Berlin : Montagsclub

Christine Lang

Montagsauto, Montagsdemo, blauer Montag, Ostermontag, „I don’t like Mondays“ – denkt man an den Wochentag, der nach der Mondgöttin Luna benannt worden ist, kommen einem alle möglichen Dinge in den Sinn, Partys aber nicht. Traditionell gestaltet man den Montagabend eher mit einem Kino- als einem Clubbesuch. Was nicht heißt, dass zu Wochenbeginn überhaupt nicht getanzt wird. Wer lange genug sucht, findet auch am Montagabend Partys, die sich lohnen: Zum Beispiel die „Elektrolounge“ im Roten Salon, die „kleine Montagsdisko“ im NBI, den „Uneasy Listening Monday“ im Wild at Heart, den „Hungry Monday“ mit Rock, Pop und Dance in der Alten Kantine oder den „Black Monday“ im King Kong Club. Seit einem Jahr hat sich eine weitere Montagsreihe als Geheimtipp etabliert: der „Montagsclub“ in der Hotelbar in Mitte.

Initiiert und liebevoll veranstaltet wird sie von dem aus Bremen stammenden Wahlberliner Mark Scheibe, der stets selbst durch den Abend führt – mal mit und mal ohne Umhänge-Hammondorgel. Manchmal singt er auch, ansonsten lädt er sich mehr oder weniger bekannte Sänger ein. Zu seinen Lieblingsgästen zählen beispielsweise der ebenfalls aus Bremen stammende Spoken-Word-Virtuose Flowin’ImmO, die junge niederländische Jazzsängerin Iris Romen oder Francesco von der aus Freiburg zugezogenen und bei Universal unter Vertrag stehenden Band Tele. Die musikalische Bandbreite im Montagsclub ist umfangreich, das ironische Oberthema lautet „Hippe Spezialmusik für elitäre Großstädter“.

Pünktlich zum Geburtstag hat Mark Scheibe nun seine eigene EP vorgestellt: „Drei Lieder“. Hinter dem schlichtem Titel verbergen sich drei lustige, zeitkritische Berlin-Mitte-Songs: „Ich, ich, ich“, „Fernsehturm“ und „Ich bin ein Webdesigner“. Mark Scheibe thematisiert das Dasein der aus den alten Bundesländern zugezogenen typischen Mitte-Bewohner. Mark Scheibe tritt an den Abenden als charmanter Conférencier auf, der auch schon mal spontan Lieder erfindet, „die er den Wünschen des Publikums entnimmt“, wie er sagt.

Scheibe überzeugt als Entertainer auch deshalb, weil sich seine Mitte-Hipster- Ironie mit der Erfahrung als ernsthafter Film- und Theatermusiker mischt. Zu Beginn seiner musikalischen Laufbahn tingelte er außerdem durch die Hotelbars des Landes, wo er „allabendlich am Flügel sitzend die Themen Einsamkeit und Alkoholismus ausgelotet hat“. Ob das nun stimmt oder nicht, bleibt in der Schwebe. Und genau das macht seine Entertainerqualität aus.

Jeden 1. und 3. Montag im Monat „Montagsclub“ mit Mark Scheibe (nächster Montagsclub am 17.4.), jeden 2. und 4. Montag „Rock, Electropop und New Wave“ mit DJ Julia. Hotelbar, Zionskirchstr. 5, Mitte. Infos unter www.montagsclub.net, www.hotelbar-berlin.de.

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