Berlin : Letztes Kommando am Bombodrom

Bundeswehr zog am Freitag aus der Kaserne ab. Diese wird heute versteigert

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Seegrundstück abzugeben. Die Garnisonsgebäude des Bombodroms in der Kyritz-Ruppiner Heide werden am heutigen Sonnabend versteigert – das Mindestgebot beträgt 89 000 Euro. Foto: Auktionshaus Karhausen
Seegrundstück abzugeben. Die Garnisonsgebäude des Bombodroms in der Kyritz-Ruppiner Heide werden am heutigen Sonnabend versteigert...

Wittstock - Der letzte militärische Akt in der Kyritz-Rupppiner Heide war kurz und wenig feierlich. Nur die Truppenfahne der Bundeswehr musste noch eingeholt werden. Alle anderen Arbeiten zur Auflösung der Garnison, die einst das Geschehen auf und über dem Bombodrom gesteuert hatte, waren schon in den Monaten zuvor erledigt worden. Mit der Schließung der Kaserne „Kuhlmühle“ endete am Freitag die Militärpräsenz auf dem Areal nahe der Autobahn zwischen Berlin und Hamburg, um das fast zwei Jahrzehnte vor Gericht und in unzähligen Diskussionsrunden gestritten wurde.

Zuletzt waren auf dem rund 60 000 Quadratmeter großen Areal nur noch wenige Soldaten, Offiziere und Zivilangestellte beschäftigt. Am heutigen Sonnabend soll in den Borsighallen in Tegel gegen 14 Uhr die Kaserne mit vier Unterkunftsgebäuden für bis zu 800 Menschen, einem Veranstaltungssaal, einem Technik- und Sanitätsbereich sowie Lagerhallen versteigert werden. Das Mindestangebot liegt bei 89 000 Euro. Die nahe Bungalowsiedlung, die einst vor allem für Stasi-Leute und deren Familien reserviert war, fand schon vorher einen Käufer.

Einige Interessenten haben bei der Stadtverwaltung schon Ideen für eine „naturverträgliche Nutzung“ vorgelegt. Wie vorab verlautete, handelt es sich nicht um Investoren aus dem Hotel- oder Pensionsgewerbe. Eher werden Büroarbeitsplätze oder eine Reha-Einrichtung erwartet.

Der riesige Truppenübungsplatz, den die Rote Armee bis zu ihrem Abzug 1992 als Bombenabwurfplatz („Bombodrom“) genutzt hatte, fällt jetzt in die Verantwortung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Sie muss weiterhin den Wachschutz bezahlen, um das Betretungsverbot durchzusetzen. Denn obwohl die Bürgerinitiative „Freie Heide“ schon im Juli 2009 den Verzicht der Bundeswehr auf die weitere Nutzung des Geländes erzwungen hatte, kommt die erhoffte Freigabe von Wegen und Teilflächen nur schleppend voran. „Das ist eine Jahrhundertaufgabe“, sagte der letzte Kommandant in Kuhlmühle, Oberstleutnant Thomas Hering. „Die Munitionsbelastung ist teilweise sehr hoch.“

Die Räumung wird wohl viele Jahre dauern. Die russischen Streitkräfte, die hier Bomben abwarfen und Granaten aus Panzern verschossen, hinterließen keine Aufzeichnungen. Bei einer Exkursion machte der Munitionsbergungsdienst vor kurzem folgende Rechnung auf: „Für die Beräumung einer 2 000 Quadratmeter großen Fläche bis in eine Tiefe von 20 Zentimetern brauchen vier Mitarbeiter rund zwei Wochen. Die Heide aber ist 130 Millionen Quadratmeter groß.“

In der Region gelten diese Probleme als zweitrangig. „Das Wichtigste ist doch vorerst die Ruhe für Anwohner und Touristen“, sagte der Chef der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur zivilen Nutzung der Heide, Christian Gilde. Neben den Bürgerinitiativen hatte er sich als früherer Landrat vehement gegen die geplanten Tiefflüge der Bundeswehr eingesetzt. Diesen Erfolg kann den Aktivisten niemand mehr nehmen. Claus-Dieter Steyer

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