Berlin : Mythen und Riten: Die Brautkrone

Holger Müller-Hillebrand

Als einzige traditionelle Kopfbedeckung, die die Braut am Tag der Trauung zu tragen hat, hat sich bis heute der Schleier behauptet. Die Braut- oder Hochzeitskrone dagegen ist mittlerweile ganz und gar ungebräuchlich. Dabei stellt sie das im Vergleich zu Schleier und Kranz mit Abstand älteste Schmuckstück für das weibliche Haupt dar, mit der die Braut nicht nur ihre "Reinheit", sondern oft auch den sozialen Status ihrer Familie anzeigte. Insbesondere in bäuerlichen Kreisen galt diese Kopfbedeckung als sehr beliebt.

Aussehen und Größe der Krone war dabei je nach Region sehr unterschiedlich. Anfangs wurde sie mit Blüten, Kräutern, reifen Früchten und auch Tannenzweigen geschmückt. In einigen Gegenden trug sie die Braut bis nach dem Kirchgang, dann wurde die Krone als Zeichen des Friedens - ähnlich den grünen Ranken in den früheren Ratssälen - über den Hochzeitstisch gehängt. Zu späterer Zeit verwandelte sich die Brautkrone dann in einen Kopfputz aus künstlichen, aber auch kostbareren Materialien wie Perlen, Spiegel, Silber und sogar Gold. Solch einen wertvollen Kopfschmuck konnten sich nur wohlhabende Familien leisten. Doch auch diejenigen, die nicht über so viel Geld verfügten, konnten sich helfen - und sich eine Juwelen-Krone borgen. Oft war dies in der Kirche oder im Rathaus möglich. Nicht selten aber unterstützten sich Nachbarn oder befreundete Familien auch untereinander. Als Dank hatte die Braut meist eine Gegenleistung in Naturalien zu erbringen - in Form eines Stücks vom Hochzeitskuchen.

In weiten Teilen Deutschlands wurde die Brautkrone im Zuge des 18. Jahrhunderts nach und nach vom Brautkranz abgelöst. In Berlin, so erzählt man sich, wechselte die Mode erst um 1821 - möglicherweise als Folge der Uraufführung der Oper "Freischütz" von Carl Maria von Weber, in der das Lied gesungen wurde: "Wir winden dir den Jungfernkranz ..."

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