Berlin : Missionen und Millionen

„Mission: Impossible III“ ist fertig, die Crew ist auf Werbetour – und Babelsberg hat auch daran verdient

Andreas Conrad

Manchmal kommt er ja tatsächlich, der Anruf aus Hollywood – unerwartet, kaum zu glauben. Derjenige, den es trifft, denkt dann erst einmal, er werde gefoppt. Auch J. J. Abrams wollte es erst nicht wahrhaben, dass er tatsächlich Tom Cruise am Apparat hatte, der ihn einlud, doch mal vorbeizuschauen und über ein mögliches gemeinsames Projekt zu reden: „Mission: Impossible III“. Cruise, zugleich Produzent des Films, suchte Ersatz für den Regisseur Joe Carnahan, von dem er sich schon früh wegen „künstlerischer Differenzen“ getrennt hatte. „Eine Riesenchance“, schwärmte Abrams gestern Nachmittag beim Interview im Adlon. Am kommenden Donnerstag startet der Film in den deutschen Kinos, Anlass für den Regisseur und Michele Monaghan, Filmehefrau von Tom Cruise, sich in Berlin Löcher in den Bauch fragen zu lassen.

Für den Regisseur, der mit Fernsehserien wie „Alias – die Agentin“ und „Lost“ bekannt wurde und mit „M:i:III“ im Kino debütiert, war es ein wenig die Erfüllung eines Jugendtraums. Schon als Kind habe ihn die TV-Serie „Mission: Impossible“ begeistert – in Deutschland lief sie als „Cobra, übernehmen Sie“. Das Spiel mit den Identitäten, das Eindringen in fremde Machtzentren, das Täuschen von Menschen – „Ich habe es geliebt, dem Team zuzusehen“. Die Filme beeinflussten die Art, wie er die „Alias“-Geschichten erzählte, die wiederum sein Assistent Tom Cruise zusandte – mit dessen Anruf schloss sich der Kreis.

Anfangs stand Abrams dem Projekt skeptisch gegenüber, das Drehbuch war nicht die Geschichte, die er erzählen wollte. Er dachte sich den Film „persönlicher, emotionaler“, die Figur des Ethan Hunt menschlicher. Das sei genau das, was auch er wolle, habe Cruise auf seine Einwände erwidert – und ihm freie Hand gelassen. Keine hierarchische Beziehung also, im Gegenteil. „Du bist der Chef“, habe Tom gesagt, ihn in allem unterstützt, was er mit dem Film machen wollte.

Pech für Berlin und Babelsberg: Denn rasch kam Abrams zu dem Schluss, dass die hier bereits vorbereiteten Drehorte, Requisiten, Fahrzeuge für seine Story nicht zu gebrauchen waren. So fiel Berlin aus der Liste der zentralen Drehorte wieder heraus, musste sich mit zwei Drehtagen des zweiten Kamerateams begnügen, so berichtet Henning Molfenter, Geschäftsführer von Studio Babelsberg. Doch hat Paramount alle Kosten der Planungen brav bezahlt, ein paar Millionen immerhin, ein nicht so großes Geschäft wie erhofft, aber doch ein Geschäft. Auch gehört die erste Actionepisode im Film ja Berlin, viel Geballer und Hubschrauberluftkampf im dunklen Windradwald – nur gedreht wurde weitgehend woanders.

„M:i:III“ ganz ohne Berlin, das wollte Abrams nun auch nicht, schließlich hat er von seinem Vater, dem Produzenten Gerald W. Abrams, ein Faible für die Stadt geerbt, war mit ihm vor 20 Jahren zum ersten Mal hier. Der hat in Berlin manchen Film gemacht, so etwa 1981 über einen Berliner Fluchttunnel. Und auch Michele Monaghan schwärmte gestern von der Stadt, wenngleich sie diesmal hier nur ihren neuen Film präsentieren und ihn nicht auch drehen durfte wie 2004 bei „Die Bourne Verschwörung“, als sie für eine Woche hier war. Auch für sie war „M:i:III“ eine Riesenchance und zugleich eine neue Erfahrung: Nie zuvor in ihrer Laufbahn hatte sie einen Menschen erschossen. Diesmal waren es gleich zwei.

0 Kommentare

Neuester Kommentar