Berlin : Machone rappt sich auf

Lehre geschmissen, falsche Freunde und dann in den Knast. Christoph Bodenhammer war ganz unten. Jetzt fängt er neu an – als Musikproduzent und Sieger eines Wettbewerbs für junge Arbeitslose

Björn Rosen

Es war nach der Zeit in Untersuchungshaft, als Christoph Bodenhammer beschloss, etwas zu ändern. „Ich hatte einen miesen Realschulabschluss, eine geschmissene Lehre als Einzelhandelskaufmann. In mein Leben hatten sich die falschen Leute geschlichen. Ich habe mir gesagt: So kann es nicht weitergehen.“ Seine Freundin erzählt ihm damals von einem Gründerwettbewerb. „Sie hat mich quasi zur Teilnahme gezwungen“, sagt der 24-Jährige grinsend. Das hat sich gelohnt: Christoph Bodenhammer, in der Hip-Hop-Szene unter dem Namen „Machone“ bekannt, gewann am Donnerstag den ersten Berliner Gründerwettbewerb für junge Arbeitslose. 5400 Euro gab’s für den ersten Platz. Sein Konzept: eine Musikproduktion in Kreuzberg.

Seit seinem 18. Lebensjahr macht Bodenhammer Hip-Hop-Musik, produziert von Anfang an auch für Freunde. „Alles begann mit einem 8-Spur-Rekorder“, erzählt er. Zusammen mit einem Freund habe er Musik komponiert, Kassetten aufgenommen, auch Texte geschrieben. Nach und nach kommt neue Technik hinzu. „Statt die Miete zu bezahlen, steckte ich alles Geld in mein kleines Studio.“ Er fliegt aus der Wohnung, muss umziehen. Musik ist längst mehr als ein Hobby für ihn. Die Lehre in einem Obst- und Gemüsegeschäft dagegen, die „war nichts für mich“. Er bricht die Ausbildung ab, wird arbeitslos. Sein Leben sei dann nur noch „eine einzige Party“ gewesen. Aber die Feier endet abrupt, als er ins Gefängnis muss – unter anderem wegen illegal gesprühter Graffiti.

Der erste Preis im Gründerwettbewerb soll der Beginn von „etwas ganz Großem“ werden, sagt Bodenhammer. Mit dem Preisgeld will er seine Hobbymusikproduktion in ein professionelles Unternehmen verwandeln. Die Jury des Gründerwettbewerbs, der von der staatlich finanzierten Initiative „Enterprise“ vergeben wird, hat Bodenhammers 20-seitiges Konzept jedenfalls überzeugt. Beratung in Finanzfragen bekam er bei „Enterprise“ und bei der Bundesagentur für Arbeit. Die neue Firma wird wohl „Beatillz Produktion“ heißen. Bodenhammer wird Musik komponieren und junge Künstler beraten: „Ich baue jetzt erst einmal eine Scheune in Kreuzberg zu einem richtigen Studio aus“, sagt er.

Langfristig kann sich Bodenhammer eine Firma vorstellen, in der Musiker komplett betreut werden: „Ich träume von einer alten Fabrik, in der wir nicht nur Musik produzieren, sondern auch eine eigene Mode-Kollektion für die Künstler entwerfen.“

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