil etwa die Hälfte der Vereinsmitglieder sich mit dem Projektentwickler Area GmbH zusammenschlossen. Der Zusammenschluss erhielt den Zuschlag und kaufte den Werkhof Anfang des Jahres. Area kann dort bauen, die eingesessenen Kleinunternehmer können ihre Gewerbeflächen behalten. Dennoch muss nun jede der Firmen zwischen 400 000 und 500 000 Mark bezahlen. "Wir sind alle keine Großverdiener", sagt Birgit Tümmers. "Aber ich bin zuversichtlich, dass wir das Geld zusammenbringen."

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