Lieferung nach Singapur : Harter Test für Bügeleisen: das Berliner Wasser

Der Elektronikkonzern Philips lässt 8000 Liter Wasser nach Asien verschiffen, um im Labor die Verkalkung von Bügeleisen zu simulieren. Das harte Berliner Leitungswasser ist schlecht für Haushaltsgeräte, aber ein gutes Getränk.

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Die Ente ist draußen. Die Berliner Wasserbetriebe sind kein typischer Exporteur. Jetzt liefern sie 8000 Liter nach Asien. So viel verbraucht ein Durchschnittsberliner in zwei bis drei Monaten.
Die Ente ist draußen. Die Berliner Wasserbetriebe sind kein typischer Exporteur. Jetzt liefern sie 8000 Liter nach Asien. So viel...Foto: dpa

Wasser aus der Wuhlheide schwappt um die halbe Welt: Der Elektronikkonzern Philips hat bei den Berliner Wasserbetrieben (BWB) 8000 Liter für sein Entwicklungszentrum in Singapur geordert. In Tanks wird es nach Hamburg gefahren und von dort verschifft. Schon 2011 hatten die Wasserbetriebe 23000 Liter an Philips nach Südostasien geliefert. Denn der Konzern betreibt dort sein weltweites Entwicklungszentrum für Bügeleisen.

Damit diese nicht vorzeitig wegen Verkalkung dahinscheiden, ist das härteste Wasser zum Testen gerade gut genug. Und das kommt nach Erkenntnissen von Philips aus dem Berliner Wasserwerk Wuhlheide: 23,9°dH (Grad deutscher Härte) waren es durchschnittlich im vergangenen Jahr. Das ist noch deutlich mehr als das Wasser der acht anderen Berliner Werke, das ebenfalls durchweg als „hart“ eingestuft ist. Nach Auskunft von Unternehmenssprecher Sebastian Lindemann sind die Kalkwassertests Standard bei der Entwicklung. Potenziell empfindlich seien Geräte, bei denen Wasser durch enge Kanäle strömt. Bügeleisen würden entweder über einen regelmäßig zu wechselnden Filter oder einen Sammelbehälter entkalkt.

Das harte Berliner Leitungswasser verkalkt die Rohre

Destilliertes Wasser wird anders als früher nicht mehr empfohlen – im Gegenteil: Bei neuen Geräten befördert es eher die Korrosion. Die Wasserhärte wird vom Calcium- und Magnesiumgehalt bestimmt. Der hängt von den Gesteinsschichten ab, die das Grundwasser auf seinem Weg zum Brunnen passiert. Nach Auskunft von BWB-Sprecher Stephan Natz entfernen die Wasserbetriebe aus dem sogenannten Rohwasser nur Eisen und Mangan, weil das geschmacklich dominieren und die Rohre zusetzen würde.

Einige Wasserversorger vor allem in Südwestdeutschland enthärten ihr Wasser auch. Das benötigt zusätzliche Energie und widerspricht auch der in Berlin gepflegten Philosophie vom lokalen Naturprodukt. Weiches Wasser spart Waschmittel und Geschirrspülersalz – und schmeckt vielen als Tee besser. Das Wasser selbst dagegen wird eher als wohlschmeckend empfunden, wenn es hart ist. Und der Organismus braucht die Mineralien ohnehin.

Das härteste Wasser wird noch härter

Und warum mixt sich Philips sein Laborwasser am anderen Ende der Welt nicht einfach selbst? Nach Auskunft von Lindemann wird das auch getan – für die regelmäßigen Dauertests. Für Schlüsselmärkte wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien werde aber noch zusätzlich das lokal härteste Wasser für Zusatztests geholt. Die Chancen, dass dafür auch künftig Wasser von der Wuhle bis nach Südostasien schwappt, stehen gut: Nach der Sanierung geht im Wasserwerk Wuhlheide eine weitere Brunnengalerie ans Netz, die sogar noch härteres Wasser liefert.

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