Mediaspree-Entwicklung : Bürotürme bedrohen Yaam-Projekt

21.09.2012 19:12 Uhrvon
Das Yaam kämpft um seine Existenz. Foto: dapd
Das Yaam kämpft um seine Existenz. - Foto: dapd

Das Gelände an der Spree, gegenüber dem Ostbahnhof, soll an Hochtief verkauft werden. Damit ist ein weiteres Kulturprojekt in Gefahr. Der Grüne Bürgermeister Schulz warnt den Investor vor „stadtweiten Protesten“.

Dem Immobilienboom in Berlin könnte bald ein weiteres Kulturprojekt zum Opfer fallen. Das Vereinsgelände des Yaam am Stralauer Platz gegenüber dem Ostbahnhof ist nach Einschätzung der Grünen in Friedrichshain-Kreuzberg in akuter Existenzgefahr. Das Grundstück, auf dem das Yaam kostenlose Angebote für Jugendliche bietet, soll an den Bauriesen Hochtief verkauft werden. Das Yaam hat bereits eine Online-Petition für die Erhaltung ihres Geländes gestartet. Unterstützung kommt von Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne): „Mit dem Yaam trifft es einen sehr erfolgreichen interkulturellen Treffpunkt.“ Sportveranstaltungen, Konzerte und Strandbarbetrieb müssten dann Platz machen für „drei große Bürotürme“.

Vertreter von Hochtief hätten im Stadtplanungsamt des Bezirks Interesse an dem Grundstück geäußert, sagte Schulz dem Tagesspiegel. Momentan gehört das Areal dem spanischen Unternehmen Urnova, das bereits über einen Bauvorbescheid verfügt, aber sein Vorhaben nicht realisieren konnte. Der Bauvorbescheid soll allerdings im nächsten Jahr auslaufen. Das könnte ein Grund für den Verkauf sein. Hochtief wies die Darstellung zurück. „Es gibt kein Kaufinteresse an dem Grundstück“, sagte eine Sprecherin des Baukonzerns. Urnova bestätigte dagegen eine Verkaufsabsicht. „Es werden Verkaufsverhandlungen geführt, unter anderem mit einer renommierten deutschen Baufirma“, sagt Urnova-Anwalt Cato Dill.

Das rund 10.000 Quadratmeter große Grundstück gehört zum Entwicklungsgebiet Mediaspree und grenzt an das Areal um den Postbahnhof und die O2-Arena. Dort baut bereits Mercedes seine Vertriebszentrale. Shoppingcenter, ein Kino, Hotels, Restaurants und Wohnungen sind geplant. Nach Jahren des Stillstands werden jetzt viele Investoren aktiv. „Das Mercedes-Projekt hat eine Sogwirkung entfaltet“, sagt ein Insider.

Hochtief selbst baut an der Stralauer Allee auf dem Gelände des ehemaligen Osthafens eine neue Deutschlandzentrale für Coca-Cola. In der Nachbarschaft des Yaams befindet sich auch das Holzmarkt-Areal der BSR, dessen Verkauf politisch heftig umstritten ist. Soll man die letzten Orte der Sub- und Kreativkultur in der Innenstadt schützen oder meistbietend verkaufen? Entschieden wird jedes Mal der Einzelfall. Zur Rettung des Kunsthauses Tacheles in Mitte fehlte zuletzt der politische Wille. Die Chancen, das Yaam am angestammten Ort zu retten, beurteilt Schulz als eher gering. Auch Ersatzflächen seien inzwischen rar geworden, und die rechtlichen Möglichkeiten, einen Verkauf zu verhindern, tendieren gegen null. Trotzdem solidarisiert sich Schulz mit den Yaam-Leuten. „Hochtief muss wissen, dass mit stadtweiten Protesten zu rechnen ist, wenn das Yaam weg muss.“ Am Montag wollen die Grünen Friedrichshain-Kreuzberg auf dem Yaam-Gelände eine öffentliche Fraktionssitzung abhalten.

Yaam-Chef Ortwien Rau will nicht auf Urnova schimpfen. Das Unternehmen habe bislang „fair verhandelt“, solange es um die Zwischennutzung des Areals ging. Wenn jetzt verkauft werden soll, sei vor allem die Politik gefragt. Rau könnte sich eine „globale Lösung“ für den gesamten Mediaspree-Raum vorstellen. „Das Land verfügt noch über ausreichend große Grundstücke“, etwa auf dem Tempelhofer Feld. Da könne man den Investoren Ersatzflächen anbieten.

Umziehen käme für das Yaam dagegen nicht mehr infrage. „Umzüge machen mürbe. Wir brauchen mal eine Perspektive.“ Das Yaam ist seit seiner Gründung 1994 schon oft umgezogen, vom Arena-Gelände in Treptow auf die Cuvrybrache in Kreuzberg und schließlich an den Ostbahnhof in Friedrichshain. Die Cuvrybrache musste das Yaam zugunsten eines geplanten Einkaufszentrums aufgeben, das aber nie gebaut wurde. Die Brache existiert immer noch. Im Sommer wurde sie von Obdachlosen, autonomen Aussteigern und Partytouristen als wilder Campingplatz genutzt. Aber Investorenpläne gibt es auch hier.

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