Nachtflugverbot : Nachtruhe am Flughafen Schönefeld

In Schönefeld soll der Flugbetrieb in der Nacht nun vorzeitig beendet werden: Ab 1. November tritt am alten Flughafen das umstrittene Nachtflugverbot in Kraft. Nicht nur die Airlines kritisieren diese Maßnahme.

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Licht aus? Brandenburg setzt ein Nachtflugverbot in Schönefeld durch – gegen den Willen Berlins und der Airlines.
Licht aus? Brandenburg setzt ein Nachtflugverbot in Schönefeld durch – gegen den Willen Berlins und der Airlines.Foto: dpa

Schon wieder wird um Nachtflüge gestritten, diesmal um die am alten Flughafen Schönefeld: Das vom BER-Aufsichtsratschef und Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) regierte Brandenburg will in Schönefeld den dort seit Jahrzehnten zulässigen 24-Stunden-Flugbetrieb vorfristig beenden: Ab 1. November wird dort ein Nachtflugverbot von 23.30 Uhr bis 5.30 Uhr verhängt – wie am BER. Dieser Schritt erfolgt gegen das ausdrückliche Votum der Airlines und der Flughafengesellschaft unter Hartmut Mehdorn.

Am Dienstag hat Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD), dem die Planfeststellungsbehörde untersteht, die beabsichtigte Entscheidung bekräftigt. „Das ist nachvollziehbar und sachgerecht“, sagte er auf Anfrage. Er sehe sich durch das Votum der Fluglärmkommission bestärkt, in der sich Brandenburg am Montag die mehrheitliche Rückendeckung für den bereits vor Wochen angekündigten Schritt geholt hatte. Berlin, Airlines und die Flughafengesellschaft hatten im Gremium gegen ein vorzeitiges Nachtflugverbot für Schönefeld (Alt) votiert. Zwar bestreitet niemand, dass maximal eine Handvoll Linienflüge pro Nacht betroffen sind, es „im Normalfall mehr um Symbolik“ geht, wie Berlins Senatssprecher Richard Meng sagte. Doch Meng wies auf negative Auswirkungen für den überlasteten Flughafen in Tegel hin. Denn Schönefeld sei gerade für die Zeit bis zur Inbetriebnahme des BER „eine Ausweichmöglichkeit, um verspätete Tegel-Flüge noch landen zu lassen“, sagte Meng. „Man muss sie nicht nach Hannover umleiten“. Künftig wäre das der Fall.

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Zwar sei das Ganze „kein Großkonflikt“ mit Brandenburg, fügte Meng mit Blick auf die von Potsdam angestrebte Ausweitung des Nachtflugverbotes am BER hinzu. Es sei auch klar, dass am BER das Nachtflugverbot gemäß Planfeststellungsbeschluss gelten werde. Trotzdem ist das Berliner Unverständnis groß, dass Brandenburg erneut vorprescht. „Wir sehen keinen Änderungsbedarf. Das muss man jetzt nicht machen.“ Ähnlich argumentierte die Flughafengesellschaft in der Sitzung der Fluglärmkommission - der ersten nach Amtsantritt Mehdorns - und warnte dort vor „einem verheerenden Signal für den Markt“.

Denn es sei mitnichten so, dass in Schönefeld nachts überhaupt nicht geflogen wird, hieß es. In der Nacht zum Dienstag startete um 23.30 Uhr etwa der reguläre Aeroflot–Flug nach Moskau. Ganz nebenbei: Vor der geplanten und geplatzten Inbetriebnahme des BER zum 3.Juni 2012 wäre das der letzte Schönefeld-Flieger gewesen. Es folgte um 0.45 Uhr eine Maschine nach Tel Aviv. Im Durchschnitt gibt es zwischen 23.30 und 5.30 Uhr derzeit eine Handvoll Starts und Landungen in Schönefeld, wobei die Zahl während des Sommerplans wegen der Ferienflieger höher liegt. Wie Schönefeld (alt) bei Unregelmäßigkeiten wie Streiks oder Unwetter nachts aushilft, zeigte sich etwa in der Nacht vom 9. zum 10. Dezember 2012, als zwischen 23.30 Uhr und 5.30 Uhr nach Angaben der Flughafengesellschaft 22 zumeist verspätete Linien- Maschinen starten und landen konnten.

In Brandenburg wiederum ist das Unverständnis groß, dass Berlin und die Flughafengesellschaft nicht einmal am alten Schönefelder Airport zu symbolischen Zugeständnissen an belastete Anwohner bereit sind. „Ich nehme das zur Kenntnis“, sagte Vogelsänger. Grünen-Landtags-Fraktionschef Axel Vogel sagte zu dem Konflikt, bei dem das Land Brandenburg auf der einen sowie Berlin und der Flughafen auf der anderen Seite stehen: „Das ist nur die Vorübung für das weitgehende Nachtflugverbot am BER.“

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