• Nachgefragt beim Psychologen: „Hinter den Spielplatz-Taten steckt vermutlich ein Loser“

Nachgefragt beim Psychologen : „Hinter den Spielplatz-Taten steckt vermutlich ein Loser“

Rasierklingen im Sandkasten, angesägte Spielgeräte - wer macht so etwas? Ein Gespräch mit Charité-Psychologin Isabella Heuser.

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Frau Professor Heuser, auf einem Spielplatz in Prenzlauer Berg sind erneut Rasierklingen im Sand gefunden worden. Es wurden auch schon Spielgeräte aus Holz angesägt. Der Täter sei wohl ein „Kinderhasser“, hieß es. Was für ein Mensch tut so etwas?

Davon mal abgesehen, dass es moralisch verwerflich ist, andere verletzen zu wollen, lässt eine solche Tat auch Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Täters zu. Er ist wahrscheinlich das, was man landläufig als Loser bezeichnet – also jemand, der in seinem Leben nicht das erreicht hat, was die meisten von uns schaffen, nämlich ein zufriedenstellendes Leben in Verbundenheit mit anderen Menschen.

Jeder ist mal frustriert oder genervt, aber dann greift man doch nicht gleich zu einem kriminellen Mittel.
Es steckt sicher eine massive Verbitterung hinter dieser Tat. Vielleicht richtet sie sich auch gar nicht gegen Kinder, sondern gegen junge glückliche Familien. Der Täter – es ist ziemlich sicher ein Mann, denn Frauen neigen nicht zu solchen hinterhältigen Taten – hat das Gefühl, ewig zu kurz gekommen zu sein im Leben. Sie kennen doch bestimmt auch den Typus Nachbar, der sich immer angegriffen fühlt.

Und der einem dann jede geringste Verfehlung vorhält.
Ja. So einer entwickelt ein paranoid-querulatorisches Persönlichkeitsbild. Er nimmt alles persönlich. Das sind allerdings keine glücklichen Menschen, auch keine angenehmen. Der Täter in diesem Spielplatz-Fall wird sicherlich kein zufriedener Familienvater sein.

Kann man so etwas eigentlich verhindern?
Nein. Man kann es nicht verhindern. Könnte man es, dann täte man es. Wir müssen eben auch mit dem Bösen, Unmoralischen und Ungerechten in dieser Welt klarkommen.

Wie wird man glücklich?
Zufrieden wird man unter anderem dadurch, dass man sich mit anderen Menschen vertrauensvoll und unterstützend verbunden fühlt, also schlicht: nicht alleine ist.

Das Gespräch führte Fatina Keilani.

Isabella Heuser ist Hochschulprofessorin und Direktorin der Klinik und Hochschulambulanz für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité.

Prof. Dr. Isabella Heuser, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité
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