Motorradstaffel : Die Polizei sattelt um

Für die Berliner Motorradstaffel wurden jetzt Moto-Guzzi-Maschinen in Italien bestellt Bislang fuhr sie BMW aus dem hiesigen Werk – aber die sind mittlerweile offenbar zu teuer.

Sabine Beikler
Motorradbullen
Die Berliner Polizei wird ausländische Staatsgäste in Zukunft wohl nicht mehr ausschließlich auf BMW-Maschinen geleiten. -Foto: ddp

Der Berliner BMW-Motorradchef Hendrik von Kuehnheim findet Motorradfahren „sehr sexy“, wie er dem Tagesspiegel vor zwei Wochen sagte. Überhaupt nicht sexy dürfte für von Kuenheim dagegen die Nachricht gewesen sein, dass die Berliner Polizei künftig keine BMW-Motorräder mehr für ihre Staffel kaufen will. Nach einer internationalen Ausschreibung hat sich die Polizei für die italienische Motorradmarke Moto Guzzi entschieden. Die ersten 35 Motorräder sollen künftig in Italien für Berlin produziert werden. „Die Firma Piaggio mit dem Fahrzeugtyp Moto Guzzi Norge 850 hat die europaweite Ausschreibung von 35 Krädern mit dem wirtschaftlichsten Angebot für sich entschieden“, teilte die Polizei gestern auf Anfrage mit.

Im BMW-Werk Berlin mit rund 2100 Mitarbeitern hat man diese Entscheidung mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Die Polizei wollte aus vergaberechtlichen Gründen keine Angaben zu den Kosten machen. Das BMW-Angebot für die Motorräder hatte nach Tagesspiegel-Informationen aber einen Umfang von etwa 600 000 Euro: Das wären etwa 17 200 Euro pro umgerüstetes Polizei-Krad. BMW wollte sein Modell R 1200 RT liefern. Das Angebot von Moto Guzzi für das 850er-Modell soll dem Vernehmen nach 150 000 Euro darunter gelegen haben.

Die neuen Motorräder vom Typ Norge 850 sollen offenbar nicht oder nicht alle für die Motorradeskorte verwendet werden. Die Polizei hat in Berlin rund 2220 Einsatzfahrzeuge (Stand Oktober 2007). Darunter sind 154 Motorräder, bislang ausschließlich BMW-Modelle, die zu Verkehrslenkungsmaßnahmen und für Eskorten bei Staatsbesuchen eingesetzt werden. Mitte der neunziger Jahre hatte die Polizei noch mehr als 4000 Fahrzeuge: vom Kurierwagen bis zum Wasserwerfer.

Dass BMW bei der Ausschreibung nicht zum Zuge gekommen ist, ist angesichts der aktuellen Flaute auf dem Automobilmarkt für das seit 1939 in Spandau angesiedelte Werk ein herber Schlag. Der FDP-Innenpolitiker Björn Jotzo sagte, er sehe aber keinen Grund, sich gegen das Ergebnis der Ausschreibung zu stellen. Eine „gute Standortpolitik“ könne man nicht über das Wettbewerbsrecht oder über Ausschreibungsverfahren umsetzen.

Die Grünen-Wirtschaftspolitikerin Lisa Paus sagte, es müsse ein „grundsätzliches Interesse an der Unterstützung der heimischen Wirtschaft“ geben. Paus will im Wirtschaftsausschuss prüfen, ob „aktiv gegen BMW die Ausschreibung gestaltet wurde“.

BMW wiederum ist um Schadensbegrenzung bemüht und verlässt sich auf ihr technisches Know how. „Wir kennen aus der Vergangenheit Einzelfälle, in denen sich Behörden aus Kostengründen gegen uns entschieden haben. Es hat sich dann aber gezeigt, dass sich BMW-Produkte im Alltagsbetrieb besser bewähren können“, sagte Sprecherin Dörte Einicke. Man wolle sich bei künftigen Ausschreibungen „sehr bemühen, damit die Berliner Motorrad-Polizei wieder adäquat motorisiert ist“.

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