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Nach der Bluttat von Buckow : In die Trauer mischt sich Angst

Noch immer hat die Polizei keine Spur des Todesschützen von Neukölln. Sie geht jetzt in Buckow von Haus zu Haus. Viele Türken sind in Sorge, ein Neonazi könnte blind auf Burak B. gefeuert haben. Laut Zeugen soll der Täter 40 bis 60 Jahre alt sein.

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Auch mehr als sechs Wochen nach der Bluttat in Neukölln erinnern Plakate in der Rudower Straße an den getöteten Burak B., 22.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Isabelle Buckow
22.05.2012 11:49Auch mehr als sechs Wochen nach der Bluttat in Neukölln erinnern Plakate in der Rudower Straße an den getöteten Burak B., 22.

„Mein Vater und der Vater von Burak sind Arbeitskollegen“, sagt die junge Frau und blickt auf das täglich wachsende Blumenmeer am Tatort an der Rudower Straße gegenüber dem Klinikum Neukölln. „Buraks Vater ist total kaputt.“ Am Donnerstag vergangener Woche wurde sein 22-jähriger Sohn aus nächster Nähe erschossen, zwei Freunde des Neuköllners wurden schwer verletzt. Der Täter rannte in den Möwenweg nahe dem Krankenhaus. Noch immer gibt es keinerlei Spur. Aber neue Erkenntnisse zum Alter des Täters. Laut Zeugenaussagen soll es sich um einen 40 bis 60 Jahre alten Mann handeln.

Am Ostermontag klingelten mit Schutzwesten ausgerüstete Bereitschaftspolizisten in Absprache mit der Mordkommission an den Türen in der Buckower Einfamilienhausgegend, deren Straßen so idyllische Namen tragen wie Laubsängerweg und Trappenpfad.

"Für eine gerechte Strafe!!"

Doch inmitten dieser Südneuköllner Wohngegend ereignete sich in der Nacht zu Donnerstag die brutale Attacke. „Ich habe das Gefühl, die Abstände zwischen solchen furchtbaren Vorfällen werden immer kürzer“, sagt eine Deutschtürkin mit Kopftuch, die einen Kinderwagen an den Kerzen und Blutflecken auf dem Trottoir vorbeischiebt. „1 Mord + 4x versuchter Mord – Findet den Mörder“, steht auf einem Plakat. „Für eine gerechte Strafe!!“ hat ein Jugendlicher in Großbuchstaben geschrieben. Einer bietet auf einem Zettel mit seinen Kontaktdaten Mithilfe bei der Tätersuche an. „Hört auf, gegen die Türken zu hetzen“, steht auf einem großen Plakat an einem Laternenmast.

Ein Türke sagt, er und seine Kinder fühlten sich nicht mehr sicher

Viele Passanten äußern ihre Meinung zu der Tragödie. „Hinter dieser brutalen Tat steckt eine Ideologie“, vermutet die Frau mit dem Kopftuch. Ein Mann, in der Türkei geboren und deutscher Staatsbürger, sagt: „Ich fühle mich nicht mehr sicher, unsere Kinder fühlen sich nicht mehr sicher.“ Doch wissen die Ermittler noch nichts oder geben zumindest nichts dazu bekannt, ob es sich bei den Todesschüssen in den Oberkörper nachts um 1.15 Uhr, als die Gruppe der fünf jungen Leute herumalberte, um die Tat eines Neonazis oder eines Psychopathen gehandelt hat.

Ein Krankenwagen-Team im Einsatz hatte die Verletzten am Boden bemerkt
Alle Opfer haben einen Migrationshintergrund. Einen Streit soll es zuvor nicht gegeben haben. Als Erstes sah die Besatzung eines Rettungswagens die Verletzten auf dem Boden liegen und alarmierte die Feuerwehr. Vier Tage nach der Tat gibt es laut Polizei 25 Hinweise aus der Bevölkerung, allerdings nicht eine erfolgversprechende Spur. Der Zustand der zwei 16 und 17 Jahre alten Jugendlichen, die lebensgefährlich verletzt wurden, ist inzwischen stabil. Zwei Männer im Alter von 20 und 21 Jahren blieben unverletzt.

Die Polizei sucht dringend Zeugen
Bei dem Schützen soll es sich um einen etwa 1,80 Meter großen Mann handeln, der eine Kapuzenjacke mit Reißverschluss trug. Hinweise nimmt die 6. Mordkommission des Landeskriminalamtes unter der Telefonnummer 4664 911601 entgegen.

Einer jener Menschen, die am Montag an dem Gedenkort für Burak B. stehen, ist ein 90-jähriger Mann. „Ich komme da nicht mehr mit“, sagt er. „Es gibt Banditen bei den Türken und Banditen bei den Deutschen. Man sollte alle Waffen verbieten.“

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