Berlin : Lufthansa findet Tegel nun doch ganz groß

Auf der Strecke nach Frankfurt am Main setzt die Linie ab September Jumbo-Jets ein und verdoppelt damit das Sitzplatz-Angebot

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Die Lufthansa wird ihr Platzangebot auf der Strecke zwischen Berlin und Frankfurt am Main im September nahezu verdoppeln. Dann kommt ein Großraumjet vom Typ Boeing 747 („Jumbo-Jet“) zum Einsatz. Ein Großteil der Passagiere sind Umsteiger, die in Frankfurt auf Interkontinentalflüge wechseln. Weil sie direkte Langstreckenflüge aus der Hauptstadt wegen angeblicher Unwirtschaftlichkeit ablehnt, wird die Lufthansa seit Jahren von Politik und Wirtschaft kritisiert.

Bis vor rund einem Jahr hatte die Lufthansa auf der Route zum Teil Airbus-Großraumjets vom Typ A300-600 eingesetzt. Seit dieser Typ ausgemustert wurde, kommt bei gleichzeitiger Erhöhung der Zahl der Flüge ausschließlich der kleinere A321 mit 190 Sitzen zum Einsatz. Zu Spitzenzeiten sind die Maschinen oft bis auf den letzten Platz besetzt. Mit gut 3000 Plätzen pro Tag und Richtung entspricht das heutige Angebot trotz steigender Passagierzahlen im Berlin-Flugverkehr dem Niveau von 2007. Allerdings bietet inzwischen auch Erzrivale Air Berlin bis zu sechs tägliche Flugpaare auf der Strecke.

Laut Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber ist der Einsatz der Boeing 747 auf den September als traditionell verkehrsreichstem Monat begrenzt. Es sei ein Zufall, dass gerade zu diesem Zeitpunkt einer der Großraumjets nicht für die Langstrecken benötigt wird. Auf der Berlin-Strecke wird der Jumbo-Jet zwischen dem 6. und dem 30. September jeweils montags um 18.10 Uhr in Tegel landen und um 19 Uhr zum Rückflug starten. Dienstags und donnerstags sind jeweils zwei Flüge vorgesehen, die um 7.55 und 12.55 Uhr in Berlin eintreffen und um 8.45 und 13.45 Uhr wieder in Richtung Frankfurt abheben. Da es nicht möglich ist, den Jumbo-Jet in Tegel an zwei Flugsteigbrücken anzudocken, muss die Maschine auf einer Außenposition abgestellt werden. Die bis zu 350 Passagiere müssen über Treppen aussteigen und danach umständlich mit Bussen zum Hauptterminal gebracht werden.

Mit bereits rund 580 000 Passagieren in der ersten Jahreshälfte ist die Frankfurt-Route eine der Rennstrecken der Lufthansa. Rund zwei Drittel steigen dort nur um. Dennoch sei das Aufkommen an Fluggästen aus der Hauptstadtregion für die einzelnen Ziele zu gering, um interkontinentale Nonstopflüge ab Berlin zu rechtfertigen, heißt es seit Jahren bei der Fluggesellschaft. Konkurrent Air Berlin sieht das anders, nutzt Tegel als Drehkreuz und erweitert das Langstrecken-Angebot um Flüge nach Dubai, Miami und Mombasa. Mit dem Beitritt der Air Berlin zur Oneworld- Gruppe wollen auch einige neue Allianzpartner Tegel verstärkt ansteuern. Continental, Delta, Hainan und Qatar Airways sind mit ihren Verbindungen nach New York, Peking und Doha schon heute zufrieden. Die Bemühungen von Emirates um zusätzliche Landerechte in Tegel scheiterten bisher vorrangig am Widerstand der Lufthansa.

Ob die täglich bis zu 324 zusätzlichen Plätze auch tatsächlich ausgebucht werden, hält Wolfgang Weber für fraglich. Der Jumbo hat neben 234 Plätzen in der Economy- und 80 in der Business-Klasse auch 16 luxuriöse First-Class-Sessel, die sich im Oberdeck hinter dem Cockpit befinden. Sie können auf den Berlin-Flügen aber nicht gebucht werden. Der Sprecher wollte allerdings nicht ausschließen, dass sie bei einer Auslastung der sonstigen Kapazitäten Fluggästen, die den Business-Tarif bezahlt haben, zur Nutzung überlassen werden. Bisher scheint sich die Nachfrage noch in Grenzen zu halten, Der Hin- und Rückflug nach Frankfurt mit einer 747-400 war gestern bei einer Übernachtung bereits ab 98,30 Euro zu haben.Rainer W. During

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