Berlin : Michael Witt hat 25-jähriges Dienstjubiläum und 60. Geburtstag

Ekkehard Schwerk

Zwei Anlässe wollen musikalisch in Einklang gebracht werden und zwar am morgigen Sonntag in der St.-Hedwigs-Kathedrale. Der 60. Geburtstag des hier harmonisch seit 25 Jahren wirkenden Domkapellmeisters Michael Witt. Das Jubiläum liegt ein paar Monate zurück, der Geburtstag steht anderntags bevor. Der Sonntag also bindet den Strauß. Unter Witts Leitung werden um 19 Uhr 30 der Chor der St.-Hedwigs-Kathedrale und das Ensemble für Alte Musik, werden ehemalige Sänger, Solisten und Instrumentalisten Johann Sebastian Bachs Kantate "Lobe den Herren, den mächtigen König" und Felix Mendelssohn Bartholdys "Lobgesang" aufführen. Der Eintritt ist frei, die Kollekte ist zum Kauf eines Flügels bestimmt.

Michael Witt ist verheiratet und fünffacher Vater. Und diese fünfe haben sieben Kinder, von denen drei im Kinderchor singen. Alle Kind- und Kindeskinder leben im erreichbaren Umkreis. Michael Witt ist Protestant. Er hat neben der Kirchenmusik sogar Theologie studiert. Um ein Haar wäre er vor 25 Jahren nach Studium und Kantorei in der Evangelischen Pfingstkirche aus Berlin weg und heim nach Bautzen gegangen. Aber dann hatte er sich doch fürs Verbleiben in Berlin und St.-Hedwig entschieden. Dort wurde seine Bewerbung um die Stelle eines Domkapellmeisters zu seinen Gunsten entschieden. Alfred Kardinal Bengsch war hier Oberhirte der katholischen Diaspora. Und was vielleicht in anderen Regionen bei enger Denkungsart undenkbar wäre - hier in Berlin galt Eignung und christlicher Glaube. Und immerhin hatte sich damals ja auch kein Katholik um diesen musikalischen Kathedraldienst beworben. Alle Berliner Bischöfe von Alfred Kardinal Bengsch bis Georg Kardinal Sterzinsky sahen in einem protestantischen Domkapellmeister kein Problem. Im übrigen ist Michael Witt der Ansicht, dass die Zeit ernsthafter Ökumene nicht geeignet sei, die Konfession zu wechseln. Er wuchs ja übrigens auch in einer Stadt auf, deren Dom eine Simultankirche ist: St. Petri in Bautzen ist Gotteshaus beider Konfessionen. Das prägt.

Witt hatte bei Antritt seines Dienstes in St. Hedwig einen recht geschmälerten Chor vorgefunden. Die hermetische Teilung der Stadt hatte auch hier Wirkung. Nun schaffte es der Domkapellmeister mit Zielstrebigkeit, den Chor von St. Hedwig wieder zu angemessener Stimmkraft zu führen. Die erste Aufführung war Haydns "Schöpfung" - und man sah, dass es gut war. Gern griff er auf Talente der Hanns-Eisler-Kunsthochschule zurück. Doch einmal drangsalierten parteimächtige Lehrer einen Studenten, weil er "bei Witt" musizieren wollte. Das Bischöfliche Ordinariat griff wirkungsvoll ein.

Morgen werden in der Bischofskirche auch einige von denen mitwirken, die seinerzeit vom SED-Regime schikaniert worden waren. Die Musiker und ihr Dirigent verbindet eine gemeinsame Zeit, und sie singen im wahren Wortsinn - Gott sei Dank.

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