Nach Räumung der Eisfabrik : Obdachlose Bulgaren kommen bei Verdi unter

„Es soll eine symbolische Nacht sein, um damit ein Zeichen an die Politik zu senden“, sagte Verdi-Sprecher Jan Jurczyk. Die 23 Bulgaren aus der geräumten Eisfabrik haben in der Nacht zum Freitag in der Bundeszentrale der Gewerkschaft Verdi übernachtet. Nun stehen sie erneut vor dem Problem: Wo sollen wir übernachten?

Eva Riedmann
Mit einem Transparent mit der Aufschrift "Eisfabrikbewohner_innen wollen Wohnungen und keine Räumung" demonstrierten die Bulgaren der geräumten Eisfabrik am Donnerstag vor der Bundeszentrale der Gewerkschaft Verdi.
Mit einem Transparent mit der Aufschrift "Eisfabrikbewohner_innen wollen Wohnungen und keine Räumung" demonstrierten die Bulgaren...Foto: dpa

Zumindest für eine weitere Nacht haben die 23 Bulgaren aus der geräumten Eisfabrik eine Unterkunft gefunden. Sie sollten von Donnerstagabend bis Freitag früh in der Bundeszentrale der Gewerkschaft Verdi übernachten. Die Zentrale liegt direkt neben ihrem früheren Zuhause. „Es soll eine symbolische Nacht sein, um damit ein Zeichen an die Politik zu senden“, sagte Verdi-Sprecher Jan Jurczyk am frühen Donnerstagabend. Schließlich sei es die Aufgabe der Politik, eine angemessene Unterkunft für die durch Berlin ziehenden Bulgaren bereitzustellen.

Bereits am Donnerstagvormittag hatten die Obdachlosen Zuflucht bei Verdi gesucht. Mit einem Banner mit der Aufschrift „Eisfabrik Bewohner wollen Wohnungen und keine Räumung“ zogen sie in das Foyer der Zentrale ein. Nachdem die Gewerkschaft den ehemaligen Nachbarn ein warmes Mittagsessen spendiert hatte, wurde eine gemeinsame Pressekonferenz abgehalten. Dabei forderten die Betroffenen vor allem Wohnraum. „Ohne einen festen Wohnsitz bekommen wir keine Arbeit“, sagte einer der Bulgaren, „Wo sollen wir duschen, bevor wir zu Arbeit gehen?“ Außerdem sei ihnen nach getaner Arbeit auf diversen Baustellen in Berlin kein Lohn gezahlt worden. Verdi-Vertreter Roland Tremper sicherte den Bulgaren Hilfe zu, wenn es um Ausbeutung von Arbeitsmigranten gehe.

Erst nach der Pressekonferenz entschied sich die Gewerkschaft, den Bulgaren eine Übernachtungsmöglichkeit anzubieten. Das Angebot galt allerdings nur für eine Nacht. „Obwohl die Betroffenen sehr dankbar sind – Euphorie herrscht bei ihnen keine“, sagte Sara Walther, Sprecherin des linken „Bündnisses gegen Zwangsräumung“. Am Freitagabend stehen die Menschen, die zehn Tage lang auf Bezirkskosten in Hostels übernachtet hatten, vor dem gleichen Problem: Wo sollen wir übernachten? Eva Riedmann