Moschee in Berlin-Neukölln : Imam wehrt sich gegen Extremismus-Vorwürfe

Der Imam der umstritteten Neuköllner Dar-as-Salam-Moschee wehrt sich gegen Vorwürfe radikaler Tendenzen. Die „Neuköllner Begegnungsstätte“ wird vom Verfassungsschutz beobachet.

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Neuköllns Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey trat mit Imam Mohamed Taha Sabri in der Dar-as-Salam- Moschee auf.
Neuköllns Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey trat mit Imam Mohamed Taha Sabri in der Dar-as-Salam- Moschee auf.Foto: F. Giffey/Facebook

Der Imam der umstrittenen Neuköllner Dar-as-Salam-Moschee versucht, den Verdacht auf extremistische Umtriebe zu widerlegen. In einer längeren E-Mail an den Tagesspiegel schreibt Mohamed Taha Sabri, der Verein habe „keinerlei Kontakte oder Verbindungen“ zur Muslimbruderschaft. Bei der Muslimbruderschaft handelt es sich um die älteste islamistische Vereinigung der arabischen Welt, angestrebt wird ein Gottesstaat. Aus der Bruderschaft ist unter anderem die palästinensische Terrorbewegung Hamas hervorgegangen. Sie bekämpft Israel mit Raketen und Selbstmordanschlägen.

Der Berliner Verfassungsschutz bescheinigt in seinen Jahresberichten der Dar-as-Salam-Moschee, die sich auch „Neuköllner Begegnungsstätte“ nennt, Verbindungen zur extremistischen „Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD)“. Sie ist laut Verfassungsschutz die mitgliederstärkste Organisation von Anhängern der Muslimbruderschaft in der Bundesrepublik. Sabris Behauptung steht zudem im Widerspruch zu Äußerungen von Neuköllns Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD), die ansonsten ihre Besuche in der Moschee verteidigt und dafür, wie berichtet, öffentlich kritisiert wird.

Giffey: Jede arabische Moschee hat Verbindungen zur Muslimbruderschaft

Ihr sei „sehr wohl bewusst“, dass die Neuköllner Begegnungsstätte Mitglied der IGD sei, „dem Verband der Muslimbruderschaft in Deutschland“, schrieb Giffey kürzlich bei Facebook. Sie glaubt sogar, „nahezu jede arabische Moschee in Berlin“ habe Verbindungen zur Muslimbruderschaft. Die Bürgermeisterin hält es deshalb für nötig, „auch in diesen Moscheen über Demokratie, Gleichberechtigung und Rechtsstaatlichkeit zu sprechen“. Reiße der Gesprächsfaden ab, „wird es gefährlich“, warnt Giffey.

Sie verweist darauf, dass die Dar-as-Salam-Moschee „von tausenden Menschen“ besucht werde, „auch von vielen Flüchtlingen“. Auch darin sieht der Verfassungsschutz ein Problem. In Ergänzung zu den Jahresberichten nennt die Behörde die Moschee in einer Broschüre, in der vor der Einflussnahme von Islamisten auf Flüchtlinge gewarnt wird.

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Der Imam schreibt in seiner Mail an den Tagesspiegel, die Neuköllner Begegnungsstätte werde vom Verfassungsschutz nicht beobachtet, sondern nur „im VS-Bericht erwähnt“. Mit VS-Bericht sind offenbar die Jahresberichte 2014 und 2015 gemeint. Für Sabri besteht zwischen der Erwähnung im Bericht und der Beobachtung durch den Verfassungsschutz „ein großer Unterschied“. Allerdings ist klar: Ohne extremistische Verbindungen der Moschee zu beobachten, könnte der Nachrichtendienst nichts über sie in den Berichten schreiben. Der Verfassungsschutz hält zudem auch für 2016 an seiner Bewertung der Moschee fest. Sabri hat sich auch bislang an kein Verwaltungsgericht gewandt.

Moschee stehe „für ein respektvolles Miteinander“

In seinen Antworten betont der Imam, die Moschee stehe „für ein respektvolles Miteinander“ und sei bekannt dafür, „sich sehr stark gegen radikale und extremistische Ideologien“ zu stellen. Er selbst, sagt Sabri, erhalte deshalb Morddrohungen und sei auf der Straße niedergeschlagen worden. Auch Bezirksbürgermeisterin Giffey sagt, der Imam wende sich gegen Radikalisierung und sei 2015 vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) mit Berlins Verdienstorden ausgezeichnet worden. Sicherheitskreise bewerten jedoch die Moschee als widersprüchlich und führen Belege auf.

Mehrmals seien in der Moschee islamistische Prediger aufgetreten, heißt es. Im November 2014 war es der aus Israel stammende und der Hamas nahestehende Araber Raed Fathi. In einem YouTube-Video hat er den Mentor des Al-Qaida-Gründers Osama bin Laden, Abdullah Azzam, als Helden gelobt. Ein Jahr zuvor predigte in der Dar-as-Salam-Moschee der saudische Islamist Muhammad al Arifi. Obwohl er wegen seiner Hetze nicht in die Staaten des Schengen-Raumes einreisen durfte, gelangte er nach Deutschland. In Berlin trat er in der Dar-as-Salam-Moschee und der salafistischen Al-Nur-Moschee auf. Al Arifi habe wiederholt zum bewaffneten Dschihad in Syrien aufgerufen, sagen Sicherheitsexperten. Der Islamist verdammt zudem Juden, Homosexuelle und Schiiten. Und er empfiehlt muslimischen Ehemännern, ihre Frauen mit Schlägen zu züchtigen.

Aussagen, „die wir nicht teilen"

In einer weiteren Mail an den Tagesspiegel, intoniert als „Gegendarstellung“, beschwert sich Imam Sabri, seine Antworten auf Fragen der Zeitung seien „in keiner Weise berücksichtigt“ worden. Sabri hatte auf die am Morgen des 12. Juli gestellten Fragen erst am Abend reagiert. Der Text des Tagesspiegels über extremistische Aktivitäten in der Dar-as-Salam-Moschee war bereits im Druck. Sabri kritisiert zudem, dass im Tagesspiegel stand, die Hinweise auf extremistische Aktivitäten würden sich verdichten. In dem Text würden aber nur zwei Gastredner aufgeführt. Namen nennt Sabri nicht, gemeint sind offenbar Fathi und al Arifi. Die Gastredner von 2013 und 2014 würden, sagt Sabri, mit Aussagen in Verbindung gebracht, „die wir nicht teilen und die sie in unserer Moschee auch nicht zum Ausdruck brachten“.

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