Mate-Bier : Ein Pils für Piraten

Ob Uni, Club oder Abgeordnetenhaus: Die Limo aus Mate-Pflanzen kennt jeder. Ein Erfinder aus Prenzlauer Berg hat aus dem Grünzeug nun Bier gemacht.

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Prösterchen. Fabricio do Canto erfand das Mate-Bier.
Prösterchen. Fabricio do Canto erfand das Mate-Bier.

Alles begann in lustiger Runde der „Hedy Lamarr Crew“, der Pankower Piraten, als einer nach zu viel Mate-Limonade plötzlich Durst auf ein Bier bekam. Wie wär’s denn mit einem Bier aus diesem Grünzeugs? Fabricio do Canto, 42, ließ die Idee nicht mehr los.

Do Canto wohnt in Prenzlauer Berg, trägt knallbunte Kleidung und ein Wickeltuch auf dem Kopf. Er kam 1994 aus Brasilien nach Deutschland und arbeitete zunächst beim Beiersdorf-Konzern. Den Mate-Geschmack kennt er nicht erst, seit so ziemlich jeder in angesagten Kiezen, Clubs und Unis mit „Club Mate“-Flaschen herumrennt und Piraten-Politiker die koffeinhaltige Limo zum „Partei-Kultgetränk“ im Abgeordnetenhaus erklärt haben. Do Canto kennt Mate seit der Kindheit. In der Straßburger Straße in Prenzlauer Berg führt er gemeinsam mit seiner Frau ein Café im Souterrain und bietet dort ausschließlich Produkte an mit und aus der südamerikanischen Stechpalme. Aber Bier aus Mate? Nein, das hatten selbst sie bisher nicht im Sortiment.

Aber das hat sich geändert, die ersten 40 Liter wurden gebraut, das Bier schmeckte sehr stark und war sehr dunkel, erzählt er über das Experiment. Für die zweite Produktionsrunde wurde dann ein Aufruf ins Internet gestellt, um Abnehmer zu gewinnen, die einen Vorschuss geben würden. „Wir brauchten 100 Leute, die jeweils 20 Euro geben, aber 30 haben sich nur gemeldet. Gebraut haben wir trotzdem“, sagt do Canto. 400 Liter wurden dann produziert, ein Großhandel nahm es ab – die nächsten 800 Liter stehen an.

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1 von 10Foto: dapd
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„Das Besondere an uns ist, dass wir komplett demokratisch sind“, erzählt do Canto und tippt auf das Fair-Trust-Siegel. An dieser Stelle wird’s etwas kompliziert und dürfte ganz nach dem Geschmack der Piraten sein: Denn alles, was mit dem Bier geschehen soll, bestimmen die Trinker selbst. Alle Vorgänge sind transparent einsehbar – nicht im Brauhaus, sondern im Internet. Hat man also Anregungen zu Farbe oder Flaschengröße, kann man sich dazu im Internet äußern.

Dafür gibt es einen speziellen Code auf der Flasche, der via Smartphone gelesen werden kann und der dann die Verbindung zu einem virtuellen Forum herstellt. Speziell ist auch die Geschichte mit den Mate-Blättern und die geht so: Das Grünzeug komme direkt aus dem Urwald, erzählt do Canto, einmal im Jahr pflücke er die Blätter mit Freunden in Brasilien.

Klingt alles schwer nach nach politisch korrektem Szenegetränk. Klar, wer da die Zielgruppe ist. Do Canto sagt: „Wir werden uns wahrscheinlich auf Prenzlauer Berg, Kreuzberg und Friedrichshain konzentrieren. Unser Bier ist für Leute, die Wert darauf legen, wo ihr Produkt herkommt.“ Bei drei Euro pro 0,33-Flasche werden vermutlich auch einige nachfragen.

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