• Nach Einflussnahme durch Platzeck-Sprecher: RBB Intendantin Reim stellt sich hinter Chefredakteur

Nach Einflussnahme durch Platzeck-Sprecher : RBB Intendantin Reim stellt sich hinter Chefredakteur

Der RBB kämpft gegen sich selbst. Nachdem die Redaktionen des Senders Chefredakteur Singelnstein zuletzt öffentlich gerügt hatte, nahm die Intendantin ihn nun in Schutz.

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In Brandenburgs Landtag legten CDU und FDP am Mittwoch Braune und RBB-Chefredakteur Christoph Singelnstein einen Amtsverzicht nahe.
In Brandenburgs Landtag legten CDU und FDP am Mittwoch Braune und RBB-Chefredakteur Christoph Singelnstein einen Amtsverzicht...Foto: picture alliance / dpa

Die Vorwürfe einer versuchten Einflussnahme von Brandenburgs Regierungssprecher Thomas Braune auf das RBB-Fernsehen ziehen weitere Kreise – in der Politik und der ARD-Anstalt selbst. In Brandenburgs Landtag legten CDU und FDP am Mittwoch Braune und RBB-Chefredakteur Christoph Singelnstein einen Amtsverzicht nahe. Im RBB hat sich Intendantin Dagmar Reim eingeschaltet. In einem Brief an den Rundfunkrat stellte sich Reim hinter Singelnstein – und damit gegen die betroffenen RBB-Journalisten.

Singelnstein steht auch senderintern in der Kritik, weil er im Mai 2012 nach einem Anruf Braunes aus einem Beitrag zum BER-Debakel eine Passage herausschneiden ließ, in der Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) unwirsch Fragen zum Flughafen nicht beantworten wollte. In der Hauptsendung „Brandenburg aktuell“ lief der Film ohne die Sequenz. „Wichtig für uns ist: Der Chefredakteur hat (…) aus journalistischen Gründen eine Änderung des Beitrages erwirkt“, schreibt Reim. „Ein unangekündigtes, fast überfallartig inszeniertes Interview mit dem Ministerpräsidenten war in seinen Augen zu diesem Zeitpunkt unangemessen und unnötig.“ Es sei aber „unredlich wie falsch“, aus dem Vorfall eine Gefährdung der journalistischen Unabhängigkeit des RBB abzuleiten. Gegen die Darstellung Singelnsteins, die Reim im Brief vom 11.März übernahm, hat sich am 12.März der RBB-Redakteursausschuss entschieden verwahrt. Nach dessen Erklärung hatte Singelnstein bei einer Aussprache zum Vorfall damals selbst eingeräumt, einen Fehler gemacht zu haben. „In Verantwortung stehende Politiker auf aktuelle Fragen anzusprechen gehört zum journalistischen Handwerk, auch ohne Vorwarnung.“ Von einem Verstoß gegen den Pressekodex, den Braune reklamiert, könne keine Rede sein.

Im Landtag verteidigte Staatskanzleichef Albrecht Gerber den Regierungssprecher. Der habe sich über einen gesendeten Beitrag beschwert, was legitim sei, aber nichts verlangt. Der Umgang damit, so Gerber, sei Angelegenheit des RBB. Singelnstein hat indes angekündigt, auf den RBB-Redakteursausschuss zuzugehen. Dessen Forderung, dass sich ein Chefredakteur vor seine Mitarbeiter zu stellen habe, sei eine Selbstverständlichkeit. „Für mich nehme ich in Anspruch, ihr auch zu genügen“, sagte er dem Tagesspiegel.

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