Nachruf : Rechtsanwalt von Trott zu Solz gestorben

Anwälte führten das Wort im Streit um das Land im Osten: Alt-Eigentümer, die in der NS- oder der DDR-Zeit enteignet wurden, wollten nach der Wende ihre Grundstücke zurück, Investoren wollten bauen, ohne von ungeklärten Ansprüchen behelligt zu werden. Jost von Trott zu Solz, Abkömmling eines alten evangelischen Adelsgeschlechts aus Hessen, vertrat hunderte von ihnen, vor allem Juden. Er war der Ziehsohn von Klaus Finkelnburg, dem früheren Präsidenten des Berliner Verfassungsgerichts, zu dessen Kanzlei der Jurist zunächst gehörte, und er war Neffe des Widerstandskämpfers Adam von Trott zu Solz.

1944, als die Nazis den Onkel in Berlin ermordeten, kam Jost von Trott zu Solz im hessischen Bellers zur Welt. Selbst nannte er sich einen „liberalen Konservativen“; nach der Bundeswehr ging er nach Berlin, wurde Sprecher des RCDS, CDU-Kreisvorsitzender, später Landesvize der Jungen Union. Beruflich wechselten die Stationen als Anwalt, seit 2002 führte er eine eigene Kanzlei. 2005 meldete sich der Experte für Restitutionsrecht mit einem Gutachten für das Land Berlin im Streit um Ernst Ludwig Kirchners „Berliner Straßenszene“ zu Wort. Der Senat gab das Gemälde der Erbin des früheren jüdischen Eigentümers zurück. Eine „faire und gerechte Lösung“ hatte der Jurist von Trott gefordert und vorgeschlagen, der Erbin den Verkehrswert zu ersetzen, wenn das Bild in Berlin bleiben soll. Die Stadt hatte es für 1,9 Millionen D-Mark gekauft. In New York kam es dann für fast 30 Millionen Euro unter den Hammer. Jost von Trott zu Solz ist am 18. Dezember in Berlin gestorben. Tsp

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