Berlin : Lieber ab Leipzig

Sachsen hat den Berlinern vorgemacht, wie ein Flughafen rechtzeitig erfolgreich an den Start geht. Nur eine Stunde entfernt, ist der Airport eine Abreise-Alternative. Und es gibt noch mehr Möglichkeiten.

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Der Flughafen Tegel muss wegen des BER-Debakels immer größere Belastungen aushalten. Der ungeliebte Alt-Airport in Schönefeld hat zwar noch Kapazitäten, aber auch die sind sehr übersichtlich. Und schon jetzt steht bekanntlich fest, dass der Airport Berlin Brandenburg (BER), wenn er irgendwann in Betrieb geht, längst viel zu klein sein wird. Also sollten Reisewillige sich schon jetzt die Alternativen im Umfeld Berlins ansehen, allen voran der Flughafen Leipzig/Halle, der sich längst als Ersatz-Standort für Ferienflieger empfiehlt.

„Die erneute Verschiebung des Eröffnungstermins für den BER ist für alle Beteiligten ein Fiasko und wirft abermals kein gutes Licht auf den gesamten Luftverkehrs- und Wirtschaftsstandort Deutschland“, sagt Markus Kopp. Der Vorstandschef der Mitteldeutschen Airport Holding hat gut lachen, denn dort macht man den Berliner Planern vor, wie es geht. „Aus eigener Erfahrung wissen wir, welch komplexe Herausforderungen Flughafenbauprojekte darstellen“, erklärt Kropp dem Tagesspiegel. 1992 startete in Leipzig/Halle die Planung für den Flughafen-Ausbau. Zwei Jahre später begann der Bau des neuen Terminals, das 1996 fertig war. Da hatte man sich in Berlin/Brandenburg gerade einmal auf den Bau des neuen Single-Airports in Schönefeld und die Schließung von Tempelhof und Tegel geeinigt.

Im Jahr 2000 war in Leipzig/Halle in nur fünfjähriger Bauzeit die neue Nordbahn fertiggestellt, 2003 mit der Eröffnung der Check-in-Halle die erste Ausbaustufe abgeschlossen. Drei Jahre später erfolgte in Schönefeld der erste Spatenstich für den BER. Inzwischen war für Leipzig/Halle auch noch das alte Terminal saniert; man stand kurz vor der Fertigstellung der erneuerten Südbahn. Alles im Zeit- und Kostenrahmen. 2007 entstand eine Wartungsbasis für den Großraumfrachter An 124, im Jahr 2008 eröffnete DHL seinen Fracht-Hub mit Verteilzentrum und Flugzeughangar, ein Jahr später folgte das World Cargo Center. Und nächste Woche eröffnen die Ministerpräsidenten von Sachsen und Sachsen-Anhalt eine neue Wartungsbasis der russischen Volga-Dnepr-Gruppe.

„Möglich war dies durch die enge Zusammenarbeit mit den Behörden und der Politik, durch gerichtsfeste Planfeststellungsverfahren, den Rückhalt der Bevölkerung sowie die Zusammensetzung unserer Gremien, die von Anbeginn durch externen Sachverstand mitbestimmt waren“, beschreibt Markus Kopp die Leipziger Flughafen-Erfolgsstory. Bereits heute würden die Flughäfen Leipzig/Halle und auch Dresden wegen ihrer guten Erreichbarkeit und ihres hohen Komforts von vielen Passagieren aus der Hauptstadtregion als Alternative wahrgenommen, so der Vorstandschef. Von Berlin aus mit dem Auto oder der Bahn in etwa einer Stunde erreichbar, biete sich Leipzig/Halle insbesondere für Urlaubsreisende an.

Leipzig/Halle und Dresden sind allerdings, wie die Berliner Flughäfen, durch Nachtflugverbote beschränkt. Dagegen gibt es in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern noch eine ganze Reihe Verkehrsflughäfen auf ehemaligen Militärflugplätzen mit 24-Stunden-Betrieb und bisher nur geringem zivilen Flugaufkommen. Magdeburg-Cochstedt könnte die Kapazitäten erweitern wie Schwerin-Parchim und Rostock-Laage. Auch Neubrandenburg-Trollenhagen verfügt über ein Instrumentenlandesystem, ist aber nur tagsüber in Betrieb. In Brandenburg haben Cottbus-Drewitz und der ehemalige DDR-Regierungsflughafen Neuhardenberg ausreichend lange Pisten für die Landung von Verkehrsflugzeugen, aber kein ILS und nur Tagesbetrieb.

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