M 41 : Berlins Buslinie des Grauens

„M“, das steht für „MetroBus“, der schneller sein soll als die normalen Berliner Linienbusse. Schöne Idee. Ein paar Gedanken dazu aus dem M 41er zwischen Neukölln und Hauptbahnhof.

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In der M 41 kann die Fahrt zur Herausforderung werden.
In der M 41 kann die Fahrt zur Herausforderung werden.Foto: dpa

Manchmal kommt er einfach nicht. Dann steht man da. Wartet. Holt die Zeitung aus der Tasche. Wartet. Auf der elektronischen Anzeige blinkt bereits der nächste Bus – der nicht kommt. Der dann schließlich doch heranfährt, dicht gefolgt vom nächsten, zwei auf einmal also, voll alle beide. Niemand regt sich auf. Wir an der Bushaltestelle, wir wissen ja Bescheid, wir fahren mit der Linie M41 schließlich nicht zum ersten Mal.

„M“, das steht für „MetroBus“, der schneller sein soll als die normalen Berliner Linienbusse. Sagt die BVG. Nur stimmt das nicht. Es ist blasse Theorie. Genau wie die knappen 20 Minuten, die auf dem Fahrplan ausgewiesen sind als Fahrtdauer von der Neuköllner Haltestelle zum Büro. Brauch’ man gar nicht erst draufgucken, lernt man mit der Zeit. Kann auch nicht klappen, doppelt so lang ist nicht ungewöhnlich. Dabei gehts meistens nur geradeaus, über die Sonnenallee. Schimpf nicht auf den Fahrer. It’s the traffic, stupid.

Nach BUND-Berechnungen, die erst gestern in der Zeitung zu lesen waren, erreichen die M-Busse eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 14,6 km/h. Das ist in etwa so schnell wie ein Dauerlauf. Man schaut aus dem Fenster, unterhält sich, betrachtet in stiller Bewunderung, wie die fünfte Mutter mit Kinderwagen irgendwie noch in den Bus passt. Keine Ahnung, wohin mit dem zweiten Kind? Da, auf dem Schoß ist noch Platz. Wir im M41 sind da ganz entspannt. Muss ja.

Es gibt einen kleinen Streit unter uns Fahrern, welche Buslinie die größere Herausforderung ist: M29, Grunewald-Neukölln, oder M41, der fährt zwischen Sonnenallee/Baumschulenstraße und Hauptbahnhof. Es ist natürlich M41. Wir haben mehr Kinderwagen und mehr Zweite-Reihe-Parker, mehr In-der-hinteren-Tür-Steher und nur selten einen Doppeldecker. Aber, hey, ist schon okay. Ihr seid auch langsam.

Der BVG wurde nun vom BUND nahegelegt, Fahrgäste nicht mehr nur vorne einsteigen zu lassen, sondern durch alle Türen. Das würde Zeit sparen, also Tempo machen. Die BVG möchte das nicht. Sie ahnt nicht, wie streetwise ihre Busfahrer längst sind. Glaubst du, Neukölln lässt sich sagen, wo wir einsteigen? Eben. Und, gehts schneller? Nein.

Manchmal, im Winter, stieg abends einer aus mit den Worten „Ich hasse diese Linie.“ Ach, dauert nicht lange, bis der wiederkommt. Man muss nur ein bisschen warten.

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