• MUSEUMSGESCHICHTE: Rollen, fliegen, schwimmen GRUBENBAHN DAMPFSCHLEPPER TURMWINDMÜHLE LUFTFAHRZEUGE STROM-SEIFENKISTE COMPUTER Z 1 RADEBERGER REMBRANDT PFERDETREPPE ANHALTER BAHNHOF Auch in den Depots lagern viele Schätze

MUSEUMSGESCHICHTE : Rollen, fliegen, schwimmen GRUBENBAHN DAMPFSCHLEPPER TURMWINDMÜHLE LUFTFAHRZEUGE STROM-SEIFENKISTE COMPUTER Z 1 RADEBERGER REMBRANDT PFERDETREPPE ANHALTER BAHNHOF Auch in den Depots lagern viele Schätze

Vor 30 Jahren wurde in Kreuzberg das Museum für Technik eröffnet. Das wird an diesem Sonntag gefeiert. Die spannendsten Exponate stellen wir hier vor.

Auf dem Holzweg: Die älteste Bahn ist eine Holzkonstruktion. Der Wagen und das Gleis stammen aus dem 16. Jahrhundert. Sie wurden 1889 „dem Betriebe einer ungarischen Goldgrube (Apostelgrube Brad-Siebenbürgen) entnommen“, wie es auf dem alten Hinweisschild heißt. Für Schienen und Schwellen nahm man Rundhölzer, die Holzräder des Wagens wurden aus einem Stück gefertigt. Die Holzbahn steht auch im Museum am Anfang der Eisenbahnabteilung, die in zwei wiederaufgebauten Lokomotivschuppen des früheren Anhalter Bahnhofs zu sehen ist. Die Sammlung ist chronologisch geordnet; Besucher können auf eine Zeitreise durch die Geschichte der Eisenbahn gehen.

Auf dem Trockenen. Da gibt’s was zu sehen: Auf drei Etagen mit insgesamt 6600 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden etwa 1100 Exponate zur Geschichte der Hochsee- und Binnenschifffahrt präsentiert – eine der weltweit größten Ausstellungen zu diesem Thema. Wer der Star ist, lässt sich schwer sagen. „Kurt-Heinz“ gehört sicher zu den Favoriten. Der Dampfschlepper war von 1901 bis 1997 unterwegs. Am heutigen Festsonntag können Besucher sogar seinen Maschinenraum besichtigen, was sonst nicht möglich ist. Fahren wird der Dampfer aber nie mehr.

Leichter mahlen: Auf dem Freigelände hat das Museum mehrere Windmühlen wieder aufgebaut; die einst woanders standen. Auch in Berlin drehten sich früher die Flügel zahlreicher Windmühlen. Diese Turmwindmühle (Baujahr 1911) stammt allerdings aus Ostfriesland. Sie stellte 1960 den Betrieb ein und kam 1985 zum Museum. Dieser Typ war seit dem 17. Jahrhundert in Mitteleuropa weit verbreitet. Diese Mühlen waren leistungsfähiger und einfacher zu bedienen als die kleineren Bockwindmühlen, von denen ebenfalls ein Exemplar im Museum steht.

Nur fliegen ist schöner: Wie es sich gehört, befindet sich die Luft- und Raumfahrtabteilung in den beiden oberen Etagen des Neubaus, an dessen Fassade außen der „Rosinenbomber“ schwebt. Rund 40 Originale sind zu sehen – die Palette reicht von den ersten Ballonfahrten bis in die 50er Jahre. Auch Militärflugzeuge sind zu sehen. Maschinen wie die Bücker Bü 181, ein Sport- und Übungsflugzeug, und der Schulgleiter SG 38 gehören zu den Klassikern der Luftfahrtgeschichte.

Elektrisch unterwegs. Was heute als modern und umweltfreundlich gepriesen wird, ist ein alter Hut. Schon 1919 entstand in den Räumen einer Charlottenburger Farbenfabrik ein Elektrowagen aus Holz. Vor allem in Japan war er vorübergehend ein Renner; knapp tausend Rikschas wurden durch das urige Gefährt aus Berlin ersetzt. Die Erfinder gingen allerdings 1924 pleite. Die elektrische Seifenkiste gehört zur Abteilung Straßenverkehr, die in der ehemaligen Ladestraße des Anhalter Güterbahnhofs untergebracht ist. Früher wurden hier Güter zwischen Bahn und Fuhrwerken umgeladen.

