Berlin : Mord in der Botschaft: Ein Krimiautor am Tatort

Foto: Promo
Foto: Promo

„Der Schaft eines großen Messers ragte wie ein obszönes Symbol am unteren Ende des Schnitts aus dem Körper heraus. Arngrímus brauchte eine ganze Weile, um zu begreifen, dass auf dem Boden unter dem Stuhl nicht nur Blut war.“ – Leser von Kriminalromanen sind einiges gewohnt, selbst unappetitliche Details sind eher ein Leseanreiz. Ein Autor muss sich also anstrengen, der Metzelei auf dem Papier ein paar überraschende Nuancen abzugewinnen. Eine Möglichkeit ist der Tatort: Wie wäre es, die Bluttat im Dienstzimmer eines Botschafters vollziehen zu lassen, in Berlin, in der Botschaft Islands in Tiergarten?

„Späte Sühne“, so heißt der vierte auf Deutsch erschienene Roman des isländischen Krimiautors Viktor Arnar Ingólfsson, (Bastei-Lübbe, 335 Seiten 8,88 Euro), und er nimmt seinen Ausgang ausgerechnet nach einer Dichterlesung im Felleshus, dem Gemeinschaftshaus der Nordischen Botschaften, die für einen der Gäste tödlich endet. Gäbe es in Berlin einen besseren Ort, um den realen Autor Ingólfsson seinen Roman vorstellen zu lassen? Garantiert nicht, und so laden Botschaft und Verlag am heutigen Abend zur Lesung dieses „Island Krimis“, wie er tituliert wird. Schon der deutsche Titel kommt so schicksalsschwer daher, wie man es von skandinavischen Krimis gewohnt ist, aber dafür kann Ingólfsson nichts. Er hatte sein Buch „Sólstjakar“ (Kerzenständer der Sonne) genannt, nach zwei für den Mord bedeutsamen Requisiten. Es gibt diese Leuchter tatsächlich: 2008 hatte eine isländische Künstlerin Schriftsteller um Hilfe bei einer Ausstellung gebeten – die Beschreibung eines keramischen Objekts, welches sie anfertigen wollte. Ingólfsson arbeitete damals an seinem Roman und hatte die Idee, die Leuchter in die Handlung einzubauen. Der Keramikerin gefiel sein Vorschlag, die Leuchter wurden hergestellt und ausgestellt. Gut vorstellbar, dass man darin einen scharfen Dolch versteckt … ac

Lesung mit Viktor Arnar Ingólfsson im Gemeinschaftshaus der Nordischen Botschaften, Rauchstraße 1, heute, 19 Uhr. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten unter infoberlin@mfa.is.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben