Mauerstadt und Mauerstaat : Was Berlin und Südkorea miteinander verbindet

In Berlin fiel die Grenze vor 25 Jahren, Südkorea hofft noch auf die Wiedervereinigung mit dem Norden. Nun war der Bürgermeister Seouls, Park Won-Soon, zu Besuch. Es ging um Mode, Mobilität – und Olympia.

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Zwei Städte, ein Traum: Am Brandenburger Tor begann am Mittwoch eine Radtour in Richtung Korea, um für die Wiedervereinigung des Landes zu werben.
Zwei Städte, ein Traum: Am Brandenburger Tor begann am Mittwoch eine Radtour in Richtung Korea, um für die Wiedervereinigung des...Foto: dpa

Die deutsche Geschichte hat es Park Won-Soon angetan. „Ihre Stadt ist das Symbol für etwas, von dem wir bislang nur träumen – die Wiedervereinigung“, sagt der Bürgermeister von Seoul, der die vergangenen zwei Tage zu Gast in Berlin war. Das Brandenburger Tor als Symbol sei auch vielen Koreanern ein Begriff. Man schaue daheim genau, wie es zur deutschen Einheit kam – und welche Fehler gemacht wurden, sagt Park. Die wolle man in Korea vermeiden, wenn es eines Tages zu einer Vereinigung der beiden Landesteile kommen sollte, die seit 1948 zwei Staaten sind. „Die abrupte, überstürzte Vereinigung inklusive Währungs- und Wirtschaftsunion hat Deutschland viele Probleme beschert, die wir vermeiden wollen“.

Der einstige Menschenrechtsanwalt gibt sich als Anhänger der Ostpolitik Willy Brandts und der DDR-Bürgerrechtsbewegung zu erkennen. Vor zehn Jahren war er mit einem Stipendium bereits drei Monate in Deutschland. Damals erforschte er die Geschichte der friedlichen Revolution in der DDR und befragte Protagonisten, so den kürzlich verstorbenen Pfarrer Christian Führer.

Park träumt von einem Austausch nord- und südkoreanischer Fußballspieler sowie Gastspielen von Musikern beider Landeshälften im jeweils anderen Staat. „Wir setzen auf langsame Annäherung, so wie sie bei Ihnen zum Erfolg geführt hat.“ Dazu zähle auch eine Fahrradtour von Berlin bis nach Korea - mehr dazu hier.

Berlin sei für viele Koreaner ein Symbol, sagt Park Won-Soon.
Berlin sei für viele Koreaner ein Symbol, sagt Park Won-Soon.Foto: Mike Wolff

Eigentlich dient der Besuch aber vor allem aktuellen Themen. So stand die Unterzeichnung einer Vereinbarung mit der Bread & Butter an – jener Modemesse, die kürzlich verkündet hat, sich teilweise aus Berlin zurückzuziehen. Stattdessen wollen sich die Macher in jener Zehn-Millionen-Metropole engagieren, deren Geschicke der 58-jährige Park seit 2011 lenkt.

Wie er es geschafft hat, die Messe nach Seoul zu holen? Vielleicht hat der Helikopterrundflug den Ausschlag gegeben: Vor einiger Zeit sei Bread & Butter-Chef Karl-Heinz Müller in Seoul gewesen, erzählt Park. „Da haben wir ihn zu einem Hubschrauberflug über die Stadt eingeladen und ihm gesagt, er solle uns Orte nennen, die ihn für die Messe interessieren.“ Müller schaute, wählte – nun hoffe man, dass die Messe kommendes Jahr ein Erfolg wird, sagt der Bürgermeister. Von der Bread & Butter verspricht er sich, dass die offenbar etwas schlappe „Seoul Fashion Week“ belebt wird und neue Anbieter aus Asien und Europa anzieht.

So sah der Mauerstreifen aus
Beengend, der Familienausflug mit dem Fahrrad im Jahr 1981. Bis zur Panzersperre führte der Ausflug, im Hintergrund sind die Hochhäuser der Leipziger Straße im Osten der Stadt zu erkennen. Liebe Leserinnen, liebe Leser: Senden Sie Ihre Fotos des Berliner Mauerstreifens an leserbilder@tagesspiegel.de!Weitere Bilder anzeigen
1 von 183Foto: Sommer/Imago
07.06.2017 13:58Beengend, der Familienausflug mit dem Fahrrad im Jahr 1981. Bis zur Panzersperre führte der Ausflug, im Hintergrund sind die...

Der ökologische Stadtumbau sei ein anderes Thema, bei dem Seoul von Berlin lernen wolle, sagt Park. Und wieso soll ausgerechnet Berlin als Öko-Vorzeigestadt fungieren? Der Bürgermeister nennt viele Beispiele: „Fotovoltaik, Erdwärmenutzung, Elektromobilität – Berlin hat viele Erfolgsgeschichten zu bieten.“ Auch wolle er in seiner Stadt die Fahrradwege ausbauen, das U-Bahn-Netz und die Fußgängerzonen – auch hier sei Berlin ein gutes Vorbild. Dass sich die Stadt kürzlich gegen ein in Prenzlauer Berg geplantes „Eco Mobility“-Festival für umweltfreundliche Verkehrsmittel stellte, ficht ihn nicht an: „Wir sind alle im Umbruch und haben einen langen Weg vor uns“, sagt Park diplomatisch.

Und was rät der Bürgermeister des Austragungsortes der Olympischen Sommerspiele 1988 den Berlinern in Sachen Olympiabewerbung? „Uns hat das damals sehr viel Selbstvertrauen gegeben“, sagt Park. „Wir haben gesehen: „Wir können alles schaffen!“ Dank der Spiele habe Seoul einen internationalen Standard erreicht, der danach auch andere Weltereignisse wie die Fußball-WM angezogen habe. Soll Berlin sich also trotz Finanznot für die Spiele bewerben? Parks salomonische Antwort: „Wenn man es weise anstellt, kann man die Spiele bekommen und sein Profil verbessern, so dass es sich für die Stadt lohnt.“

Ein letzter Kommentar gilt dem BER. Seoul hat seit 2001 einen neuen Flughafen, der aus Parks Sicht eine große Erfolgsgeschichte ist – obwohl es neun Jahre gedauert habe, den Bau fertigzustellen. Die Lektion für Berlin? Wenn der BER erstmal fertig sei, könne Berlin zum Drehkreuz für Osteuropa werden, sagt Park. „Träume sind wichtig.“ Dabei lächelt er so vielsagend, als halte er ein Happy End beim BER für ähnlich wahrscheinlich wie eine Wiedervereinigung seines Landes.

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