Nach mutmaßlichem Mord : Claus-Brunners Bruder erzählt von rechtsradikaler Erziehung

Dietwald Claus, Bruder von Gerwald Claus-Brunner, spricht in einem Interview von einer hochproblematischen Kindheit der Geschwister. Der Pirat habe bereits früher oft die Kontrolle verloren.

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Gerwald Claus-Brunner soll einen Mann getötet und sich anschließend das Leben genommen haben.
Gerwald Claus-Brunner soll einen Mann getötet und sich anschließend das Leben genommen haben.Foto: imago/Christian Ditsch

Eine Woche nachdem der Fall Claus-Brunner publik wurde, hat sich sein Bruder Dietwald Claus öffentlich geäußert. In einem Interview mit dem Magazin "Stern", das am morgigen Donnerstag erscheint, spricht der Bruder des Piratenabgeordneten einer Vorabmeldung zufolge von einer "hochproblematischen Kindheit der Geschwister".

Die Eltern seien Anhänger der völkischen und rechtsextremen "Ludendorffer"-Gemeinschaft, die Kinder hätten unter der rechtsradikalen Erziehung ihrer Eltern gelitten. Schon früh sei sein älterer Bruder gewalttätig aufgefallen, zitiert der "Stern" Dietwald Claus: "Gerwald wurde jähzornig, impulsiv, er verlor einfach die Kontrolle." In der Schule habe er Türen eingetreten und Tiere auf dem Hof der Eltern gequält; als er als Teenager von einem Mädchen abgewiesen wurde, habe er Steine an deren Hauswand geworfen.

Auch während seiner Zeit bei der Bundeswehr sei es zu einem Vorfall mit einem Vorgesetzten gekommen, in den Claus-Brunner sich verliebt hatte. Nach Aussage des Bruders sei Claus-Brunner deshalb "unehrenhaft aus der Armee entlassen worden". Bei der Bundeswehr erklärte man auf Tagesspiegel-Anfrage, "grundsätzlich zu konkreten Personalangelegenheiten aus Gründen des Schutzes der Persönlichkeitsrechte keine Stellung" zu nehmen.

"Stalking-Opfer besser schützen"

Die Entscheidung, öffentlich über seinen Bruder zu sprechen, habe er "aus tiefer Überzeugung getroffen", schreibt der "Stern" und zitiert: "Ich will, dass diese Geschichte dazu beiträgt, dass Stalking-Opfer in Deutschland besser geschützt werden."

Beate Köhler, Koordinatorin der Stalkingberatung des Frauenberatungszentrums Frieda, appelliert zum Schutz der Opfer an das persönliche Umfeld. Wer mitbekomme, dass jemand gestalkt wird oder selbst stalkt, solle Opfer oder Täter direkt konfrontieren. "Auch als einzelner Mensch kann man sagen: Halt! Stopp! Was du machst grenzt an Stalking, das ist eine Straftat." Wenn dies nicht helfe, solle man sich an eine Beratungsstelle oder die Polizei wenden. Ihrer Erfahrung nach werden Anzeigen von Stalking-Opfern bei der Polizei schneller bearbeitet als früher. "Wir arbeiten daran, noch mehr zu sensibilisieren", sagte sie.

Stalker aus unauffälligen Elternhäusern

In den Details zu Claus-Brunners Biographie sieht Köhler kein Muster: „Das als typisch für Stalker einzustufen ist zu einfach“, sagt sie. Stalking habe viele Facetten, Stalker kämen auch aus unauffälligen Elternhäusern.

Am Montag vergangener Woche waren die Leichen von Gerwald Claus-Brunner und seinem mutmaßlichen Opfer Jan L. in der Wohnung des Piraten in Steglitz gefunden worden. Jan L. soll vermutlich am Donnerstagabend in seiner Weddinger Wohnung getötet worden sein. Am Freitag soll sich dann Claus-Brunner das Leben genommen haben.

Wie und wieso Claus-Brunner die Leiche des Mannes in seine Steglitzer Wohnung brachte, bleibt unklar. Der 29-Jährige soll von dem Abgeordneten gestalkt worden sein. Laut Polizei hatte Jan L. am 27. Juni deswegen Anzeige erstattet.

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