Berlin : Mann des Lichts

Die Politik in Berlin und Brandenburg begrüßt Hartmut Mehdorn fast einhellig – nur die Grünen streiten.

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Die Lichtanlage funktioniert. Nun muss am neuen Hauptstadtflughafen nur noch die Brandschutzanlage in Betrieb gehen. Foto: dpa
Die Lichtanlage funktioniert. Nun muss am neuen Hauptstadtflughafen nur noch die Brandschutzanlage in Betrieb gehen. Foto: dpaFoto: dpa

Alle sind überrascht – und die meisten in der Politik sind auch zufrieden. Besser Hartmut Mehdorn als gar kein Flughafenchef, so lassen sich die Reaktionen auf die Bestellung des bundesweit prominenten Verkehrsmanagers zusammenfassen. „Für diese Position in einer bezahlbaren Preiskategorie jemanden zu finden, ist schwierig“, sagte der CDU-Verkehrsexperte Oliver Friederici. Mehdorn sei ein profunder Kenner nicht nur des Schienen-, sondern auch des Flugverkehrs. „Mit ihm als Flughafenchef habe ich große Hoffnung, dass der Hauptstadt-Airport spätestens 2015 in Betrieb gehen kann“, sagte der Christdemokrat. Selbst die CDU-Opposition in Brandenburg fand diesmal versöhnliche Töne. Man müsse Mehdorn eine Chance geben, erklärte der Fraktionschef der Christdemokraten, Dieter Dombrowski.

Ein erfahrender Manager mit Durchsetzungskraft. Mit diesen wohlgesetzten Worten würdigte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Freitag die Personalie Mehdorn – trotz der harten Gefechte, die er sich mit dem ehemaligen Bahnchef über viele Jahre geliefert hatte. Wowereit benannte damit auch die Auswahlkriterien, die nach der Absage des Flughafenexperten aus Frankfurt am Main, Wilhelm Bender, letztlich den Ausschlag gaben. Mehdorn wird sich auch nicht lange orientieren müssen, denn er kennt alle wichtigen politischen Akteure im Bund, in Brandenburg und erst recht in Berlin. Und sie kennen ihn, den „Mr. Klartext“, wie sie ihn nennen.

Selbst die Berliner Grünen gewähren dem neuen Flughafenchef einen Vertrauensvorschuss. Er sei als harter Sanierer bekannt, sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Ramona Pop. Ursprünglich komme Mehdorn ja aus der Luftfahrtbranche. „Dass er sich mit dem Management von Großbaustellen auskennt, muss er nun beweisen.“ Die Grünen erwarten, dass der neue Mann dem Abgeordnetenhaus zügig seine Pläne für den weiteren Flughafenausbau vorstellt. Jetzt müsse Schluss sein mit den Streitereien um BER, „damit das Milliardenprojekt endlich wieder voranschreitet“.

Ramona Pop distanzierte sich mit dieser Einschätzung deutlich von ihrer Parteifreundin Renate Künast. Die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag hatte geschimpft, dass sich die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg mit dieser Personalentscheidung „endgültig dem Gespött“ ausliefere. Es gehe offenbar immer noch schlimmer. Die Berliner Piraten sahen dies ähnlich. „Diese Personalie ist an Einfallslosigkeit kaum noch zu überbieten“, kritisierte der Abgeordnete Martin Delius, Sprecher der Piratenfraktion im BER-Untersuchungsausschuss des Landesparlaments. Die öffentlichen Eigentümer seien dabei, das Flughafenprojekt aus kleinkarierten Eigeninteressen „sehenden Auges gegen die Wand zu fahren“. Von Mehdorn forderte Delius einen „unbedingten Transparenz- und Konsolidierungskurs“.

Die Berliner Linke schloss sich dagegen voll und ganz der Einschätzung an, die von ihren Genossen in Brandenburg öffentlich verbreitet wurde. Mehdorn sei ein profilierter Manager, der die notwendige hohe Durchsetzungskraft mitbringe, um das Projekt zu wuppen. Die Einigung der drei Gesellschafter Bund, Berlin und Brandenburg auf diese Personalie sei immerhin ein gutes Zeichen. Auch wenn der neue Geschäftsführer „den Charme einer Dampfwalze“ habe. Allerdings mahnte die Linke in beiden Bundesländern, dass Mehdorn den Schallschutz und die Nachtruhe ernst nehmen müsse.

Ganz andere Erwartungen formulierte der Berliner CDU-Generalsekretär Kai Wegner. Jetzt müsse Schluss sein mit Querschüssen und Kehrtwendungen, forderte er. Der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) müsse seinen „politischen Blindflug“ beenden und seine Forderung nach einem erweiterten Nachtflugverbot zurückziehen. Die Union sieht Mehdorn in dieser Frage auf ihrer Seite.

Viel Ärger war in Berlin mit dem Namen Mehdorns verbunden: immer Streit um die S-Bahn. Schleppende Anbindung des Flughafens an den Schienenverkehr. Das kurze Dach des Hauptbahnhofs. Die Drohung der Bahn, ihre Zentrale aus Berlin abzuziehen. Die Abkoppelung des Bahnhofs Zoo vom ICE-Verkehr. Fast schon vergessen ist, dass er sich 2006 schon einmal für den hauptstädtischen Flugverkehr engagierte. Als Tempelhof geschlossen werden sollte, bot die Bahn an, den Flugbetrieb zu übernehmen.

Seiten 1, 2 und 3

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