Berlin : Mehr Polizisten, weniger Bauchtanz

Anwohner in Alt-Tegel fühlen sich nachts nicht mehr sicher. Die CDU verspricht, sich zu kümmern

„Unser Maßstab ist nicht Nord-Neukölln“, heißt es zur Begrüßung, und die Bürger klopfen auf die Tische. „Richtig!“, rufen sie. „Genau!“ Alt-Tegel, Restaurant Hax’nhaus, Mittwochabend. Die CDU hat zum Kiezgespräch geladen, das Thema: „Wie sicher ist unser Tegel?“

Knapp 40 Bürger sind gekommen. Sie fürchten sich: vor Jugendlichen, die auf den Straßen herumhängen, rauchen, trinken, gröhlen. Auch die tödliche Begegnung rivalisierender Jugendgruppen am U-Bahnhof Wittenau, in dem Ende vergangenen Jahres ein 15-Jähriger einen 17-Jährigen erstach, kommt zur Sprache. „Wir kürzen die schönen Büsche, damit uns niemand auflauert“, sagt eine Frau. „Wir machen nachts die Laternen heller, und keiner sieht mehr die Sterne.“ Sie seufzt. „Ich verstehe das alles nicht mehr.“

Drei CDU-Politiker hören sich die Sorgen der Anwohner an. Andreas Gram, stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Abgeordnetenhaus, sagt, das Geld müsse für die Sicherheit da sein, „die die Bürger wirklich brauchen“ – und nicht für „lesbische Bauchtanzgruppen“. Eberhard Schönberg, Ex-Vorsitzender der Berliner Gewerkschaft der Polizei, früher SPD-Mitglied und bei der kommenden Wahl parteiloser Kandidat für die CDU, sagt: „Lassen Sie sich nicht veralbern von Leuten, die sagen, es wäre alles in Ordnung.“ Dirk Steffel, Bezirksverordneter aus Reinickendorf, sagt: „Perspektivlose Jugendliche, wenn ich das immer höre. Als mein Opa 1947 aus dem Krieg zurückkam, hatte er sicher weniger Perspektiven als die Jugendlichen heute.“

„Wir wollen keine CDU-Veranstaltung. Wir wollen unser Tegeler Problem besprechen“, ruft ein Bürger und erhält Applaus. Die Politiker versprechen, sich zu kümmern. Dirk Steffel will erreichen, dass Taxis nachts durch die Fußgängerzone fahren dürfen, damit Anwohner sicher nach Hause kommen. Natürlich werde ein CDU-geführter Senat die Zahl der Polizisten sofort erhöhen, verspricht Andreas Gram. Hinter ihm hängt ein Plakat: „Damit wir Reinickendorfer oben bleiben.“ kch

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