Nachnutzung : Flughafen Tegel: Eine Startbahn für grüne Industrie

Der Flughafen Tegel wird 2012 geschlossen. Anschließend sollen dort "Zukunftstechnologien" angesiedelt werden. Im Gespräch sind Firmen von Weltrang.

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Alles Öko. Das Architektenbüro gmp entwarf einst den Flughafen Tegel und wirbt nun für eine dortige „Stadt der Zukunft“, in der sich alles um erneuerbare Energien dreht. Dieser Entwurf des Architekturbüros gmp sieht eine enge Bebauung entlang der beiden Rollbahnen vor, der Tegeler Forst würde erweitert.Weitere Bilder anzeigen
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08.01.2012 15:25Alles Öko. Das Architektenbüro gmp entwarf einst den Flughafen Tegel und wirbt nun für eine dortige „Stadt der Zukunft“, in der...

Daimler, VW, SAP oder Siemens? Die Leuchttürme der deutschen Industrie könnten sich auf dem Flughafen Tegel nach dessen Schließung 2012 engagieren. Flughafen-Architekt Meinhard von Gerkan brachte zwei dieser Firmen als mögliche Interessenten in die Diskussion. Es habe bereits 2009 Kontakte zu Vertretern von Daimler und VW gegeben, sagte ein Sprecher des Architekten. Doch in den Unternehmenszentralen wird dementiert. Von solchen Gesprächen sei nichts bekannt, erklärten Sprecher von Daimler und VW dem Tagesspiegel.

Als wichtiges Themenfeld für Ansiedlungen auf dem Noch-Flughafen haben die Planer Elektromobilität im Visier. Neben den Autobauern engagiert sich auch der Industriekonzern Siemens in dieser Zukunftstechnologie. Seit einem Jahr läuft auf dem Siemens-Firmengelände in Berlin ein Pilotprojekt mit Elektro-Smarts als Firmenfahrzeuge. Siemens berät die Planer außerdem bei der Standortentwicklung. Konkrete Absichten gebe es allerdings zurzeit nicht, erklärte Siemens-Sprecherin Ilona Thede. „Wir haben selber keinen Flächenbedarf.“

Den haben andere, und zwar dringend. Die Beuth-Hochschule für Technik würde gerne in den Flughafen-Terminal einziehen. „Uns fehlen 17 000 Quadratmeter Nutzfläche“, sagte Beuth-Vizepräsident Karl-Heinz Strauch auf der 5. Standortkonferenz zur Nachnutzung von Tegel am Mittwochabend. Der Terminal in Tegel wäre die passende Erweiterung zum derzeitigen Standort an der Luxemburger Straße in Wedding. Wirtschafts-Staatssekretär Jens-Peter Heuer erklärte eine „universitäre Nutzung“ in Tegel für einen „absoluten Glücksfall“. Ob die Beuth-Hochschule der richtige „Ankermieter“ ist, ließ er aber offen. Der Senat will im Februar zunächst das „Standortprofil“ für die künftige Nutzung beschließen. Anschließend werde ein Marketingkonzept erarbeitet und entschieden, welche Firmen konkret angesprochen werden. Es gebe bereits „Interessensanzeigen“, sagte Heuer, ohne konkrete Namen zu nennen.

Flughafen-Architekt von Gerkan hat vier Szenarien für die Nutzung des Terminals erarbeitet: Firmenzentrale, Messestandort, Gründerzentrum und Hochschule. Jedes dieser Konzepte könne relativ schnell und kostengünstig realisiert werden. Auf dem derzeitigen Parkplatz im Zentrum des sechseckigen Gebäudes möchte von Gerkan einen Info-Pavillon errichten, der schon vor der Schließung des Flughafens für die Nachnutzung wirbt. Die Politik müsse schnell handeln, damit das Gebäude nicht leersteht und verkommt.

Der Senat präferiert einen „Forschungs- und Industriepark für Zukunftstechnologien“ in Tegel. Das Flughafen-Gelände könne das „industrielle Fundament“ der Stadt werden, sagte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge- Reyer. Damit ist die Vision einer „smart green City“ vom Tisch, einer ressourcenschonenden Modellstadt der Zukunft, wie von Gerkan sie vor zwei Jahren definiert hatte.

Der Flughafen Tegel soll langfristig so erfolgreich werden wie die Wissenschaftsstadt Adlershof. Dort arbeiten nach 15 Jahren Entwicklung rund 14 000 Menschen in 800 Unternehmen. Hinzu kommen knapp 7000 Studenten und 900 Mitarbeiter der naturwissenschaftlich-technischen Institute der Humboldt-Universität. In Adlershof wird jetzt der Wohnungsbau vorangetrieben. Geplant sind klimafreundliche Häuser und Stadtvillen mit „innovativem Energiekonzept“. Möglicherweise entsteht nun in Adlershof die clevere grüne City, die in Tegel verworfen wurde.

Die IHK sieht die Chance, mit Hilfe von Tegel das Defizit von Industriearbeitsplätzen in Berlin zu verringern. Um die nötigen „Abstandsflächen“ zu schaffen, sollte das Wohngebiet Cité Pasteur neben dem Flughafen in ein Gewerbegebiet umgewidmet werden. Zwischennutzungen für das Gelände seien wünschenswert, dürften sich aber nicht verfestigen, heißt es in einem Positionspapier. Keinesfalls möchte man einen Freizeitpark wie in Tempelhof.

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