Marode Gebäude in Steglitz-Zehlendorf : Drei Schulen wegen Einsturzgefahr gesperrt

Drei Schulgebäude in Steglitz-Zehlendorf wurden jetzt gesperrt, nachdem Statiker mangelnde Standfestigkeit diagnostiziert hatten. Der Gebäudetyp war in den 80ern verbreitet in West-Berlin. Auch andere Bezirke überprüfen nun die Statik.

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Die Mobilen Unterrichtsräume (MURs) an der Mühlenau-Grundschule mussten 2015 zwischenzeitlich wegen Baufälligkeit gesperrt werden.
Die Mobilen Unterrichtsräume (MURs) an der Mühlenau-Grundschule mussten 2015 zwischenzeitlich wegen Baufälligkeit gesperrt werden.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Berlins Hochbauämter fahnden nach einsturzgefährdeten mobilen Schulbauten. Anlass ist die Sperrung von gleich drei Gebäuden in Steglitz-Zehlendorf, bei denen Statiker eine mangelnde Standfestigkeit diagnostiziert hatten. Der gleiche Gebäudetyp kam in West-Berlin Ende der 80er Jahre vielfach zum Einsatz, als die vorhandenen festen Schulgebäude nicht ausreichten, um die wachsenden Schülerzahlen aufzunehmen. Betroffen sind aktuell die Mühlenau-, die Kronach- und die Sachsenwald-Grundschule. Die Mobilbauten waren eigentlich nur für eine Nutzungsdauer von zehn Jahren ausgelegt

Aufgefallen ist die Einsturzgefährung eher zufällig infolge einer turnusmäßigen Überprüfung des Brandschutzes im Oktober. „Im Rahmen dieser Begehung wurde festgestellt, dass es nur eine befristete Baugenehmigung für dieses Gebäude gab“, berichtet Immobilienstadtrat Michael Karnetzki (SPD). Da weitere Unterlagen fehlten, wurde entschieden, die Statik der Räume prüfen zu lassen. Dies geschah in den Osterferien. Da der Statiker „gravierende Mängel und Risse im Tragwerk“ feststellte, sei die Sperrung der Schule verfügt worden, erläuterte Karnetzki am Dienstag den Ablauf. Ulrike Kipf vom Bezirkselternausschuss kritisierte, dass das Prüfverfahren erst auf Druck der Schule beschleunigt wurde.

Der Gebäudetyp läuft unter der Bezeichnung „MUR“ – der Abkürzung für „Mobile Unterrichtsräume“. An den drei genannten Schulen umfassen sie jeweils acht Räume. Die Schüler, die in diesen Räumen normalerweise unterrichtet werden, müssen jetzt in den Hauptgebäuden untergebracht werden, bis klar ist, wie schwer die Schäden sind. Geprüft wird jetzt, ob sich die Probleme mit einer Sanierung beheben lassen oder ob die Gebäude abgerissen werden müssen.

Alle Schulämter wurden sofort alarmiert

Das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf war derart alarmiert, dass alle anderen Schulämter von dem Problem unterrichtet wurden. Inzwischen haben sie die Hochbauämter informiert, die für die Gebäude zuständig sind. Aus Neukölln kam bereits am Dienstag die Bestätigung, dass es dort den identischen Bautyp gibt. „Wir haben auch solche Gebäude“, sagte der Leiter des Facilitymanagements, Kristian Schiemann, auf Anfrage. Wie viel insgesamt errichtet wurde, sei aber noch unklar. „Die Statiker werden das alles überprüfen“, stellte Schiemann in Aussicht. Auch in Tempelhof- Schöneberg wurde der Gebäudetyp errichtet, bestätigte Baustadtrat Daniel Krüger (CDU). Aus Reinickendorf, Spandau und Charlottenburg-Wilmersdof gab es noch keine Bestätigung. Die Hochbauämter wollten bis Mittwoch klären, ob derartige Modulbauten noch vorhanden sind.

Vorwürfe, wonach am Montag nach den Osterferien Lehrer und Hausmeister ohne Schutzkleidung im einsturzgefährdeten Gebäude ein und ausgegangen seien, wies Bildungsstadträtin Cerstin Richter-Kotowski zurück: „Das ist alles in Absprache mit den Statikern geschehen. Eine Gefahr bestand nicht.“ Das wichtigste sei, dass die Schüler nicht in einsturzgefährdeten Räumen unterrichtet werden. Nach Angaben auf der Schulhomepage steht der Container, „Wiesenbau“ genannt, seit 1992 auf dem Schulgelände.

400 Millionen Euro Sanierungsstau

Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf steht besonders in der Kritik von Eltern und Schülern, weil er in den vergangenen Jahren weniger als andere Bezirke in die Schulen investierte. In der Folge ist der Sanierungsstau wesentlich höher als in den meisten anderen Bezirken. Er beträgt über 400 Millionen Euro. Zum Vergleich: In Charlottenburg-Wilmersdorf gibt der Bezirk den Sanierungsstau nur mit 50 Millionen Euro an. Die Elternschaft hat bereits mit mehreren Aktionen auf die Zustände aufmerksam gemacht. Zuletzt demonstrierten Schüler einzelner Schulen für sanierte Toiletten.

Im Juni plant der Bezirkschülerausschuss eine Großdemonstration, die vom Rathaus Zehlendorf zum Rathaus Steglitz führen soll. Die Schüler halten an ihrer lang geplanten Demo fest, obwohl inzwischen ein neues Investitionsprogramm des Landes aufgelegt wurde: „Das Geld reicht nicht aus, um unsere Schulen zu sanieren“, lautet das Argument der Schüler.

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