Multiresistente Erreger : Gefährliche Keime in Krankenhäusern gefunden

Zehn Fälle sind in Berlin seit Beginn der Meldepflicht im Juli 2011 angezeigt worden. Darunter war auch der Erreger, an dem Säuglinge in Bremen starben.

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Multiresistente Keime können vor allem Säuglingen und Senioren gefährlich werden.
Multiresistente Keime können vor allem Säuglingen und Senioren gefährlich werden.Foto: dpa

In den vergangenen Monaten sind in Berlin zehn Mal gefährliche Krankenhauskeime festgestellt worden. Das geht aus einer Antwort der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales auf eine Anfrage des Abgeordneten Heiko Thomas (Grüne) hervor. In dem Schreiben heißt es: „Es war ein Ausbruch unter den gemeldeten Vorfällen, bei dem es sich um einen Keim handelte, der dem nach gegenwärtigem Kenntnisstand bei den Zwischenfällen im Klinikum Bremen-Mitte nachgewiesenen Keim vergleichbar war.“ Im Februar waren in jenem Bremer Krankenhaus drei Säuglinge durch Infektionen mit einem Darmkeim gestorben. Dies hatte eine Debatte um Hygiene in deutschen Kliniken ausgelöst.

In den zehn registrierten Fällen waren jeweils bis zu acht Patienten betroffen. Seit Juli 2011 besteht die Pflicht, solche Ausbrüche zentral zu melden. Um welche Kliniken es sich handelte, war nicht in Erfahrung zu bringen. Die dafür zuständigen Bezirke übermittelten die Daten gemäß Infektionsschutzgesetz anonymisiert an das Landesamt für Gesundheit und Soziales, wie eine Sprecherin von Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) mitteilte. Schon vor den Todesfällen in Bremen hatten Mediziner vor eingeschleppten Mikroorganismen in Kliniken gewarnt. In Deutschland würden sich – anders als etwa in den Niederlanden, wo andere Hygienestandards gelten – vielerorts eingeschleppte Erreger zu MRSA (multiresistente Staphylococcus aureus) entwickeln. Solche Mikroben überleben Antibiotika und gefährden gerade Kleinkinder und Senioren.

Laut Infektionsschutzgesetz müssen die Amtsärzte regelmäßig Kliniken begehen und bei krankenhaushygienischen Problemen und der Anordnung von Maßnahmen helfen. Im Oktober gibt es deshalb den Aktionstag „Saubere Hände“. An diesem Tag sollen Klinikmanager, Ärzte, Schwestern und Pfleger auf penible Sauberkeit aufmerksam gemacht werden. Der Grünen-Gesundheitsexperte Thomas fordert, die Hygienebeauftragten in den Kliniken durchgehend für ihre Aufgabe freizustellen, um sich Vollzeit mit dem Problem zu befassen.

Die großen Kliniken der Stadt erklärten, in ihren Häusern würden alle Vorschriften penibel beachtet. So arbeiten in allen Krankenhäusern der Schwesternschaft des Deutschen Roten Kreuzes eigenen Angaben zufolge Ärzte zur Hygienevorsorge. Die Charité verfügt über ein eigenes Institut für Hygiene und Umweltmedizin mit insgesamt sechs Ärzten. Außerdem gebe es in der auf drei Standorte aufgeteilten Universitätsklinik 14 Fachärzte mit entsprechender Weisungsbefugnis, teilte das Krankenhaus mit.

Kürzlich hatte die Gesellschaft für Krankenhaushygiene erklärt, in Berlin gebe es jedes Jahr 36 000 vermeidbare Infektionen mit Klinikkeimen, 2300 davon könnten die Ursache für Todesfälle sein. Die Kassenärztliche Vereinigung, die für alle Praxen zuständig ist, beobachtet ein gehäuftes Auftreten von MRSA-Bakterien. Patienten, die nach einem Klinikaufenthalt erneut Beschwerden haben, wenden sich zunächst oft an ihre Hausärzte.

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