Linker Bezirk in Berlin : Wie die AfD in Friedrichshain und Kreuzberg punkten will

Hier wählt man grün oder links, die Bürgermeisterin fordert Coffeeshops. Ausgerechnet in Friedrichshain-Kreuzberg kandidieren Sibylle Schmidt und Frank Scheermesser für die AfD. Kann das gut gehen? Unser Blendle-Tipp.

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Mission unmöglich? Frank Scheermesser und Sibylle Schmidt wollen Friedrichshain-Kreuzberg für die AfD begeistern.
Mission unmöglich? Frank Scheermesser und Sibylle Schmidt wollen Friedrichshain-Kreuzberg für die AfD begeistern.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Noch mal nachsehen, ob alle Formulare da sind: Wahlkreis, check; Bezirk, check. Ans Treppengeländer des Altbaus lehnen, noch mal durchatmen. Dann klingelt Frank Scheermesser an einer Wohnungstür. „Ich hab nicht nur Freunde im Haus“, sagt er, „aber sie hier würde ich so einschätzen, dass sie interessiert ist.“

„Frank“, sagt die Mittvierzigerin, die die Tür öffnet, „was gibt’s?“ – „Ich bräuchte noch ein paar Unterschriften für die Wahl“, sagt Scheermesser. „Ach, Politik, das bringt doch nix“, sagt die Frau, „da kennt man einzelne Leute und sagt: Ja. Und dann schaust du dir die Partei an und denkst: Nee!“ Scheermesser lächelt: „Aber dafür trete ich ja an.“ Dann holt er zwei Formulare aus seiner Aktentasche, reicht sie ihr, „überleg’s dir einfach!“

Frank Scheermesser, 57 Jahre alt, Versicherungsmakler, fehlen noch ein paar Unterschriften. 45 für den Wahlkreis, und 185 für den Bezirk. Scheermesser geht von Tür zu Tür und sammelt, damit seine Partei hier bei den Abgeordnetenhauswahlen im Herbst antreten kann. Seine Partei, das ist die Alternative für Deutschland. Sein Bezirk, das ist Friedrichshain-Kreuzberg.

Hier gewinnt ein linker Grüner verlässlich ein Direktmandat für den Deutschen Bundestag. Hier kommt schon die CDU bei Wahlen kaum auf zweistellige Ergebnisse. Hier haben 38 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund. Hier fordert die Bürgermeisterin Coffeeshops und verbietet sexistische Werbung. Und hier – gerade hier – will Frank Scheermesser, studierter Maschinenbau-Ingenieur aus Sachsen, 1984 der Ost-CDU beigetreten, nach dem Mauerfall nach Kreuzberg gezogen, kandidieren. Für die AfD.

"Wehe, du klingelst bei uns, Frank", sagt ein Nachbar

Scheermesser, geschieden, alleinstehend, geht die Treppen seines Hauses hinab ins Erdgeschoss und macht sich wieder bereit. Noch bevor er an einer der Wohnungstüren klingeln kann, öffnet sich die zur Straße. Ein Mann mit Einkaufstüte kommt herein: „Mann, Frank, dass du das jetzt auch im Haus machst, ist echt das Allerletzte.“ Scheermesser versucht zu erklären, es gehe ihm um Demokratie, um mehr Bürgerbeteiligung. „Lies doch einmal etwas über deine Partei, was die sonst so machen“, sagt der Mann. „Da wird einiges falsch dargestellt“, sagt Scheermesser. Der Mann dreht sich um, schüttelt den Kopf, steigt die Treppen hinauf. „Und wehe, du klingelst bei uns!“

„Das Thema spaltet“, sagt Scheermesser, seit drei Jahren in der Bezirks-AfD, unten im Hausflur. „Manchmal geht dabei etwas kaputt.“

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