Null, eins, eins, null – heute steckt man ein Smartphone einfach in die Tasche, klein und leicht wie es ist. Der erste Rechner, der mit binären Zahlen arbeitete, war dagegen ein gewaltiges Ding, entwickelt 1938 von dem Bauingenieur Konrad Zuse und deshalb Z 1 genannt. Zuse waren die statistischen Berechnungen im Bauingenieurwesen zu monoton und mühselig, deshalb wollte er sie automatisieren. Das Rechenprogramm war in einen Lochstreifen gestanzt. Richtig funktioniert hat die Z 1 aber nie. Das Museum hat sie trotzdem nachbauen lassen.

Hören und sehen: In den 50er Jahren baute das Sachsenwerk Radeberg die ersten DDR-Fernseher. Das Urmodell wurde nicht nach Stalin oder Ulbricht benannt, sondern hieß „Rembrandt“. Die Geräte liefen oft jahrzehntelang, Ersatz war teuer. In Nachbarschaft der leichter zu findenden Zuse-Ausstellung über den Erfinder des ersten Computers zeigt das Museum etwas versteckt die Entwicklung der Rundfunk- und Fernsehtechnik. Größtes Exponat ist der erste Mittelwellensender des RIAS von 1948. Auch ein Nachbau der ersten elektronischen Fernsehanlage der Welt, die Manfred von Ardenne 1931 präsentierte, ist zu sehen. Weltweit einzigartig ist das noch funktionsfähige Schwarzweiß-Fernsehstudio von 1958.

Treppen für Pferde: Wo heute die Besucher unterwegs sind, wenn sie die Tür zum Treppenhaus gefunden haben, kletterten früher Pferde zu den Ställen in den oberen Stockwerken. Da der Platz ebenerdig knapp und teuer war, legte die Markt- und Kühlhallengesellschaft von Carl Linde im 1908 errichteten Wohn-, Fabrik-, Pferdestall- und Verwaltungsgebäude die Ställe in der ersten und zweiten Etage an, die damals in Wohngebäuden die Beletagen waren. In das alte Gebäude war das Museum 1983 mit seinen ersten Ausstellungen eingezogen. In der Ausstellung zur Papiertechnik kann man den ehemaligen Stall mit den Trögen und Halteringen für die Pferde noch heute erkennen.

Auferstanden auf der Platte: Der Anhalter Bahnhof ist bereits Ende der 50er Jahren abgerissen worden; nur das Eingangsportal steht noch an seinem Platz. Die letzten Züge waren schon 1952 gefahren. Im Museum geht der Betrieb jedoch weiter. Der Arbeitskreis Modelleisenbahn der „Freunde und Förderer des Deutschen Technikmuseums Berlin“ baut das Vorbild fast originalgetreu im Maßstab 1 : 87 wieder auf. Am Sonntag ist Fahrtag, dann sind auf der kleinen Bahn Züge wie einst unterwegs. Fahrtage sind sonst meist sonnabends. Neben der Modellanlage in der Eisenbahnabteilung wird es am Sonntag auch eine Spielbahn für die kleinen Besucher geben.

Das Deutsche Technikmuseum Berlin wurde 1982 als Museum für Verkehr und Technik gegründet. Ende 1983 eröffnete es seine ersten Räume im Gebäude der ehemaligen Markt- und Kühlhallengesellschaft an der Trebbiner Straße in Kreuzberg. Die erste Erweiterung fand 1987/88 mit dem Wiederaufbau der Lokomotivschuppen statt, der neuen Heimat der Eisenbahn-Abteilung. 2001 war der Neubau für die Luftfahrtsammlung und die Schifffahrt fertig.

Seit 2011 ist in einem der Schuppen der ehemaligen Ladestraße der Straßenverkehr beheimatet. Allerdings nur ein kleiner Teil der umfangreichen Sammlung. Nach wie vor lagern viele Schätze des gesamten Museums in unzugänglichen Depots.

Die umfangreiche Sammlung des kommunalen Nahverkehrs zeigt das Museum im September wieder an jedem Sonntag. Dann ist – dank ehrenamtlicher Helfer – auch die sonst geschlossene Halle an der Monumentenstraße geöffnet.

Sonst hat das Museum an der Trebbiner Straße 9 dienstags bis freitags von 9 Uhr bis 17.30 Uhr geöffnet, am Wochenende und an Feiertagen von 10 Uhr bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet 6 Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Zudem gibt es Familienkarten. kt

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