Berlin : Modische Doppelstreife

Ministerinnen im gleichen Outfit: Es stammt aus ihrem Charlottenburger Lieblingsladen. Der heißt „Glückseligkeit“

Heidemarie Mazuhn

Der Bundestag hat ein doppeltes Lottchen: Heidemarie Wieczorek-Zeul und Edelgard Bulmahn. Nicht nur mit der gleichen rötlichen Haartönung saßen die Bundesministerinnen auf der Regierungsbank, sondern auch in den gleichen Zebrastreifen gewandet. Politikerinnen müssen aber wohl Schlimmeres wegstecken können als ein Zwillingsoutfit. Keine fiel beim spiegelgleichen Anblick der anderen in Ohnmacht, und keine kreischte entsetzt auf. Sie nahmen es mit Humor. Sicher vor allem schon deshalb, weil die „rote Heidi“ und ihre Kollegin aus dem Ministerium für Bildung und Forschung damit rechnen mussten, irgendwann uniform gekleidet aufeinander zu stoßen. Sie statten sich im selben Geschäft aus. An besagtem Tag im Bundestag hatten sie dabei noch Glück, nicht als zweifache doppelte Lottchen aufzutreten – auch Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und Justizministerin Brigitte Zypries suchen regelmäßig „Ananda“ auf.

Ananda ist Indisch und heißt übersetzt „Glückseligkeit“ – so hat vor 23 Jahren Shashi Stephan ihre Boutique am Savignyplatz genannt. „Die Flower-Power-Zeit war es damals, da passte der Name dazu“, sagte gestern Shashi Stephan. Aus Indien kam sie 1977 nach Deutschland, um in Göttingen deutsche Literatur zu studieren. Englisch hatte sie schon daheim in Delhi abgeschlossen – dort wollte sie nach ihrem Studium im Ausland als Lehrerin an der Universität arbeiten. Die Liebe entschied anders – es gab eine deutsch-indische Heirat. Die 21-jährige Tochter Alina studiert gerade Jura.

Ihre Mutter erfuhr von dem modischen Zwischenfall im Bundestag am vergangenem Sonnabend. Da schaute Justizministerin Brigitte Zypries mal wieder bei „Ananda“ rein. Sie war es auch gewesen, die das Geschäft freundschaftlich als „heiße“ Adresse an ihre Genossinnen weitergegeben hatte.

Die weiblich weich und bequem weit geschnittenen Kleidungsstücke gefielen den Politikerinnen auf Anhieb. Ohne Leibwächter und immer in Eile machen sie in Abständen bei „Ananda“ Halt und nehmen fast immer eine Tüte Glückseligkeit mit – in Form eines der im Laden ausgehängten samtenen Schals in allen Farben des Regenbogens, eines legeren Rocks oder eben eines Zebra-Oberteils aus weichem Stoff, das nicht zwackt und kneift.

„Wer beruflich viel Stress hat, will nicht noch mit Kleidung eingeengt sein“, philosophiert Shashi Stephan. Für die 48-Jährige definiert sich Mode dabei nicht über „den letzten Schrei“, sondern zu neunzig Prozent aus dem Material. Der erste Blick ihrer Kundinnen gelte immer einem Stoff, der ihr auffällt, erst dann dem Modell.

Über ihre prominente Kundschaft wahrt die Inderin ansonsten diskretes Stillschweigen. Einen weiteren Zwischenfall auf Bundesebene will sie allerdings künftig vermeiden und die jeweilige Dame informieren, dass sie mit ihrem „Ananda“-Kauf eventuell im Bundestag nicht allein glückselig ist.

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