Modernisierung von Sozialwohnungen in Berlin : Die Senioren vom Hansa-Ufer wehren sich erfolgreich

Investor Akelius will in Berlin ehemals städtische Sozialwohnungen aufwendig modernisieren und die Mieten erhöhen. Finanziell aber ist das nicht zu leisten für die Bewohner. Jetzt haben sich Politiker eingeschaltet.

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Nicht allein. Ingeborg Koske (2.v.l.) lebt im Seniorenwohnhaus in Berlin-Moabit - und muss womöglich ausziehen.
Nicht allein. Ingeborg Koske (2.v.l.) lebt im Seniorenwohnhaus in Berlin-Moabit - und muss womöglich ausziehen.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Der Protest der Senioren vom Hansa-Ufer 5 in Moabit zeigt Wirkung. Am Donnerstag will der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Lengsfeld das Haus besuchen. Außerdem hat sich der Sozialstadtrat von Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), aktiv in die Verhandlungen mit dem Investor Akelius eingeschaltet. Akelius will die 66 ehemals städtischen Sozialwohnungen aufwendig modernisieren und die Mieten entsprechend erhöhen. Von bis zu 20 Euro pro Quadratmeter ist die Rede. Für die Bewohner – die meisten sind Frauen im Rentenalter – wäre das finanziell nicht zu leisten.

In einer Online-Petition haben sich 57.000 Unterstützer gemeldet, ein großer Erfolg für die kleine Protestinitiative. Außerdem hat sich der Architekt des 1975 gebauten Hauses, Peter Brinkert, auf die Seite der Mieter geschlagen. Er findet die geplante Modernisierung kontraproduktiv und ästhetisch misslungen.

Rechtlich verhält sich Akelius bislang völlig korrekt. Stephan von Dassel sieht deshalb kaum Handlungsmöglichkeiten für den Bezirk. Der Verkauf des städtischen Hauses durch den Liegenschaftsfonds 2007 sei ein Fehler gewesen. Damals hieß es, die Mieterrechte blieben gewahrt.

Seniorenwohnungen in Gefahr
Das Gebäude Hansa-Ufer 5. Erworben von dem schwedischen Investor Akelius. Wie es einmal aussehen soll, sehen sie hier.Weitere Bilder anzeigen
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04.06.2014 13:54Das Gebäude Hansa-Ufer 5. Erworben von dem schwedischen Investor Akelius. Wie es einmal aussehen soll, sehen sie hier.

Akelius-Geschäftsführer Ralf Spann hat den Mietern inzwischen zugesichert, in Härtefällen nur eine geringe oder gar keine Mieterhöhung zu verlangen. Über die Modernisierung werde er mit den Bewohnern noch reden. Neue Fenster einzubauen sei sinnvoll, alles andere eher bedenklich, erklärte eine Sprecherin der Hausgemeinschaft.

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