Malakoff Kowalski im Lido : Theater für die Ohren

Malakoff Kowalski spielt und singt am Freitag im Lido. Seit 2007 lebt der Künstler im Bergmannstraßenkiez.

Lukas Hermsmeier
Hat den Hut auf. Sänger Malakoff Kowalski gibt nach längeren wieder ein Konzert in Berlin.
Hat den Hut auf. Sänger Malakoff Kowalski gibt nach längeren wieder ein Konzert in Berlin.Foto: null

Er wollte doch gar kein Konzert geben, kein einziges. Wollte nur sein Album rausgeben, wollte die Sonntagszeitungen kaufen und auf feine Kritiken hoffen, wollte seine Lieder vielleicht bei FluxFM hören, und sich dann um neue Projekte kümmern. Die Wahrheit ist: Malakoff Kowalski befindet sich auf Tour. Von live zu live zu live – und so eine richtige Tournee kommt natürlich nicht ohne Heimatkonzert aus. In dem Fall ist es Berlin, wo Kowalski am heutigen Freitag zum ersten Mal seit sechs Jahren spielt.

„Berlin war sehr gut zu mir in den letzten Jahren, und ich kann leider nicht die ganze Stadt auf die Gästeliste setzen, aber so ungefähr empfinde ich für Berlin“, sagt der 36 Jahre alte Liedermacher Kowalski, der seit seiner Ankunft 2007 im Bergmannstraßenkiez wohnt, mit seinen Instrumenten als Mitbewohner. Mit dem Taxi fährt er am Freitag ins Lido, zehn Minuten, und dann werden sie da alle im Publikum sitzen, seine Freunde, Künstlerkollegen, Wegbegleiter.

„I Love You“, heißt sein im vergangenen September veröffentlichte Album, dessen Wirkung und Atmosphäre er eigentlich „nicht durch Konzerte korrumpieren“ wollte. Doch er ließ sich überreden - unter zwei Bedingungen: kaum Technik und ein sitzendes Publikum. Kowalski macht Theater für die Ohren. Das Album hatte er in Los Angeles aufgenommen, wo seine damalige Freundin wohnt, die mittlerweile eine Ex ist. „Ich sah rechts den Ozean, vor mir West Hollywood und links Downtown L.A., und auf einmal war da ein neuer, überraschender Sound. Amerikanisch, kalifornisch“, schreibt Kowalski auf seiner Homepage.

2007 zog er nach Berlin

Malakoff Kowalski ist ein guter Grund dafür, dass das Wort Heimat mal einen Plural brauchen könnte. Seine Eltern, persische Bahai, waren Ende der siebziger Jahre aus Teheran nach Boston geflüchtet und zogen kurz nach seiner Geburt 1979 nach Hamburg, wo er aufwuchs, erste Musik produzierte und von seinen Kumpels „in Kifferlaune“ den Spitzname Kowalski bekam.

2007 zog er dann nach Berlin und verpasste sich selbst den Vornamen Malakoff – eine Hommage an den gleichnamigen Vorort von Paris, in dem er „mal festhing und zwei, drei tolle Lieder schrieb“. Seither produziert er mal Filmmusik (für Regisseur Klaus Lemke), mal Theatermusik (für Regisseurin Angela Richter). Im Dezember trat er in Paris auf, in David Lynchs Nachtclub „Silencio“. Zurzeit arbeitet er bereits an einem neuen Album, im kommenden Frühjahr soll es erscheinen.

Wenn Kowalski über seine Musik spricht, verpackt er das in romantische Anekdoten. Sein instrumentales Album „Kill Your Babies“ von 2012 klinge wie ein „schwarz-weißer Nouvelle-Vague-Film aus den sechziger Jahren“, sein aktuelles Werk wie ein „Wes-Anderson-Film, der auf einem Schiff Richtung Riviera spielt“, so Kowalski.

„Überhipster“ nannte ihn die „Süddeutsche Zeitung“

Im Lido wird er, der Meister der alltäglichen Selbstinszenierung, Neues mit Altem kombinieren. Es sind meist ruhige, melancholische Klänge. Seine Musik ist potenzieller Soundtrack für so vieles: einen drückend heißen Sommerwiesentag, eine Selbstmitleidsnacht auf dem Balkon, ein verknalltes Abendessen.

„Überhipster“ nannte ihn die „Süddeutsche Zeitung“ im letzten Jahr und konzentrierte sich auf seinen immer gleichen Dress: Lederstiefel, schwarze Anzugshose, weißes Hemd, Prinz-Heinrich-Mütze. „Mich hat gewundert, dass nicht früher aufgefallen ist, dass ich jeden Tag das Gleiche trage“, sagt Kowalski. Man trifft ihn und seine Freunde jedenfalls eher im Grill Royal als in der Neuköllner Weserstraße. Und seine Uniform habe auch einen pragmatischen Grund: „Sie funktioniert immer: bei einer Beerdigung, in der Philharmonie und in einem kaputten Club.“

Freitag, 6. Mai, 18 Uhr, Lido, Cuvrystraße 7 in Kreuzberg

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