Machtkampf im Süden : Justizsenator will Chef in Steglitz-Zehlendorf werden

Der Aufstieg von Thomas Heilmann ist rasant und findet ganz ohne Hausmacht statt. Jetzt bastelt der Millionär aus der Internetwirtschaft am nächsten Schritt seiner Politikerkarriere. Wohin soll das führen?

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Justizsenator Thomas Heilmann will zusätzlich zu seinem Amt als Vize-Landeschef nun auch noch den Kreisverband der CDU in Steglitz-Zehlendorf übernehmen. „Ich kandidiere“, bestätigte Heilmann am Mittwoch im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Zur Begründung sagte er: „Ich stehe für einen bestimmten Politikstil. Dies ist eine gute Gelegenheit, diese sachbezogene, stark auf Bürgerdialog setzende Art und Weise von Politik auszuweiten.“ Notfalls lasse er es auf eine Kampfkandidatur gegen den bisherigen Kandidaten Karl-Georg Wellmann ankommen. Allerdings sei es Wellmann selbst gewesen, der ihn vor rund fünf Wochen gebeten habe, zu kandidieren.

Wellmann, zugleich Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Steglitz-Zehlendorf, erinnert sich etwas anders an dieses Gespräch. „Ich habe ihn zwar gefragt, ob er sich eine Kandidatur vorstellen könnte, aber er hat das strikt abgelehnt“, so Wellmann. Über die Nachricht, dass Heilmann nun doch antrete, war Wellmann dennoch nicht überrascht. Heilmann hatte es ihm schon erzählt.

Alles andere wäre auch untypisch für den großen Kommunikator Heilmann gewesen. So wie er öfters auch die Opposition schon vor Ausschusssitzungen in seine Pläne einweiht, so hat er den potenziellen Gegner auch schon vor dem Gang in die Öffentlichkeit informiert. Sieben von elf Ortsvorsitzenden habe er auf seiner Seite, so Heilmann.

Das bezweifelt Konkurrent Wellmann allerdings. Er hat auch nicht vor, seine Kandidatur zurückzuziehen: „Dann kandidieren eben zwei, und dann wird die Partei entscheiden, wer es machen soll.“ Die Wahl soll in rund fünf Monaten stattfinden; vorher müssen noch die elf Ortsverbände des Bezirks ihre Vorsitzenden bestimmen.

Der Kreisverband Steglitz-Zehlendorf hat ein bewegtes Jahr hinter sich; einige sehnen sich jetzt nach Ruhe. Der derzeitige Vorsitzende Michael Braun war politisch glücklos, als Justizsenator musste er nach zwölf Tagen gehen. Er hatte dubiose Immobiliengeschäfte notariell beurkundet. In seinem Kreisverband hatte er daraufhin einen Machtkampf gegen seinen einstigen Verbündeten Wellmann angezettelt. Er unterlag vergangene Woche nun auch im Kampf um einen Platz auf der Landesliste für die Bundestagswahl im Dezember.

Bei Braun lägen Welten zwischen seiner Selbstwahrnehmung und der Art, wie andere ihn sähen, sagt ein Parteifreund. Nur Heilmann gelang es offenbar, Braun zu vermitteln, dass er chancenlos sei, und ihn dazu zu bewegen, zugunsten Heilmanns auf die Kandidatur um den Kreisvorsitz zu verzichten.

Die Kandidatur des Justiz- und Verbraucherschutzsenators ist sicher auch nicht im Sinne von Landeschef Frank Henkel. Der hatte eben erst Wellmann als „Platzhirschen“ des wichtigen Kreisverbands bezeichnet und so deutlich gemacht, wen er sich dort wünscht. Heilmanns rasanter Aufstieg ist ohnehin einigen unheimlich – zumal er ohne die angeblich so wichtigen Faktoren „Stallgeruch“ und „Hausmacht“ stattfindet. Da mag sich keiner der Henkel-Unterstützer ausmalen, was passiert, wenn die Koalition platzt und Berlins CDU einen Spitzenkandidaten braucht. Während Henkel nach NSU-Skandal und Aktenschredderei geschwächt ist, hätte ein erfolgreicher Senator und CDU-Kreischef Heilmann dann durchaus Chancen.

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