Lumpen ohne sozialen Zweck : Weg mit den Altkleidercontainern!

Sie stehen in jedem Bezirk herum, fast an jeder Ecke: Altkleidercontainer in Berlin. Jeder kennt sie, und viele haben sie schon mal benutzt. Was wenige Berliner wissen: Tausende der Container sind illegal. Nun versuchen verschiedene Bezirksämter, die Container wegzuräumen

Haiko Prengel
In Friedrichshain-Kreuzberg sind die Altkleidercontainer für die Tonne.
In Friedrichshain-Kreuzberg sind die Altkleidercontainer für die Tonne.Mike Wolff

Es geht um Kleidung, egal wie alt. Aber auch Schuhe werden gerne genommen. „Bitte paarweise gebündelt einwerfen“, steht auf der beigen Box. Und darunter: „Danke!“ Es gibt viele bedürftige Menschen, die sich über einen Pulli oder eine Jeans aus zweiter Hand freuen. Altkleidercontainer sind also eine prima Sache. Oder doch nicht? Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat am Donnerstag 20 Container räumen lassen. Denn die Sache hat einen Haken. Die Boxen werden häufig illegal aufgestellt. Und oft landet die Kleidung nicht bei Bedürftigen, sondern sie wird verkauft. „Die Leute machen da richtig Geschäfte mit“, sagt ein Mann vom Ordnungsamt.

Los ging es am frühen Morgen vor einer Grünanlage in der Kreuzberger Körtestraße, dort wurde der erste Altkleidercontainer auf einen großen Laster gehievt. Ordnungsamtsstadtrat Peter Beckers (SPD) fasste selbst mit an, zusammen mit dem für Grünflächen zuständigen Stadtrat Hans Panhoff (Grüne). „Wir haben mal durchgezählt“, berichtete Beckers: 50 illegal abgestellte Altkleidercontainer habe man im Bezirk entdeckt. Jetzt würden sie entfernt. In Lichtenberg gab es schon 2012 eine Abräumaktion, dort wurden mehr als 550 Container gezählt. In ganz Berlin seien es Tausende, sagte Panhoff. „Das ist eine richtige Pest.“ Auch in Charlottenburg-Wilmersdorf wurden mehrere hundert Container gezählt. Auch in Reinickendorf gab es das Problem, dort werden die Container aber schon seit Jahren konsequent abgeräumt, wie Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) sagt.

Die Aufsteller müssen mit einem Bußgeld rechnen, allerdings sind sie schwer ausfindig zu machen. Denn auf den Containern sind oft keine Adressen angegeben. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg versuchte zunächst mit aufgeklebten Mahnungen, die Kleiderkisten zu loszuwerden. Ohne Erfolg, ihre Zahl ist eher noch gestiegen. „Dieses Katz-und-Maus-Spiel muss ein Ende haben“, sagte Ordnungsamtsstadtrat Peter Beckers am Donnerstag.

Viele glauben, dass die gesammelten Kleiderspenden direkt an Bedürftige gehen. Doch der größte Teil wird weiterverkauft. Auch Kleiderspenden an das Deutsche Rote Kreuz (DRK) kommen nach eigener Aussage der Organisation nur zu etwa fünf Prozent direkt bei Bedürftigen an. 100 000 Tonnen Altkleider sammelt das DRK in Deutschland jährlich. Etwa die Hälfte davon sei noch tragbare Kleidung. Nur 5000 Tonnen würden an arme Menschen weitergegeben. Der Rest werde verkauft, meist an Vertragspartner, die die Bevölkerung in Afrika und Asien wieder dafür bezahlen lassen. Unbrauchbare Kleidung werde etwa zu Putzlappen verarbeitet. zwölf Millionen Euro verdiente das DRK im letzten Jahr damit. Anders als bei den illegalen Sammlern werde dieses Geld aber wieder in soziale Projekte investiert, hieß es.

Laut DRK-Sprecher Rüdiger Kunz gibt es rund 700 DRK-Altkleidercontainer in Berlin. Und Tausende andere sowieso.

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