Millionen-Poker : In Berlin könnte das Wasser teurer werden

18.04.2012 00:00 Uhrvon
Die Wasserpreise könnten in diesem Jahr steigen. Foto: dpa
Die Wasserpreise könnten in diesem Jahr steigen. - Foto: dpa

Der Gewinn der Berliner Wasserbetriebe bleibt im dreistelligen Millionenbereich. Trotzdem sind Preiserhöhung in diesem Jahr nicht ausgeschlossen. Der Grund: RWE will nicht auf einen Teil des Gewinns verzichten.

Auf die Berliner kommen vielleicht noch in diesem Jahr höhere Wasserpreise zu. „Definitiv ausschließen kann ich das nicht“, sagte Jörg Simon, Vorstandschef der Berliner Wasserbetriebe (BWB), bei der Vorstellung der Bilanz 2011. Hintergrund ist, dass der RWE-Konzern nicht bereit sei, auf einen Teil seines Gewinns zu verzichten. Das Land Berlin und der ebenso wie RWE mit 24,95 Prozent an den Wasserbetrieben beteiligte Konzern Veolia hatten sich wegen des anhaltenden öffentlichen Drucks darauf bereits geeinigt. Da es insgesamt laut Simon um 34 Millionen Euro geht, pokert RWE demnach um 8,5 Millionen.

Parallel feilschen die Gesellschafter weiter um den Ausstieg von RWE. Nach Tagesspiegel-Informationen wollte der Konzern für seinen Anteil ursprünglich rund 800 Millionen Euro bekommen. Zum aktuellen Verhandlungsstand äußerten sich auf Nachfrage weder RWE noch die Finanzverwaltung.

Für die Folgejahre bis 2015 rechnet der BWB-Chef mit konstanten Tarifen. Der seit 2007 auf ungeplant niedrigem Niveau stagnierende Wasserabsatz sei in dieser Prognose berücksichtigt. Vor allem das vergangene Jahr lief wegen des verregneten Sommers für die BWB schlechter als geplant. Wobei „schlecht“ im Fall der Wasserbetriebe relativ ist, denn trotz des um elf Prozent gesunkenen Bilanzgewinns schüttete das Unternehmen 2011 noch 232 Millionen Euro aus. RWE und Veolia erhielten zusammen 124 Millionen Euro, das Land Berlin 108 Millionen Euro plus 82 Millionen an Abgaben für Grundwasserentnahme, Abwasser und Sondernutzungsgebühr fürs Rohrnetz unter den Straßen der Stadt.

„Berlins Wasser vergoldet Wasserhähne, leider eben nur nicht die der Verbraucher“, kommentierte Maren Kern vom Vorstand des Wohnunternehmensverbandes BBU die Bilanz. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) forderte erneut, die Wasserpreise zu senken.

Diese Forderung hat auch das Bundeskartellamt in zwei Abmahnungen an die BWB erhoben, gegen die das Unternehmen sich wehrt. Nach Auskunft Simons würde die aktuelle Forderung des Kartellamtes die Verbraucher um etwa 15 Euro pro Person und Jahr entlasten.

2011 lag der Umsatz der BWB mit ihren rund 4000 Mitarbeitern bei 1,2 Milliarden Euro. Von 400 Millionen Euro Einkaufsvolumen wurden laut Simon 321 Millionen in der Region vergeben. Dass wegen des gesunkenen Verbrauchs vielen Berlinern das steigende Grundwasser in die Keller drückt, ist aus Sicht von Simon „nur im Rahmen einer konzertierten Aktion“ zu bremsen. Im Klartext: Die Wasserbetriebe könnten und würden mehr Wasser fördern, wenn es jemand bezahlt.

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