Berlin : Messerangriff auf Frau eines Neonazis

Opfer leicht verletzt. Rechtsextremisten attackieren Zivilpolizisten vor Kneipe „Zum Henker“. Linke demonstrieren friedlich

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Alles ruhig. Die Demo gegen Rechts am Dienstag in Kreuzberg. Foto: Christian Mang Foto: [Christian Mang/imagedeluxe.net]
Alles ruhig. Die Demo gegen Rechts am Dienstag in Kreuzberg. Foto: Christian MangFoto: [Christian Mang/imagedeluxe.net]

Die Serie gewaltsamer Angriffe unter Extremisten nimmt offenbar kein Ende. Am Montag gegen 18 Uhr attackierten in Rudow Unbekannte, mutmaßlich Linksextremisten, mit einem Messer die Ehefrau eines Neonazis, die mit ihren drei Kindern unterwegs war. Die 22-Jährige habe aber nur oberflächliche Verletzungen erlitten, hieß es bei der Polizei.

Der Staatsschutz ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung. Messerangriffe sind allerdings in der linken Szene unüblich. Sollten Linksextremisten die Täter sein, „wäre das eine weitere Stufe der Eskalation“, sagte ein Sicherheitsexperte. Die Polizei prüft auch, ob es sich um eine fingierte Tat handeln könnte. „Die Ermittlungen sind in einem so frühen Stadium, dass nichts auszuschließen ist“, hieß es. Der Ehemann der 22-Jährigen zählt zur rechten Szene in Rudow und war schon Angriffen ausgesetzt. Auch sein Wagen wurde beschädigt. Linksextremisten haben zudem nach Informationen des Tagesspiegels im Frühjahr die Frau beschimpft. Danach erschienen auf einer rechtsextremen Homepage steckbriefartige Fotos zweier Linker. Der Ehemann der attackierten Frau ist zudem bereits mit szenetypischen Aktionen aufgefallen. Bei Veranstaltungen fotografierte er gezielt Linke und Journalisten.

Angesichts des Konflikts zwischen linken und rechten Extremisten hatte Innensenator Ehrhart Körting (SPD) am Montag in einem Tagesspiegel-Interview gewarnt, „dass bei Extremisten auf jede Aktion eine Gegenaktion folgt“. So könnte der Messerangriff in Rudow ein Racheakt von Linksextremisten nach den Brandanschlägen auf linke Einrichtungen in der Nacht zu Montag sein. Diese Angriffe waren mutmaßlich eine Racheaktion von Neonazis nach linken Attacken auf Funktionäre von NPD und „Pro Deutschland“.

Montagabend wurden zudem in Niederschöneweide Polizisten in Zivil von Gästen des rechtsextremen Szenelokals „Zum Henker“ angegriffen. Die Beamten hielten sich in der Nähe der Kneipe auf, nachdem Linke gegen den Treffpunkt der rechten Szene demonstriert hatten. Mit Hilfe von herbeigerufenen Unterstützungskräften nahmen die Beamten vier Männer vorläufig fest. Bei einer Begehung des Lokals, in das sich einige Angreifer geflüchtet hatten, stellte die Polizei Schlag- und Stichwerkzeuge sicher und überprüfte die Personalien von neun Personen. Der Staatsschutz ermittelt.

Die Autozündelei geht ebenfalls weiter. In der Nacht zu Dienstag haben mutmaßlich linke Brandstifter in Moabit und Tiergarten einen BMW und einen VW Phaeton angezündet. Damit zählt die Polizei in diesem Jahr bereits 100 Autos, die vermutlich von Linksextremen angesteckt wurden. Dabei wurden 68 Fahrzeuge in Mitleidenschaft gezogen.

Unterdessen hat der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil des Kammergerichts gegen drei Mitglieder der linksextremen „Militanten Gruppe (MG)“ bestätigt. Das Kammergericht hatte im Oktober 2009 die Männer wegen eines versuchten Brandanschlags auf Fahrzeuge der Bundeswehr zu Strafen zwischen drei und dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Revision der Verteidiger hat der BGH nun verworfen. Die MG hatte zahlreiche Brandanschläge verübt, bislang konnte aber nur die eine Tat aufgeklärt werden.

Friedlich blieb es immerhin am Dienstagabend bei einer Demonstration autonomer Linker gegen Rechts. Kurz nach 20 Uhr waren laut Polizeiangaben rund 500 Teilnehmer am Kreuzberger Heinrichplatz aufgebrochen, vorneweg ein Transparent mit dem Motto „Gegen Anti-Antifa auf allen Ebenen“. Etwa eine Stunde später war das Ziel des Zuges, das Tommy-Weisbecker-Haus in der Kreuzberger Wilhelmstraße, bereits erreicht, und die Kundgebung wurde aufgelöst. Bis Redaktionsschluss gab es keine Zwischenfälle.

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