Linksextremismus : Chaoten wollen Berlin-Touristen angreifen

Die linksextremistische Szene Berlins will im kommenden Jahr den boomenden Tourismus angreifen. Experten nehmen die Drohungen ernst.

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Graffiti-Parolen in Kreuzberg zum 1. Mai.
Graffiti-Parolen in Kreuzberg zum 1. Mai.Foto: Kai-Uwe Heinrich

In der jüngsten Ausgabe der linksradikalen Zeitschrift „Interim“ ist ein „Vorschlag zu einer Antitourismus-Kampagne 2011“ abgedruckt. Genaue Handlungsanweisungen werden mitgeliefert: „Geldbörsen und Handys im Vorbeifahren von den Tischen der Fressläden klauen, Autos anzünden, Hotels einwerfen, Müll verursachen, Touribusse bewerfen.“ In einer wirren Argumentation behaupten die Autoren, dass der Tourismus die „Gentrifizierung“ anheize. Unter diesem Kampfbegriff haben Autonome in den letzten Jahren bereits Dutzende Autos angezündet. Weiter behaupten die Autoren: „Die Gentrifikation scheint einen grandiosen Sieg in den Vierteln errungen zu haben, in denen sich der Kampf um Freiräume abspielt“ Die Berliner Tourismusgesellschaft und auch das Landeskriminalamt erfuhren erst vom Tagesspiegel von diesem Aufruf. Der Verfassungsschutz nannte ihn „nicht typisch für die Szene“, Angriffe auf ausländische Touristen seien schwer vermittelbar.

Der Geschäftsführer von „Visit Berlin“, Burkhard Kieker, sagte: „ruhig bleiben und abwarten.“ Sicherheitsexperten verwiesen darauf, dass die vor allem in Berlin viel gelesene und verbreitete „Interim“ großen Einfluss in der militanten Szene habe – und deshalb die „Kampagne“ ernst genommen werden müsse. Vom Verfassungsschutz in NRW wird die Interim als „prägendes Sprachrohr der militanten Szene“ eingestuft. Mehrfach waren linke Buchläden durchsucht worden, um die „Interim“ zu beschlagnahmen, weil Anleitungen zum Bombenbau abgedruckt wurden. Das nicht unterzeichnete Pamphlet begründet das neue Ziel damit, dass nach den „fulminanten“ Jahren 2008 und 2009 mit mehr als 300 angezündeten Autos in Berlin im laufenden Jahr 2010 mangels klarer Linie die Zahl der Anschläge zurückgegangen sei.

Dass der Tourismus anfällig für Negativmeldungen ist, zeigte die aktuelle Terrorwarnung. Wie berichtet, sank die Besucherzahl auf Weihnachtsmärkten beträchtlich. 2006 bei der Fußball-Weltmeisterschaft hatte die Tourismusgesellschaft schon alarmiert reagiert, als über „No Go Areas“ für dunkelhäutige Touristen in Ostdeutschland und Berliner Bezirken diskutiert worden war. Und genau darauf setzt die militante Szene. Denn in dem Pamphlet wird neben Randalieren und Zündeln auch „Falschmeldungen verbreiten“ als probates Mittel genannt. Weiter kalkulieren die Autonomen so: Die auf Anschläge „folgende erhöhte Polizeipräsenz macht den Kiez für Investoren nicht lukrativer“, zudem könnte ein „Chaotentourismus nach Berlin ausgelöst“ werden.

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