Mauerbrache : Park am Nordbahnhof eröffnet

Auf dem einstigen Mauerstreifen am Nordbahnhof wurde ein Park eröffnet. Die Spuren der Geschichte sind dennoch zu erkennen.

Stefan Jacobs
Nordbahnhof Foto: Doris S.-Klaas
Nach langem Tauziehen eröffnet. Jahrelang wurde diskutiert, was aus der Mauerbrache am Nordbahnhof werden sollte. -Foto: Doris S.-Klaas

Vom Nordbahnhof sind es nur wenige Meter und ein paar Stufen. Schräg gegenüber der Mauergedenkstätte Bernauer Straße befindet sich eine dieser Brachen, die scheinbar schon immer da waren. Aber jetzt ist sie eingezäunt und mit Schildern vom Grünflächenamt Mitte versehen. Und seit diesem Mittwoch ganz offiziell: der „Park am Nordbahnhof“.

Die zur Eröffnung angereiste Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge- Reyer (SPD) spricht von einer „geschichtsträchtigen Begegnung, die wir heute hier noch einmal nachvollziehen können“. Denn die zum Park veredelte Brache war einst der Stettiner Bahnhof, von dem schon vor 150 Jahren Züge an die Ostsee fuhren. Den Krieg überlebte der Bahnhof nicht, und mit der Teilung wurden auch die Reste zugemauert. Der Zufall wollte, dass an dieser Stelle der Westen im Osten war und der Osten im Westen; die Ziegelmauer der leicht erhöhten Bahntrasse zur Gartenstraße hin diente als Grenzanlage und wurde später um Standardmauer, Hinterlandmauer und Todesstreifen ergänzt.

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Jetzt, da die Senatorin und ein Vertreter der Deutschen Bahn als Hauptfinanzier symbolisch das Tor zum Park aufgeschlossen haben, spaziert man durch ein in 19 Jahren erstaunlich hoch gewachsenes Birkenwäldchen, in dem die übliche doppelte Pflastersteinreihe den Mauerverlauf markiert. Nach gut fünf Minuten Gehzeit ist eine alte gepflasterte Fläche erreicht, es gibt Sitzgelegenheiten und Reste alter Eisenbahnschienen im Boden, die an die Geschichte des Ortes erinnern. Ein provisorischer Zaun versperrt den weiteren Weg. Die Fläche dahinter soll nächstes Jahr fertig werden; geplant ist eine Verbindung bis zum Humboldthain. Im Norden ist der Park keine 50 Meter mehr breit, aber der südliche Hauptbereich bietet Platz genug für einige Sitzgelegenheiten, einen parallelen Weg – den übrig gebliebenen Kolonnenweg der DDR-Grenzer – und zwei Spielplätze mit rötlichen Kletterhügeln, die wie weich gewordene Knete in der Sonne glänzen. Es gibt wenig, was Vandalismus-Fantasien anregen könnte, auch das vielfach infrage gestellte und schließlich doch bewahrte Stück Hinterlandmauer am Rande des Parkes dürfte für weitere gewalttätige Bearbeitung nur mäßig attraktiv sein. Trotzdem soll abends um 22 Uhr abgeschlossen werden, was bislang die Ausnahme in Berliner Parks ist.

Angelegt wurde dieser hier von der Grün Berlin GmbH, die auch Britzer Garten, Erholungspark Marzahn und Südgelände betreibt. Bezahlt hat ihn zu zwei Dritteln die Bahn – als Ausgleichsmaßnahme für andere Eingriffe in die Natur. Trotz 150 neuer Bäume, 400 Sträucher- und 800 Gräser-Arten wirkt er karg, aber vielleicht wird das noch, und sonst ist er zumindest klimawandelsicher. Nun ist er offen, und noch während die Senatorin das Neuland erkundet, nehmen die ersten Anwohner das Terrain in Besitz. Sie haben schon während der Eröffnungsfeier vor dem Tor gewartet. Ihre Hunde müssen jetzt ziemlich dringend mal.

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