Berlin : Mit der Axt ins Arbeitsamt

Ein Mann randalierte im Jobcenter und drohte Schlimmeres an. Die Polizei kannte ihn schon lange

Jörn Hasselmann

Der bereits mehrfach durch wirre Taten aufgefallene Arbeitslose Christoph Kastius ist am Donnerstag mit einer Axt ins Tempelhofer Jobcenter eingedrungen. Dort zerstörte er mit mehreren wuchtigen Hieben Computer und Bildschirm eines leitenden Angestellten sowie danach mehrere Glastüren. Anschließend bedrohte der 34-Jährige mehrere Personen mit der Axt, verließ das Haus und ließ sich widerstandslos festnehmen.

Nachdem der Mann wieder auf freien Fuß gesetzt worden war, erschien er am Abend wieder vor dem Arbeitsamt in der Wolframstraße. Nach Polizeiangaben soll er dort einem Wachmann mitgeteilt haben, dass er mit „einer Maschinenpistole zurückkehren“ werde. Daraufhin stürmte ein Spezialeinsatzkommando die Wohnung des Mannes in Schöneberg und nahm ihn erneut fest. Eine Waffe wurde nicht gefunden. Er wurde einem Amtsarzt vorgeführt, der aber keinen Grund sah, den Mann in die geschlossene Psychiatrie einzuweisen. Also wurde der 34-Jährige mit Anzeigen wegen Bedrohung und Sachbeschädigung erneut frei gelassen.

Wie Kastius am Freitag dem Tagesspiegel sagte, sei er wütend über die Ablehnung einer Umzugsbeihilfe gewesen. Die Zerstörung von Tastatur und Monitor des Bereichsleiters räumte er unumwunden ein, „die drei Scheiben habe ich dann auch noch mitgenommen“.  Er widersprach lediglich, dass er mit einer MP gedroht haben soll. „Ich wollte dort nur einen Brief einwerfen.“ Kastius erklärte seinen Wutausbruch damit, dass es ein „Recht darauf gibt, die Freiheitlich demokratische Grundordnung zu beseitigen“.

Kastius gilt als Anhänger der sogenannten Reichsregierungen – Zusammenschlüssen von Wirrköpfen und Rechtsextremisten, die behaupten, dass die Bundesrepublik Deutschland und das Grundgesetz nicht existieren, sondern das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 fortbesteht. In einigen Bundesländern werden diese diversen – untereinander verfeindeten – „Reichsregierungen“ vom Verfassungsschutz beobachtet. Nach Angaben der Internetseite „Esowatch“, die das Treiben von politischen Sekten und Verschwörungstheoretikern dokumentiert, wurde Kastius zuletzt im Jahr 2009 aus dem „Fürstentum Germania“ ausgeschlossen, weil er eigenmächtig zu einer „Deutschen Nationalversammlung“ eingeladen hatte. Zuvor hatte er in einem „Deutschen Reich“ als Verfassungsrat amtiert.

Erstmals aufgefallen war Kastius im Oktober 1999, als er mit einer ungeladenen Schreckschusspistole bewaffnet das Studio des Fernsehsenders n-tv stürmte und drohte, sich vor laufenden Kameras zu erschießen, sollte die Telekom ihm seine Schulden nicht erlassen. Dass die Kameras schnell abgeschaltet waren, hatte Kastius nicht bemerkt, er wurde von der Polizei überwältigt. Anschließend hatte er eine Pressemeldung veröffentlichen lassen, dass er sich „mit einer Verzweiflungstat“ im Studio das Leben genommen habe, um auf seine Finanzprobleme aufmerksam zu machen. Kastius soll damals hohe Schulden mit einer „Suchhotline“ aufgetürmt haben, die angeblich Kriegsflüchtlinge zusammenführen sollte. Zudem hatte er gegen den Euro agitiert und sich bei Montagsdemos aufgespielt.

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